Das australische Geschwisterpaar Angus & Julia Stone ist nur durch Zufall zur Musik gekommen. Darüber und über ihr neues Album „Angus & Julia Stone“, das am 01. August erscheint, haben wir mit Julia Stone gesprochen.

Am ersten August kommt euer neues, selbstbetiteltes Album heraus. Was können eure Fans davon erwarten?

Ich glaube, das Album ist eine Mischung aus dem, was Angus und ich schon immer zusammen gemacht haben. Zum einen gibt es die Beständigkeit unserer Stimmen und wie sie zusammen klingen, aber man braucht auch ein gewisses Gefühl, welches das Album ausmacht. Ich glaube, unsere Art zu schreiben hat sich ein wenig verändert, auch der Rhythmus ist stärker geworden.

Ihr habt vor dem Album an euren Solokarrieren gearbeitet und habt euch nur selten gesehen. Wie würdest du eure individuelle Entwicklung beschreiben und wie hat es eure Arbeit beeinflusst?

Ich schätze, wir haben ein gewisses Maß an Unabhängigkeit voneinander entwickelt, was sehr wichtig für uns gewesen ist. Wir standen alleine auf der Bühne und im Studio – natürlich auch mit der Band – aber für das Schreiben, die Produktion und die Einschätzung der Musik waren wir zum ersten Mal selbst verantwortlich. Wir beide hatten diese kreative Phase ohne den anderen, was wir bis jetzt so noch nicht gemacht hatten. Als wir dann wieder zusammenkamen, waren wir viel entspannter. Ich glaube wir haben das gemacht, weil wir es gebraucht haben und weil es unsere gemeinsame Arbeit leichter gemacht hat.

Ist das der Grund, warum ihr den Albumname gewählt und es nach euch selbst benannt habt? Gibt es da Unterschiede zu den anderen Alben?

Ich glaube schon, dass es einen Unterschied gibt. Es ist das erste mal, dass wir zusammen für ein Album geschrieben haben. Eigentlich hat immer jeder für sich geschrieben, das hat sich also definitiv verändert. Was sich ebenso verändert hat, ist die Tatsache, dass wir mehr denn je das Gefühl haben, dass wir uns bewusst dafür entschieden haben. Früher hat es sich so angefühlt, als ob alles einfach nur passiert und wir haben das echt genossen und hatten eine tolle Zeit miteinander. Irgendwie wusste niemand so richtig, was gerade mit uns passiert. Dieses Mal haben wir eine bewusste Entscheidung getroffen, indem wir zum anderen gesagt haben: „Ja, ich will Musik mit dir machen!“ Und ich glaube das hat die Dinge dahingehend verändert, dass diese Situation durch unsere eigene Entscheidung entstanden ist, es hat etwas in unserer Beziehung verschoben. Wir behandeln uns mit mehr Respekt und Liebe.

Ich habe einen älteren Bruder und ich weiß, dass Konflikte mit ihm auf einer anderen Ebene ablaufen als mit Freunden. Habt ihr manchmal Konflikte, wenn ihr viel Zeit im Studio oder auf Tour verbringt oder ist es immer so harmonisch wie auf euren Bildern?

Nein, ich glaube, das ist viel weniger geworden als früher. Da gab es viele Konflikte, wenn wir zusammen auf Tour waren, am Schlimmsten war es, wenn wir müde oder hungrig waren oder einen Kater hatten (lacht), aber jetzt haben wir ein wenig mehr Respekt vor einander und sind auch in unserer Beziehung zueinander etwas erwachsener geworden, wir sind wirklich gute Freunde geworden durch alles, was wir zusammen durchgemacht haben und durch die viele Zeit, die wir miteinander verbrachten. Es ist eben nicht nur wie zwischen normalen Geschwistern. Ich habe eine Schwester, ich sehe sie nicht sehr oft und wenn ich sie sehe, habe ich immer Streit mit ihr, gerade weil wir uns so selten sehen.

Weil ihr euch so verändert habt.

Ja, genau. Aber Angus und ich haben sieben Jahre lang so viele Tage miteinander verbracht. Wir haben uns wirklich sehr gut kennengelernt und sind zusammengewachsen. Natürlich gibt es, wenn wir zusammenarbeiten, immer noch Zeiten, in denen wir pissig werden, aber es ist so viel einfacher, weil du dich danach entschuldigst und alles ist wieder gut. Alles ist recht einfach, niemand versucht den anderen zu verletzen. Wir geben unser bestes, dass es funktioniert.

Der Anstoß für das Album kam von Rick Rubin. Wie war es mit ihm zu arbeiten, denn er hat ja schon mit vielen Bands gearbeitet.

Er ist ein ziemlich entspannter Mensch. Seine Art zu arbeiten passte perfekt dazu, wie wir in einem Studio arbeiten möchten. Wir nehmen uns gerne unsere Zeit und probieren herum. Er ist ein wirklich offenherziger und aufgeschlossener Mensch. Was an Rick toll ist ist, dass er alle erdenklichen Möglichkeiten in seinem Studio bietet, man muss sich um nichts Sorgen machen. Er hat die besten Musiker, die besten Techniker, das beste Mikro, das beste Studio und Leute, die dir bei allem, was du brauchst, helfen. Man dreht sich einfach nur um und irgendwer wird da sein. Alles was man machen muss ist Musik zu machen. Er hat da ein kleines Paradies aufgebaut, sehr geräumig und minimalistisch eingerichtet, man fühlt sich also nicht bedrängt oder klaustrophobisch. Man kann den Ozean sehen und wenn er im Raum ist hat man das Gefühl, dass jeder wacher ist. Man will ihm unbedingt zeigen, was man kann. Angus und ich haben wirklich Respekt vor Rick und wollen auch, dass unsere Musik ihm gefällt, das hat uns motiviert, viel kräftiger zu singen und zu spielen.

Ihr habt auf dem Southside und Hurricane Festival gespielt. Ich war auf dem Konzert und es war in einem sehr heißen und stickigen Zelt. Wenn ihr auf Festivals seid, schaut ihr euch andere Bands an oder nicht?

Ja, das machen wir. Wir haben Johnny Flynn auf beiden Festivals gesehen. Er hat toll gespielt und hatte eine echt coole Show. Weißt du, was nach unserem Auftritt auf dem Southside passiert ist? Wir kamen von der Bühne runter und Deutschland hat gegen Ghana gespielt bei der Weltmeisterschaft. Wir sind mit allen anderen Bands backstage gesessen und haben das Spiel geschaut.

Oh, das klingt lustig. Wir Zuschauer hatten keine Möglichkeit, das Spiel zu sehen.

Ich weiß. Unglaublich, dass die Leute versuchen müssen, auf ihren iPhones mitzukriegen, was passiert, weil jeder einfach so gebannt war. Ich kann mich erinnern, dass Arcade Fire vor ihrem Auftritt geschlossen vor dem Fernseher saßen und der Tourmanager sagte: „Auf geht’s, Leute, ihr habt bald euren Auftritt.“ Es war einfach zu spannend, man will das nicht verpassen.

Was ist der Unterschied zwischen einem Einzelkonzert und einem Festivalkonzert und was mögt ihr lieber?

Auf Festivals gibt es diese spezielle Energie. Man hat keinen Soundcheck, also weiß man nicht, wie sich alles anhören wird. Es gibt diese unberechenbaren Faktoren wie, ob das Wetter gut oder schlecht wird. Jeder ist im Stress. Die ganze Crew und alle anderen haben 15 Minuten, um alles aufzubauen. Man kann den Stress fühlen, alle schwitzen und das Publikum ist an einem wirklich tollen Ort. Es ist immer ein wenig verrückt und ich glaube man hat auch viel Spaß, wenn der Sound gut ist. Gerade weil es keinen Soundcheck gibt, kann es passieren, dass man auf die Bühne kommt und eine schreckliche Show abliefert, weil man sich selbst nicht hören kann. Aber wir hatten bisher eigentlich keine Probleme mit Festivals, wir hatten einen guten Sound und ich liebe das Publikum dort, weil sie so gut drauf sind und einfach nur Spaß haben.
Der Unterschied zu einem Einzelkonzert ist, dass es in einem Theater oder einem geschlossenen Raum stattfindet. Erstens hat man einen besseren Sound und Zeit, diesen Raum kennenzulernen und man kann sich beim Soundcheck soviel Zeit nehmen, wie man braucht. Man hat ein Publikum, dasss wirklich dasein möchte, sie kommen nicht einfach, weil du im Line-Up stehst, sie haben ein Ticket gekauft und sind hergekommen. Sie wissen, dass du sie brauchst und es ist wirklich eine angenehme Erfahrung für Menschen zu spielen, die lieben was du tust und wirklich zuhören. Es macht glücklich, dies mit allen Anwesenden zu teilen. Es ist wirklich eine intime Stimmung. Beides ist toll, aber grundverschieden.

Habt ihr eine Vorstellung eines perfekten Konzerts?

Was eine Situation perfekt macht ist die Kombination aus so vielen verschiedenen Dingen. Man muss echt gut drauf sein und ein gutes Essen gehabt, ein wenig trainiert haben. Ich liebe es, in der Natur zu spielen oder an sehr alten Orten, das finde ich echt schön. Dazu kommt ein wirklich gutes Publikum. Was viel ausmacht, ob es ein wirklich gutes Konzert wird ist, wie ich mich fühle. Wenn ich mich gut fühle, dann wird es normalerweise auch ein gutes Konzert, egal ob ich jetzt am Lagerfeuer oder in einem alten Theater spiele. Wenn ich schlecht drauf bin, kann der Ort noch so toll sein, viel wird das nicht ändern können, ich kann es in meinem Kopf als etwas schlechtes sehen. Es kommt immer drauf an, wie mein Gehirn arbeitet. Ich versuche glücklich zu sein, um gute Konzerte abzuliefern.

Ihr kommt aus einer musikalischen Familie, ihr seid mit Musik aufgewachsen. Deine Mutter hat in einem Musiktheater mitgewirkt und dein Vater war Musiklehrer. Gab es irgendeinen Moment in deinem Leben, in dem du etwas völlig anderes als Musik machen wolltest?

Ja, in der Zeit, bevor Angus mir in Bolivien beigebracht hat Gitarre zu spielen, als er mich besuchen kam. Davor drehte sich mein Leben vor allem um meinen Freund, Musik spielte keine Rolle. Wir waren gerade zusammengezogen. Ich meine, ich war jung, 18 oder 19, und hatte diesen Wunsch, ein einfaches Leben mit ihm zu leben. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich, es wäre normal, irgendwann Kinder zu bekommen und zu heiraten. Ich habe keinen Gedanken daran verschwendet, einmal Musik zu machen, ich war einfach glücklich in dieser Situation. Ich habe unser Leben wirklich geliebt und glaubte, wir seien bestimmt füreinander, in unserer kleinen Welt. Ich arbeitete als Babysitterin und glaubte, ich hätte meinen Weg zu dieser Zeit schon gefunden. Musik war gewissermaßen eine Überraschung für mich.

Also hat sich dein Leben vollkommen verändert. Ist es wie ein Traum für dich?

Es ist ein Traum. Es ist zugleich ein Traum und als ob man auf einem total verrückten Trip ist. Es ist alles gut, aber manchmal auf jeden Fall verrückt. Ich glaube, dass jeder, der Pläne macht oder glaubt, sein Leben würde in bestimmten Bahnen verlaufen, sollte einfach aufgeben. Es ist, als ob das Universum seine eigenen Pläne macht, die du nicht wirklich ändern kannst. Manchmal, wenn Angus und ich zusammen auf Tour sind oder einen Pressetermin haben, schaue ich ihn an und sage: „What the fuck, wir haben versucht, unser eigenes Ding zu machen und irgendwie sind wir jetzt zusammen hier.“ Es ist lustig und es ist eines der Rätsel des Lebens, wie und warum es passiert ist.

Gibt es Künstler, mit denen Ihr unbedingt zusammenarbeiten wollt oder welche, mit denen Ihr nie zusammenarbeiten wollt?

Ich bin ein echt großer Fan von David Bowie, ich würde es lieben gerne eines Tages mit ihm singen. Und ich liebe Leonhard Cohen, er ist einfach ein toller Mann. Ich glaube, mit ihm zu singen wäre eine wirkliche Ehre. Ich mag die Zusammenarbeit und wenn jemand singen möchte, dann mache ich einfach mit.

Vielen Dank für das nette Gespräch!

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