Wir haben mit einigen von Österreichs größten Festival- und Konzertveranstaltern über die enormen Herausforderungen, vor denen sie aufgrund von COVID-19 stehen, gesprochen.

Ein Sommer ohne Festivals und Stadionkonzerte – was vor ein paar Monaten noch undenkbar war, wurde heuer bittere Realität. Die Fans trauern, werden es aber überstehen. Doch wie gehen die Veranstalter, die die Absagen ja am meisten treffen, damit um?

Bei einigen von ihnen haben wir nachgefragt, um ihre Situation besser zu verstehen. Astrid Exner vom WUK, Ewald Tatar von Barracuda Music (Frequency, Nova Rock usw.), Hannes Tschürtz von Ink Music (Yasmo & Die Klangkantine, My Ugly Clementine uvm.) sowie Alexander Toplitsch und Raphael Pleschounig vom Acoustic Lakeside Festival haben sich Zeit genommen, uns Rede und Antwort zu stehen.

Am Anfang stand der Schock

Das Verbot von Großveranstaltungen ab Mitte März war zwar absehbar, für die meisten war es letzten Endes aber doch eine Überraschung.

Alexander Toplitsch und Raphael Pleschounig nennen es „eine Art kollektives Nicht-wahr-haben-wollen“. Astrid Exner hatte Anfang März ein Schlüsselerlebnis: „Spätestens als DJ Krush bei uns im Backstage Maske trug, war der Normalzustand vorbei.“ Hannes Tschürtz erzählt, dass die Stimmung schnell in Richtung Akzeptanz der Maßnahmen gegangen ist: „In der Woche davor (Anm.: vor dem Lockdown) hatte eine befreundete Band in Frankreich ein ausverkauftes Konzert auf zwei ‚Schichten‘ aufgeteilt, um den neuen Kapazitätsgrenzen Rechnung zu tragen. Ein paar Tage darauf erschien das schon fahrlässig bis absurd.“

„Spätestens als DJ Krush bei uns im Backstage Maske trug, war der Normalzustand vorbei.“ (Astrid Exner)

Alle sind sich darüber einig, dass die Maßnahmen und das Verbot von Großveranstaltungen notwendig und nachvollziehbar sind, denn am Ende gilt es, Menschenleben zu schützen. Hannes Tschürtz ergänzt: „Wir sollten als Gesellschaft insgesamt ein großes Interesse daran haben, dass das schnell und konsequent vorbei ist.“

Verbesserungsfähige.Kommunikation & neue Interessensgemeinschaften

Informationen darüber, welche Maßnahmen getroffen werden und welche Verordnungen gelten, erhalten die Veranstalter überwiegend über Pressekonferenzen. Ewald Tatar kritisiert: „Zum Großteil dürfen wir die Maßnahmen, so wie alle anderen Österreicherinnen und Österreicher, aus den Medien erfahren.“ Astrid Exner erwähnt allerdings auch einen positiven Aspekt, nämlich die Formierung neuer Interessensgemeinschaften während des Lockdowns, die zum Teil nun mit am Verhandlungstisch sitzen.

Ewald Tatar verweist auf die eigens gegründete Plattform IG Österreichische Veranstaltungswirtschaft, welche die Interessen von führenden Veranstaltern, Ticketingunternehmen und Spielstätten aus ganz Österreich vertritt. Gemeinsam werden Maßnahmen definiert, mit denen man das wichtigste Ziel erreichen soll: über ausreichend finanzielle Mittel für die Veranstaltungsszene zu verfügen, damit das Kulturland Österreich weiter bestehen kann. Generell wird die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Veranstaltern gelobt: sie tauschen sich aus, diskutieren Lösungen und wenn irgendwie möglich, helfen sie sich gegenseitig.

Entschädigungen im engeren Sinne gab es für die Veranstalter übrigens bisher wenige bis keine – es konnte lediglich auf das Kurzarbeitsmodell zurückgegriffen werden. Wie hoch die Verluste am Ende sein werden, lässt sich heute noch nicht abschätzen.

Barracuda Music
Barracuda veranstaltet Festivals wie das Nova Rock, Frequency Festival, Clam Rock, Lovely Days und viele weitere, aber auch Konzerte aller Größenordnungen. In den nächsten Monaten sollten beispielsweise Konzerte von Bands wie Die Ärzte, Woodkid oder MIA. stattfinden.

WUK:
Das WUK ist sowohl Veranstaltungsort als auch Veranstalter in Wien. Konzerte von Manu Delago, JOSH., Lou Asril oder Shantel & Bucovina Club Orkestar gehen im WUK (hoffentlich) trotz Beschränkungen noch dieses Jahr über die Bühne.

Ink Musik:
Ink ist überwiegend im Bereich der Künstlerbetreuung und -entwicklung tätig, veranstaltet und bucht aber auch Konzerte bzw. Festivals. Außerdem wird das jährliche C’est la Mü-Festival in der Cselly Mühle Oslip gestaltet, das in diesem Jahr abgesagt werden musste.

Acoustic Lakeside:
Im letzten Jahr setzte man freiwillig aus, um das von vielen als „gemütlichste Festival Österreichs“ weiter zu verbessern. Heuer hätten Bands wie Fink, Cari Cari, Die Höchste Eisenbahn und viele mehr am Sonnegger See in Kärnten auftreten sollen.

Ab wann dürfen wir uns wieder auf Großveranstaltungen freuen?

Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Während man im WUK bereits jetzt versucht, ausgewählte Sitzplatz-Konzerte durchzuführen, rechnet Barracuda damit, ab 2021 wieder ganz normal Großveranstaltungen veranstalten zu können.
Weniger optimistisch ist man beim Acoustic Lakeside, wo die Prognose deutlich vorsichtiger ausfällt: „Für realistisch halten wir Sommer 2022. Kleinere Veranstaltungen ohne strenge Auflagen sind schon im Sommer 2021 plausibel.“ Hannes Tschürtz sieht das ähnlich: „Echten Normalbetrieb vor 2022 schließe ich fast aus, eine merkbare Erleichterung erhoffe ich mit erleichterten Tests und beginnenden Durchimpfungen wenigstens für Herbst 2021. Große Festivals sehe ich auch im Sommer 2021 noch nicht.“

Die Ungewissheit ist nicht nur für Fans und Konzertbesucher schwer zu ertragen, sondern insbesondere für die Veranstalter ein großes Problem. Das Acoustic Lakeside beginnt normalerweise kurz nach Ende des Festivals mit der Planung für das nächste Jahr, etwa acht bis zehn Monate vor der Veranstaltung – das Booking beginnt sogar noch früher.

Während man bei Ink Music in normalen Zeiten bis zu ein Jahr in die Zukunft plant, sind momentan nur Planungen für die nächsten zwei bis drei Wochen seriös. „Gleichzeitig machen wir Pläne für ein „danach“, ohne zu wissen, wann das genau sein kann.“ Barracuda hingegen plant wie immer – also bis ins Jahr 2022.

Ob danach alles wieder so ist wie vorher?

Auch hier herrscht Uneinigkeit. Ewald Tatar zeigt sich bei dieser Frage wieder optimistisch: „Ich gehe davon aus, dass die Konzertbesucher hungrig sein werden und hoffe auf eine größere Auslastung als in den Jahren zuvor.“

Erinnerungen an Zeiten vor Corona. Foto: (c) 8213erika – istock.com

Astrid Exner ist ebenfalls positiv gestimmt und erinnert an die Roaring Twenties, die auf die Spanische Grippe folgten: „Ich persönlich hoffe also auf mindestens ein Jahrzehnt voller Lebensfreude und Ausgelassenheit. Nur den Faschismus, der danach kam, würde ich bitte gern vermeiden.“
Beim Acoustic Lakeside geht man davon aus, dass der „Run“ auf Konzerte enorm sein wird, denn die Menschen sehnen sich nach Kultur und (Live-)Musik: „Das wird dann alles nachgeholt werden.“

Hannes Tschürtz ist zurückhaltender, denn momentan ließen sich nur zwischen einem Viertel und der Hälfte der Besucher ansprechen, die man sonst erreiche. Er sieht für die Zukunft einen Kampf auf sich, Künstler und andere Veranstalter zukommen, um die Besucher zurückzugewinnen.

Am Ende bleibt die Hoffnung auf bessere Zeiten

An diesen unterschiedlichen Einschätzungen, Planungen und Strategien ist deutlich zu erkennen, vor welchen Problemen die Eventbranche steht. Um große Veranstaltungen wie Festivals oder Großkonzerte zu organisieren, benötigt man eine mehrmonatige Vorlaufzeit, die derzeit nicht gegeben ist.

Ziel sollte also sein – abgesehen davon, das Virus unter Kontrolle zu bringen – einen Handlungsspielraum zu ermöglichen, damit sich für Veranstalter ein gewisser Planungshorizont auftut. Nur so kann eine gesamte Branche vor dem Ruin und der darbende Musikfan vor dem langsamen Verhungern gerettet werden. Und dann wird auch der Wunsch von Ewald Tatar in Erfüllung gehen: „Ein Line-up,, das so viele Besucher wie möglich begeistert und uns allen Freude bereitet.“ Möge es bis dahin nicht mehr allzu lange dauern.

„Ich gehe davon aus, dass die Konzertbesucher hungrig sein werden.“ (Ewald Tatar)

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