Auf der Wiener Donauinsel ging das Rock in Vienna heuer von 3. bis 5. Juni zum zweiten Mal über die Bühne. Schon bei der Erstauflage des Festivals im Vorjahr waren wir skeptisch, ob im Osten Österreichs tatsächlich Bedarf für ein weiteres großes Rock-Festival besteht. Unser Fazit nach drei sehr durchwachsenen Festivaltagen: Durch seinen Standort mitten in der Bundeshauptstadt hätte das Rock in Vienna mit seinem musikalischen Programm definitiv viel Potenzial, es scheitert allerdings gewaltig an der Umsetzung.

Organisation? Fehlanzeige!

Der erste Tag stand unter keinem guten Stern. Das schöne Wetter lockte zahlreiche Rock-Fans schon in den Nachmittagsstunden auf die Wiener Donauinsel. Mitbringen mussten sie vor allem eines: Geduld! Denn trotz des ausverkauften Tagesticket-Kontingents und einem Headliner wie Rammstein, deren Shows in der Regel binnen weniger Minuten ausverkauft sind, rechneten die Veranstalter nicht mit solch einem regen Ansturm. Beim Einlass kam es deshalb zu Wartezeiten von bis zu zwei Stunden. Da musste man als Besucher froh sein, für sein überteuertes Tagesticket überhaupt noch den Hauptact des ersten Festivaltages erleben zu können.

Selbst wenn man es dann endlich zu den Stages geschafft hatte, herrschte aufgrund des viel zu schmalen Geländes permanentes Gedränge nach vorne. Man kann es den Festivalbesuchern kaum verübeln. Nicht nur wurde die Sicht auf die Bühne durch Schirme und Zeltdächer versperrt, auch der Sound war eine Zumutung. Für Konzerte in Zimmerlautstärke, bei denen man die Leute in seinem Umkreis lauter reden hört als die Musik, kann man sich auch gleich das Geld sparen und die Auftritte von der Floridsdorfer Brücke aus verfolgen.

Die Bars im Wavebreaker-Bereich wären zwar an sich eine nette Idee gewesen, allerdings wurde dieser in einem solchen Maße vollgestopft, dass man sich im Publikum fühlte, als wäre man in einer Sardinendose gefangen gewesen. Wenn man dann auch noch geschlagene 40 Minuten auf sein Getränk warten darf und schon um 20:30 Uhr das Bier an den Bars ausgeht, ist der Unmut der Festivalbesucher nur zu gut zu verstehen. Vom beworbenen vergrößerten, veganen Essensangebot fehlte weit und breit übrigens auch jede Spur.

Ja! Nein! Rammstein!

Unser persönliches Highlight des Tages erlebten wir bereits beim Betreten des Festivalgeländes, als Babymetal die Mind Stage enterten und mit einer unterhaltsamen Mischung aus Death-Metal und K-Pop antanzten. Ganz vorne wurde das junge Trio aus Japan riesig gefeiert, etwas weiter hinten gingen eher skeptische Blicke durch die Reihen. Gleich im Anschluss machten sich Slayer für ihren Auftritt auf der Soul Stage bereit und konnten weitaus mehr Besucher vor die Bühne locken als die japanischen Girls. Das lag vermutlich nicht zuletzt daran, dass bereits jetzt das große Warten für das Konzert von Rammstein begann. Apocalyptica, die den undankbaren Job hatten, direkt vor dem Headliner die Nebenbühne zu bespielen, konnten das Publikum kaum in Stimmung bringen.

Um 21:20 Uhr wurde es dann endlich Zeit für jene Band, auf die alle so sehnlichst gewartet haben: Till Lindemann & Co. eröffneten ihre Show mit einem lauten Knall. In gewohnter Rammstein-Manier wurde auch diesmal nicht an der Pyrotechnik gespart. Die treuen Fans der Deutschen bekamen genau das, was sie erwarteten und noch viel mehr. Denn gegen Ende des Sets legte ein Stromausfall die gesamte Technik lahm und Lindemann gab „Ohne dich“ ganz ohne Strom zum Besten. Mit „Engel“ wurden die zahlreichen Fans schließlich beflügelt auf den Nachhauseweg geschickt.

Wirbelwind Iggy Pop stahl allen die Show

Der zweite Tag begann für uns mit Royal Republic auf der Mind Stage. Trotz heißer Temperaturen auf der Insel kämpfte sich Frontmann Adam Grahn samt Jackett durch das Set. Mit der Attitude und seinem charismatischen Auftreten erinnerte der Sänger uns ein bisschen an Ruben Block von Triggerfinger. Direkt im Anschluss waren Juliette (Lewis) And The Licks an der Reihe. Zwar machte die Rockröhre in ihrem weiß-blauen Ganzkörperanzug optisch einiges her, musikalisch konnte sie mit dem restlichen Aufgebot des Tages allerdings nicht mithalten. So wurde sie schon schnell von The Subways in den Schatten gestellt, die mit ihrer unbändigen Energie immer gern gesehene Festivalgäste sind.

Wieder etwas schwächer blieben uns Mando Diao in Erinnerung. Nach ihrem abenteuerlichen Konzert im Wiener Gasometer waren wir besonders gespannt, womit sie diesmal aufwarten werden – vor allem nachdem Gustaf Norén aus der Band ausgestiegen ist und von der Ursprungsformation lediglich Björn Dixgård übrig blieb. Zwar ging der Sound zu unserer Freude wieder back to the roots, allerdings machte die One-Man-Show des Schweden auf uns einen ziemlich gequälten Eindruck. Dann doch lieber Bühnenwechsel und Biffy Clyro mit Spannung erwarten. Die Schotten, die auch einige Songs ihres neuen Albums „Ellipsis“ (VÖ: 08.07.2016) vorstellten, heizten dem Publikum ordentlich ein. Genau die richtige Vorbereitung für den Auftritt von Iggy Pop. Der Godfather of Punk fegte mit seinen 69 Jahren wie ein Wirbelwind über die Bühne, stahl damit allen die Show und sorgte für ein unvergessliches Finale.

Mit Iron Maiden kam der Regen

Die Vorfreude auf den letzten RiV-Tag wurde schon am frühen Abend durch starke Regenschauer und Gewitter getrübt. Nach den Vorfällen beim diesjährigen Rock am Ring ging man auf der Donauinsel auf Nummer sicher und unterbrach das Festival gleich zwei Mal binnen zwei Stunden (gegen 18:30 Uhr beim Auftritt von Nightwish und kurz nach 20:00 Uhr beim Auftritt von In Extremo). Glücklicherweise konnte die Headline-Show von Iron Maiden planmäßig um 20:50 Uhr starten. Wäre ja auch schade gewesen, wenn ausgerechnet ihr Konzert ins Wasser gefallen wäre, wo die Band doch extra mit ihrem eigenen Tour-Flugzeug, der Boeing 747 Ed Force One, anreiste. Das Durchhalten hat sich bei diesem Wahnsinnskonzert auf jeden Fall gelohnt.

Fazit

Trotz solider bis herausragender Performances aller Künstler und Bands, müssen wir leider sagen: Danke Rock in Vienna, einmal und nie wieder! Durch die miserable Organisation, die besonders am ersten Festivaltag durch die große Besucheranzahl zu Tage kam, hat das Festival einen sehr bitteren Nachgeschmack hinterlassen, auf deren Wiederholung wir in Zukunft gerne verzichten.

Foto: Martin Fisch / marfis75 on flickr (CC BY)

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