Ende Jänner haben Endless Wellness ihr Debütalbum „Was für ein Glück“ veröffentlicht – und damit gleich in der ersten Woche Platz 7 der österreichischen Charts erreicht. Im Interview enthüllen Milena und Hjörtur die Geschichten hinter ihrem Bandnamen, tiefe Freundschaften, die ihre Musik prägen, und Herausforderungen ihrer musikalischen Reise. Ihr erfahrt, wie die enge Verbundenheit untereinander die Kreation ihres Albums beeinflusst hat und taucht ein in den kreativen Prozess hinter ihren Songs. Übrigens: im Frühjahr und Sommer wird es einige Gelegenheiten geben, Endless Wellness live zu erleben – was ihr euch nicht entgehen lassen solltet.

Endless Wellness klingt wie ein Versprechen für ewige Entspannung. Wie kamt ihr auf diesen einzigartigen Bandnamen und inwiefern spiegelt er eure Musik und Philosophie wider?
Milena: Es war ein langer Prozess, um final bei unserem jetzigen Bandnamen anzukommen. Zwischendrin gab es zum Beispiel auch mal den Kandidaten „Die Pommes“. Die Assoziationen dazu, wie sich nun „Endless Wellness“ zu unserer Musik verhält, geben wir am liebsten an die Hörer*innen selbst weiter.
Ihr seid schon lange befreundet gewesen, bevor ihr die Band gegründet habt. Wie beeinflusst diese tiefe Verbindung die Art und Weise, wie ihr Musik macht und miteinander interagiert?

Hjörtur: Ich denke viele dieser Lieder wären erst mal gar nicht in dieser Form erschienen, hätte es davor nicht diesen Rahmen unserer langen Freund*innenschaft gegeben, um sie auszubreiten, anzusehen, auseinander zu nehmen und wieder zusammenzuführen. Es sind viele persönliche Komponenten dabei. Wir erzählen in den Texten von schweren Themen wie Depression und Zukunftsängsten – da braucht es sehr viel gegenseitiges Vertrauen, um diese so zu behandeln und an die Öffentlichkeit zu bringen.
Jede kreative Reise kommt mit Herausforderungen. Welche Hindernisse musstet ihr als Band überwinden, um an dem Punkt anzugelangen, an dem ihr jetzt seid, und wie haben diese Erfahrungen eure Musik und euer Bandgefüge beeinflusst?
Milena: Diese Frage könnten wir auf ganz vielen Ebenen beantworten. Das Erste, was mir aber in den Kopf kommt: Wir mussten sicher einige Hindernisse überwinden – aber der Umstand, dass wir uns diesem Musikprojekt überhaupt dermaßen intensiv widmen konnten, spricht gerade für all die Ressourcen, die wir hatten und haben. Musik bzw. Kunst zu machen, muss mensch sich erst mal leisten können. Sehr viele Künstler*innen kommen nie in die Position, kreative Projekte in dieser Intensität zu verfolgen, weil sie nicht dieselben Privilegien und Startbedingungen wie wir haben. Das Musikbusiness glitzert und glänzt oft voll guter Laune und Leichtigkeit nach außen hin, aber strukturelle Ungleichheit betrifft klarerweise auch dieses gesellschaftliche Umfeld maßgeblich. Umso wichtiger, darüber offen zu sprechen.

Euer Debütalbum „Was für ein Glück“ ist seit kurzem draußen. Könnt ihr uns die Geschichte hinter einem der Songs erzählen, die uns einen Einblick in euren kreativen Prozess gibt?
Hjörtur: „Danke für Alles“ ist einer der Songs, die erst nach der Bandgründung entstanden sind. Am Anfang waren ein paar ganz eingängige Strophen von Philipp da und ein Refrain, von dem keine*r ganz überzeugt war, ja, der uns eigentlich wirklich genervt hat. Gemeinsam mit der Band haben wir dann aber inhaltlich nach der Essenz gesucht. Eine Anspielung auf einen Hit aus den 80ern brachte es für uns auf den Punkt: „Ich möchte kein Eisbär sein, ich möchte eine Zukunft“. Das war dann eine gute Quelle für weitere Zeilen und Zitate, die den Song prägen. Der Song, der anfangs etwas belanglos war, wurde somit zu einer Beschwerde einer verzweifelten jungen Generation der Elterngeneration gegenüber, die jegliche Warnzeichen ignoriert und unseren Planeten in den Ruin getrieben hat. Kommuniziert wird diese aber in den Worten der ehemaligen Idole der Boomer. Und ja es nervt, soll’s auch.
Wie habt ihr das Hinfiebern auf die ersten Reaktionen und Rezensionen zum Album erlebt? Oder lässt es euch kalt, was andere über das Album denken?

Milena: Zwischen „fiebern“ und „kalt lassen“ sind wir auf jeden Fall bei ersterem. Es ist sowohl wahnsinnig aufregend und schön als auch anstrengend und schwindelerregend, weil so viel passiert ist in den letzten Wochen. Die Rückmeldungen auf unser Album waren dabei aber vor allem bestärkend und positiv. Dass unsere Musik die Menschen so zu berühren scheint, wie sie es bei uns tut, ist das Schönste.
Von ersten Bandproben bis zum fertigen Album – gab es einen Moment, der euch besonders im Gedächtnis geblieben ist? Etwas Lustiges, Herausforderndes oder vielleicht eine spontane Inspiration?
Hjörtur: Der Entstehungsmoment der ersten Demos von „Donnerwetterblitz“ war sehr magisch. Wir haben uns im Winter 2021 ein Häuschen mit Strohdach in der Nähe von Bratislava gemietet, wo wir drei Tage lang an Musik gearbeitet haben. Der Song bestand damals aus drei Strophen, aber es fehlte der Refrain – dachte Philipp. Bis die Frage aufkam: Ist das vielleicht der Song, braucht er überhaupt noch was? Was ist, wenn du dich radikal ans bereits bestehende Schema hältst? Die restlichen Strophen schrieb er dann in 15 Minuten und wir nahmen den Song auf durch ein im Raum platziertes Mikro. Wir haben später versucht, den Song noch zwecks Album-Tauglichkeit in anderen Varianten zu spielen, kamen aber immer wieder zurück zur Ursprungsaufnahme. Die finale Albumaufnahme ist stark an diese angelehnt.
Welche Bands oder Künstler haben euch am meisten beeinflusst? Gibt es jemanden, mit dem ihr gerne mal zusammenarbeiten würdet?
Milena: Wir haben alle recht unterschiedliche musikalische Sozialisierungen, wobei es natürlich einige Überlappungen gibt. Adele und Hjörtur lieben zum Beispiel „Beach House“ sehr, Philipp und ich wiederum „Wir Sind Helden“ und „Element of Crime“. Die Frage nach der Zusammenarbeit fällt mir schwer zu beantworten; ob wir die Musik einer Person gerne mögen oder gut mit ihr zusammenarbeiten können, sind ja zwei verschiedene Dinge. Müssen wir wohl einfach ausprobieren, wenn sich eine spannende Möglichkeit auftut.
Ihr habt schon einige Live-Shows gespielt. Gibt es ein besonderes Konzert, das für euch heraussticht, und warum – und/oder einen Ort, ein Festival, wo ihr unbedingt mal auftreten wollt?
Hjörtur: Im 15. Wiener Gemeindebezirk gab es bis vor ein paar Monaten eine Baulücke, in der die lieben Menschen von „Wild im West“ eine Freiluftbar aufgemacht hatten. Eines unserer ersten Konzerte haben wir dort gespielt und ein Jahr später, also diesen Spätsommer, nochmals kurz vor der Schließung. Die Stimmung war beide Male elektrisch; und es war wunderschön zu sehen, was für eine Verwandlung die Location und unsere Band in einem Jahr durchgemacht hatten. Die Auftritte werden mir lange in Erinnerung bleiben. Was Festivals betrifft mag ich die ländlichen, selbstorganisierten Festivals sehr, meistens sind es Freund*innenkreise, die sich einfach wünschen, etwas Schönes in ihrer Gegend aufzubauen und die Dinge wachsen dann organisch.
Was möchtet ihr, dass eure Hörerinnen und Hörer aus eurer Musik mitnehmen? Gibt es eine bestimmte Botschaft oder ein Gefühl, das ihr teilen wollt?
Milena: Trost.
Was können wir von Endless Wellness in der nahen Zukunft erwarten? Gibt es schon Pläne für eine Tour oder gar schon neue Songs, an denen ihr arbeitet?
Hjörtur: Wir spielen sehr viel in kommender Zeit, unsere Release-Show im Wiener „Porgy and Bess“ wurde schon ausverkauft, also gibt es eine Zusatzshow im Wiener WUK, was sich für uns als sehr junge Band natürlich komplett irre anfühlt. Diesen Sommer spielen wir auch erstmals öffentlich in Deutschland und in der Schweiz, viele von den kleinen Festivals, die ich eben besonders gern mag. Im Herbst kommt auch eine größere Tour – wird alles online angekündigt.
Das UNIMAG ist ein Magazin, das vor allem von Studierenden gelesen wird. Daher meine Frage: wenn ihr heute nochmal zu studieren beginnen würdet, was wäre es? Und: habt ihr etwas studiert und wenn ja, was?
Milena: Ich liebe mein Studium „Theater-, Film- und Medienwissenschaft“ sehr und würde es jederzeit nochmals wählen bzw. bin ich noch dabei, es abzuschließen.
Vielen Dank für das Interview!







