Fink sind gerade mit ihrem neuen Studioalbum „Hard Believer“ auf großer Europa-Tour. Wir haben Sänger Fin Greenall und Schlagzeuger Tim Thornton im Vorfeld zum Interview getroffen. Was sie uns erzählt haben, könnt ihr hier nachlesen. 

UNIMAG: Das Musikvideo zu „Looking Too Closely“ war erst euer drittes Video in acht Jahren.

Fin: Das stimmt, alle anderen, die wir gedreht haben, haben wir nicht veröffentlicht.

Wieso denn nicht?

Tim: Man weiß während des Drehs nie, was dabei herauskommen wird. Manchmal sagen unsere Videos am Ende nicht das aus, was wir wollen.

Fin: Außerdem haben wir uns dazu entschlossen, nicht 10.000 Euro in ein Video zu stecken, das sich nicht verkaufen lässt. Die Summe entspricht unseren gesamten Verkäufen in Österreich – und das für nur ein Video? Wir machen lieber Live-Videos. Wir hatten beispielsweise schon ein Video für „Perfect Darkness“ im Kasten, aber es war dann einfach scheiße. Dann haben wir bei einem Gig in London „Fear Is Like Fire“ mitgefilmt, und obwohl es nicht einmal eine Single war, wollten wir es veröffentlichen. Generell gibt es von uns sehr viele Live-Mitschnitte von Auftritten im Fernsehen oder auf Festivals, auf die wir irgendwie auch angewiesen sind.

Tim: Für „Looking Too Closely“ hatten wir einfach die richtige Idee.

Fin: Genau. Außerdem wollten wir nicht, dass uns Leute fragen, was nicht mit uns stimmt, weil wir nie Videos zu unseren Songs machen (lacht). Wir wissen aber, dass es wichtig ist, Videos zu haben. Ich selbst verbringe viel Zeit auf YouTube und sehe mir Musikvideos an.

Euer Album „Hard Believer“ habt ihr in nur zweieinhalb Wochen aufgenommen. Meint ihr, dass diese Limitation einen positiven Effekt auf eure Arbeit hat?

Tim: Definitiv sogar! Klar haben wir uns lange vorbereitet, aber als wir in L.A. angekommen sind, standen 80 % der Songs bereits. Uns tut dieser Druck gut, dann können wir uns nicht so viele unnötige Gedanken machen.

Fin: Diskussionen über die Songs führen wir außerdem schon, bevor wir ins Studio gehen. Dort hat so etwas keinen Platz mehr. Uns ist es auch wichtig, den Moment festzuhalten. Wir wollen, dass unsere Tracks wie aus einem Guss klingen. Deshalb passiert das alles so schnell. Wir haben vorhin erfahren, dass unsere britischen Freunde Brother And Bones ihr Album in nur elf Tagen aufgenommen haben. Sie haben uns somit um fast eine Woche geschlagen. Das pisst uns wahnsinnig an (lacht).

Tim: Aber wir haben den Maßstab dafür gesetzt!

Fin: Stimmt, unser nächstes Album nehmen wir dann in vier Tagen auf oder so (lacht). Aber eigentlich haben wir unser Live-Album ja noch schneller im Kasten gehabt. Das hat nur 90 Minuten gedauert (Tim lacht).

Tim: Wir können uns glücklich schätzen, weil unser Produzent Billy alle Gitarren und alle Drum Cases hat, die man sich vorstellen kann. Da kann ich nach jedem Song überlegen, welche Base Drum ich beim nächsten Track verwenden möchte.

Aber fällt da die Entscheidung nicht schwerer?

Tim: Natürlich, aber darüber kann ich mir ja Gedanken machen, während Fin die Vocals aufnimmt.

Fin: Wir wechseln uns immer ab, bis wir mit dem Album durch sind.

Ohne Pause?

Fin: Wir arbeiten 24/7 (lacht). Es ist richtig scheiße, schlafen und essen zu müssen.

Tim: Einmal hat uns unser Produzent sogar zwei Tage frei gegeben und wir haben trotzdem weiterarbeitet.

Fin: Ich weiß, was du jetzt denkst… NERDS! Selbst wenn wir auf Tour sind und einen Tag frei haben, gehen wir zu Konzerten anderer Leute.

Holt ihr euch bei diesen Gigs Inspirationen für eure eigene Musik?

Fin: Unsere größte Inspiration sind eigentlich neue Orte. Wenn du immer am gleichen Ort bleibst, wirst du auch immer wieder das Gleiche schreiben. Erschöpfung lässt uns auch kreativ werden. Da hörst du nämlich endlich auf, über den ganzen unnötigen Scheiß nachzudenken. Wir arbeiten ja auch schon an unserem neuen Album. Was sollten wir auch sonst machen… etwa fernsehen? (lacht)

Eure Songs klingen immer ziemlich melancholisch…

Tim: Wir haben ein Problem mit fröhlichen Songs. Es ist nicht so, dass wir unglücklich wären. Wir lachen sogar ziemlich gerne (lacht). Ich war schon in Bands, bei denen du dachtest, es wäre jemand gestorben, wenn du den Raum betreten hast. So ist das bei uns absolut nicht, aber mit glücklichem Kram können wir nicht so viel anfangen.

Fin: Es ist schwer, intensiv glücklich zu sein. Und gerade Intensität und wie überwältigend diese sein kann, ist das, was unsere Musik ausmacht. Das kannst du nur schwer in einem fröhlichen Song umsetzen. Mir ist bewusst, dass manche Leute glauben, all unsere Alben sind bedrückend. Denen möchte ich immer sagen: „Wir sind doch gar nicht so deprimiert.“ Also lasst uns ein Lied schreiben, das nicht so klingt. „Shakespeare“ und „Too Late“ von unserem neuen Album sind daraus entstanden, aber die klingen auch nicht wirklich fröhlich (lacht).

Tim: „Two Days Later“ war eigentlich als Uptempo-Song gedacht, aber als wir ihn uns ein zweites Mal angehört haben, war er uns wieder zu fröhlich. Wir sind also noch einmal ins Studio und haben die deprimierendste Version eingespielt, die man sich vorstellen kann…

Fin: …und wir fanden es großartig (lacht).

Einige denken ja immer noch, bei Fink handle es sich nur um einen Singer-Songwriter. Stört euch das?

Fin: Naja, man kann es den Leuten nicht verübeln. Es hat ja immerhin auch damit begonnen, dass ich als Solo-Künstler unterwegs war. Erst 2009 ist uns während einer Tour durch Australien klar geworden, dass wir eine Band sind. Wenn jetzt einer von uns die Band verlassen würde, würde Fink für uns nicht weiter existieren. Tim hat uns ja schon ab und zu verlassen, aber er kommt immer wieder zurück (lacht).

Also macht es mit Band mehr Spaß als alleine?

Fin: Wenn du solo unterwegs bist, dreht sich immer alles um dich… nur um dich. Mit der Band kann ich endlich Ideen austauschen, chillen und über unsere Musik sprechen. Früher hätte ich gesagt: „Okay Tim, jetzt machst du das so und so“ und jetzt bin ich jedes Mal gespannt, was Tim in den Track einbringen wird. So muss ich mich um die Scheiße wenigstens nicht mehr kümmern (lacht).

Tim: Tu, was auch immer du willst, solange du damit einen Grammy gewinnen kannst (lacht).

Ihr habt in diesem Jahr auch wieder auf vielen Festivals gespielt. Wie würde das Line-Up eures eigenen Festivals aussehen?

Fin: Oh, ich liebe diese Frage jetzt schon.

Tim: Ich denke mal, wir würden selbst nicht spielen, oder? Vielleicht machen wir ein Acoustic Set am Nachmittag, aber wir wären kein Headliner.

Fin: Wie viele Bands dürfen wir denn auswählen?

Sagen wir mal zehn Bands.

Fin: Müssen die alle noch am Leben sein? Warte, der Headliner darf schon tot sein, okay?

Tim: Okay, ich fange mal an und würde tune-yards auf’s Line-Up packen.

Fin: Ich würde bei Warpaint anfragen.

Tim: Außerdem würde ich gerne eine auf das Wesentliche reduzierte (aber keine akustische) Show von jemandem wie Muse sehen.

Fin: Ich möchte Ben Howard mit seiner neuen Platte sehen. In die habe ich zwar noch nicht reinhören können, aber er ist einfach großartig. Außerdem Portishead und Prince.

Tim: Ich wäre für Beck.

Fin: Oh ja, eine großartige Wahl. Wir könnten auch einmalig The Smiths zurückbringen.

Tim: Oh nein, bitte nicht! Wir könnten uns die separaten Garderoben gar nicht leisten (lacht)

Fin: Okay, du hast Recht. Wie wäre es dann mit einer einmaligen Wiedervereinigung von LCD Soundsystem? Und als Headliner würde ich mir Bob Marley wünschen. Wir brauchen aber auch noch eine Metal-Band.

Tim: System of a Down.

Na bitte, jetzt habt ihr euer eigenes Festival!

Fin: Aber wir brauchen noch einen Namen! Wie sollen wir es nennen? Sag ja nicht Finkstock.

Tim: Finkfest (lacht).

Fin: Du kannst auch nicht Finkfest sagen (lacht). Wie wäre es mit Dead or Alive Festival? Es kommt wohl darauf an, wo wir es umsetzen würden. Definitiv nicht in Großbritannien, da regnet es zu viel.

Tim: Vielleicht in der Mitte von Europa an den Grenzen von Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Fin: Irgendwo, wo easyJet hinfliegt (lacht).

Wir kümmern uns um das Essen und Merchandise-Stände.

Fin: Deal!

Eure Musik war schon bei Serien wie CSI New York, Dr. House oder The Walking Dead zu hören. Freut euch das?

Fin: Ich habe es bei The Walking Dead sogar „live“ mitbekommen, als ich in L.A. war. Mann, war ich aufgeregt, weil unsere Musik im Fernsehen kam.

Tim: Seit es Sendungen wie Top of the Pops in Großbritannien nicht mehr gibt, sind Serien ein ziemlich guter Weg, neue Musik zu entdecken.

Fin: Oh ja. Für The Walking Dead gibt es ja nach jeder Staffel einen Soundtrack zu kaufen. Sia hatte durch eine andere Serie ja zum Beispiel mit „Breathe Me“ ihren Durchbruch. Der Song hat perfekt zu der Szene in der Serie gepasst und sie wurde über Nacht zum Star, obwohl sie schon davor viele Jahre extrem gute Musik gemacht hat. Aber erst jetzt interessieren sich die Leute für sie. Shows wie The Walking Dead haben ja auch rund 10 Millionen Zuschauer, das freut einen dann als Künstler natürlich schon sehr. Wir kennen Thomas zufällig, der für die Musikauswahl verantwortlich ist, und er hat keine Ahnung, wie viel seine Entscheidungen bewirken können.

Tim: Also wir finden es großartig, wenn unsere Musik bei Serien gespielt wird. Noch lieber wären uns natürlich Filme (lacht).

Vielen, lieben Dank für eure Zeit und das tolle Gespräch!

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