Seit 16. Juni 2017 steht das neue Doppelalbum „Nacht und Tag“ der Band 2raumwohnung in den Plattenläden. Einige Tage nach der Veröffentlichung trafen wir das Elektropop-Duo aus Berlin zum Interview und sprachen mit ihnen über das besondere Konzept des neuen Albums, das jahrelange Zusammenwirken von Inga und Tommi und über die anstehende Clubtour im Herbst.

UNIMAG: Seid ihr gut in Wien angekommen?

Inga: Ja, alles gut soweit.

UNIMAG: Ich habe gehört, ihr seid schon seit gestern hier?

Inga: Gestern haben wir Stermann und Grissemann gemacht. Das war sehr lustig.

Tommi: Wir kennen die noch von früher aus Berlin, weil die dort bei Radio Eins waren.

UNIMAG: Wie kamt ihr denn auf die Idee, ein Nacht-Tag-Doppelalbum rauszubringen?

Tommi: Wir wollten auch mal ganz ehrgeizig ein Doppelalbum rausbringen – wie, glaube ich, jeder Musiker (lacht). Aber es passierte eher aus einem Zufall heraus, als wir an Filmmusik gearbeitet haben. Wir machten eine Transformation von einem Song, der zu dem Film passen sollte, wo man aus der Nacht in den Tag rübergeht. Und dann hatten wir das Lied, was aber übrigens gar nicht im Film drin geblieben ist. Uns gefiel so gut, wie die elektronische Beat-Welt auf eine George Harrison Gitarren-Welt getroffen ist; da wollten wir diesen Sound bei allen Songs haben – und so ist die Idee entstanden.

UNIMAG: Ich habe gehört, dass in der beschriebenen Szene jemand vom Club rauskommt, also quasi von der Nacht in den Tag geht.

Inga: Ja genau, das Lied ist übrigens „Energie Multimillionär“.

UNIMAG: Wisst ihr, welches Lied jetzt im Film in der Szene vorkommt?

Inga: Ich glaube einfach etwas Düstereres.

UNIMAG: Wie war denn die Herangehensweise an das Album? Welche Versionen habt ihr denn zuerst komponiert bzw. produziert?

Inga: In der Mitte war es ein bisschen poppig. Und als wir diese Idee hatten, konnten wir auf der einen Seite noch etwas clubbiger und elektronischer, auf der anderen Seite noch weicher und heller werden. Das war sehr inspirierend. Man konnte beide Sachen extrem darstellen.

UNIMAG: Es ist ja schon schwierig genug, einzelne Songs zu produzieren. War es eine große Herausforderung, sich für jeden Song gleich zwei Versionen zu überlegen?

Inga: Es ging komischerweise bei einer Hälfte wahnsinnig leicht und schnell und bei der anderen Hälfte mussten wir etwas herumstochern und rumsuchen. Bei „Energie Multimillionär“ zum Beispiel haben wir am Ende noch einen anderen Beat draufgelegt, damit der Song einfach krasser und anders wird.

Tommi: Die Nacht-CD und die Tag-CD haben ja auch die gleiche Titelreihenfolge. Und da haben wir am Ende noch etwas rumschieben müssen. Und so kamen auf die Tag-Seite doch auch ein paar verspieltere Beats, die was anderes haben, als die Club-Beats. Die Tag-CD sollte auch für sich alleine funktionieren.

Inga: Bei dem Song „1993“ ist das vielleicht am deutlichsten. Da hat man zuerst die clubbige Version und dann die sonnige und ruhige Version. Da ist der Kontrast wirklich dunkel und hell. Aber zum Beispiel bei „Bonjour Cherie“ oder „Ich hör Musik, wenn ich dich seh“ bleiben die Lieder irgendwie in der Dämmerung, ob das jetzt Morgendämmerung oder Abenddämmerung ist, kann man nicht so genau sagen.

UNIMAG: Das ist mir beim Hören der Platte auch aufgefallen. Es gibt Lieder, wie zum Beispiel die Opener „1993“, die sich extrem krass unterscheiden. Und dann gibt es Songs, die sich etwas mehr ähneln.

Inga: Ja genau, wir wollten uns auch nicht ganz dem Konzept versklaven. Wir wollten einfach, dass es zwei gute Versionen sind.

UNIMAG: Kann man den Sound der Platte überhaupt auf den Punkt bringen oder ist das durch die zweifachen Versionen gar nicht möglich? Wie würdet ihr den Sound beschreiben?

Inga: Das Entscheidende ist dieser Nacht- beziehungsweise Tagaspekt und die Sounds ergeben sich aus diesen Extremen heraus.

Tommi: An einem bestimmten Punkt fangen wir auch immer an, die Songs unseren Freunden vorzuspielen. Als Testpublikum sozusagen (lacht). Wir haben ihnen abwechselnd die Nacht- und Tagversionen vorgespielt und das war ganz interessant.

Inga: Es bildeten sich auch sofort zwei verschiedene Gruppen. Die einen sagten, sie finden die Tag-Versionen besser und die anderen die Nacht-Versionen. Das war auch ganz interessant.

UNIMAG: Habt ihr zum Beispiel bei euren Fans so etwas mitbekommen, wie die verschiedenen Versionen der Songs bzw. die beiden Alben ankommen?

Inga: Nein, das noch nicht. Das Album ist erst seit Freitag draußen. Noch haben sich keine zwei Lager gebildet (lacht).

Tommi: Aber die Tour wird eine Nacht-Tour sein, weil wir ja nun mal abends spielen und da eher die elektronische Seite. Aber wir träumen davon, dass wir nächstes Jahr Tag-Konzerte spielen können, bei denen wir die weichen und hellen Lieder spielen.

Inga: Aber bei der klassischen Tour im Herbst spielen wir natürlich auch alte Lieder. Zum Beispiel auch ältere Nummern wie „36 Grad“, aber in einer heavieren, nicht so poppigen Version, die ein bisschen mehr hämmert (lacht).

UNIMAG: Ich habe eh von eurer Idee gehört, dass ihr quasi Nacht-Konzerte und Tag-Konzerte spielen möchtet.

Inga: Nacht-Konzerte sind natürlich leicht. Aber Tag-Konzerte sind schwierig, zum Beispiel könnten wir hier an der Donau am Tag im Sommer spielen. Das ist aber etwas schwierig, weil es das Format einfach nicht gibt.

UNIMAG: Aber könnte man sagen, dass die Festivals dann quasi die Tag-Konzerte sind?

Inga: Ja, bei Festivals könnte man das machen, stimmt.

Tommi: Bei Festivals gibt es nur das Lautstärke-Problem. Wir haben früher auch mal ein oder zwei ruhigere Lieder dort gespielt, als von der Nebenbühne gerade Mando Diao rüber schrien (lacht). Dann dachten wir uns:Gut, dieses Lied spielen wir nicht mehr auf einem Festival(lacht). Du gewöhnst dir die ruhigen Lieder dort einfach etwas ab.

UNIMAG: Auf dem Album gibt es ja mehrere Zusammenarbeiten mit anderen Künstlern und Künstlerinnen – beispielsweise UNAMI, Dieter Meier von der Band Yello oder Anette Humpe. Wie kam es denn zu all diesen Kollaborationen?

Tommi: Wir haben ja auf allen Alben immer wieder Kollaborationen. Dieses Mal kamen ein paar Wünsche immer wieder auf. Wir hatten den Wunsch mit Dieter Meier was zu machen, weil der uns in Berlin über den Weg lief und ihn Inga schon lange kannte. Mit Ingas Schwester Anette hat sich das auch so ergeben, dass wir Zeit zusammen verbracht haben. Die Zusammenarbeit mit UNAMI kam zustande, weil wir einfach Fans von denen waren. Und so kam es zu dieser Wunschliste.

UNIMAG: Wie verändert sich die Zusammenarbeit nach so vielen Jahren? Wird die von Album zu Album stärker oder kommen auch mal neue Herausforderungen dazu?

Inga: Wir beide schätzen natürlich einander, was der andere jeweils kann und wie er klingt. Wir brauchen uns gegenseitig für den 2raumwohnung-Sound. Ich finde, dass es zum Beispiel sehr wenige Leute gibt, die einen so guten Groove machen wie Tommi. Und das schätze ich einfach sehr.

Tommi: Es ist wie bei einem System mit Zahnrädern, die ineinander einrasten. Der Input pendelt dadurch immer.

UNIMAG: Was ist euch persönlich am wichtigsten, wenn ihr Musik macht? Welchen Sound wollt ihr euren Fans vermitteln?

Inga: Es ist Elektronik, die aber nicht unbedingt kalt sein muss. Es gibt eine Weichheit, etwas Melancholisches. Jemand hat mal gesagt „Stahl und Schmetterling“ (lacht). Das hat mir gut gefallen.

UNIMAG: Guter Vergleich eigentlich. Auf dem neuen Doppelalbum ist das erst recht zu hören, finde ich.

Inga: Ja, definitiv.

UNIMAG: Ihr habt ja vorhin bereits die Tour im Herbst angesprochen. Was können sich denn die Fans von den Konzerten erwarten?

Tommi: Es werden, wie gesagt, Nacht-Konzerte sein. In der Mitte machen wir dann aber einen Tagesausflug (lacht). Es ist natürlich toll, bei einem Konzert auch mal in eine gegensätzliche Stimmung zu gehen. Dadurch wird es dann auch mal wesentlich heller zwischendurch. Es wird auch mal eine akustische Gitarre geben. Wir spielen gerne in diesem Konzeptrahmen herum und es ist toll, dass man da so viele Sachen machen kann. Und das ist für uns gerade auch der Reiz bei den Konzerten.

UNIMAG: Vielen Dank euch für das nette Gespräch.

Tickets für das Konzert von 2raumwohnung am 13. September 2017 im Wiener WUK sind um knapp 33 Euro bei Ö-Ticket erhältlich.

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