Am 10. Oktober trafen wir 2/5 der Band Juli im Zuge ihres Promotages zum Interview im 25hours Hotel in Wien. Die Band veröffentlichte am 3. Oktober 2014 ihr bereits viertes Studioalbum „Insel“ und machte deshalb einen kurzen Abstecher in unsere Hauptstadt. Die sympathische Eva Briegel (Gesang) und der liebe Jonas Pfetzing (Gitarre) erzählten von ihrer Pause, vom neuen Album und von Tourplänen fürs nächste Jahr.

UNIMAG: Das Album ist jetzt seit einer Woche draußen. Wisst ihr schon etwas darüber, wie es chartmäßig eingestiegen ist?

Jonas: Nein, noch nicht.

Eva: Ich darf mir das nicht angucken und ich habe allen verboten, es mir zu sagen (lacht). Ich werde einfach einen kurzen schmerzhaften Moment draufgucken und es dann auch gleich wieder vergessen.

Ihr messt euren Erfolg vermutlich eh nicht an Chartplatzierungen, oder?

Jonas: Nein, das wäre auch eine dumme Idee.

Eva: Wir haben ja irgendwann einmal angefangen Musik zu machen, um dem Rennen um die beste Band der Welt aus dem Weg zu gehen. Dann wäre das jetzt auch ganz schön blöd, sich da selber wieder ins Rennen zu schmeißen. Man kann es für sich selber ja sowieso nicht in Zahlen messen, was die beste Musik ist.

Das hängt natürlich auch immer davon ab, zu welchem Zeitpunkt im Jahr man die Platte rausbringt.

Eva: Ja genau, das stimmt. Und es hängt auch von der persönlichen Einstellung ab. Ich kenne eine Hand voll Bands, die ich total geil finde und ich weiß einfach, es hängt von meiner Verfassung ab. Wäre dieses Dach nicht gewesen, wäre dieser Sonnenuntergang nicht gewesen, wäre dieses Festival nicht gewesen, hätte mich diese eine Band wahrscheinlich nicht gejuckt. Und wenn die Situation perfekt ist, steigt man halt bei einer Band ein und mag die einfach. Das ist auch oft Zufall.

Die erste Single vom Album ist ja der Song „Insel“. Wieso habt ihr euch gerade dazu entschieden, dass dieses Lied das neue musikalische Lebenszeichen von euch wird?

Eva: Das war unser erstes Lied, das als Demo fertig war. Und bei dem war es dann auch so, dass wir das alle gut fanden und wir wieder eine Platte machen wollten. Wir haben auch lange an dem Song rumgeschraubt, weil das Lied eine Leichtigkeit haben sollte, die es einfach nicht gekriegt hat. Es sollte im Refrain aufgehen und leicht sein und wir haben dann ewig daran rumgebastelt. Und als wir dann gemerkt haben, dass etwas daraus wurde, hatten wir den Song auf einmal alle total lieb. Und dann war das auch noch wegen dem Covershooting. Ich mag das Bild einfach sehr. Das ist vom letzten Jahr, als wir mit so einem Hausboot rumgefahren sind. Und das erinnerte uns auch an den Song, weil an dem Boot ständig etwas abgefallen ist und es musste dann wieder daran genagelt werden. Und so war das auch mit dem Song Insel ungefähr.  Oder Marcel fährt weg mit dem Beiboot und hatte kein Benzin mehr und konnte nicht mehr zurück (lacht).

Das ist wirklich so passiert?

Eva: Ja (lacht) und wir konnten ihn nicht abholen, weil wir da nicht hinfahren durften, weil das Schiff zu tief war. Marcel hat dann halt versucht, wieder zu uns zurück zu rudern.

Jonas: Marcel halt, er hat dann zwei Leute mit einem Boot getroffen, die er belabert hat und die haben ihm dann Benzin geschenkt (lacht).

Also musste er nicht zurückrudern?

Jonas: Nein, ging auch nicht, weil da totale Strömung war.

Eva: Aber es ist alles gut gegangen.

Jonas: Er ist übrigens weggefahren, weil seine Lieblingsmütze ins Wasser gefallen war (lacht).

Ist das passiert, als ihr auch das Video zu „Insel“ gedreht habt?

Eva: Das war alles die gleiche Session, genau. Da waren wir im vergangenen Jahr auf einem Boot auf einer Seekette der kleinen Müritz und dem Plauer See und zwar ohne Bootsführerschein. Das ist da sogar nur mit einem normalen Autoführerschein möglich. Wir waren im Studio ein bisschen festgefahren und die Luft war auch raus und dann haben wir uns entschlossen, Urlaub zu machen. Das auf dem Boot hat sich so ergeben, dass wir Urlaub und Arbeit verbinden konnten. Marcels bester Kumpel kam noch mit, der machte dann das Video und filmte ein bisschen mit. Dann haben wir noch unseren Fotomann mitgenommen und dann ist das ganze Bildmaterial rund um diese Reise entstanden.

Jonas: Es ist einfach passiert und hat noch zusätzlich Spaß gemacht.

Das hört sich nach der besten Kombination an, die man sich vorstellen kann.

Jonas: Ja, das war eine super Kombination. Urlaub, Spaß und Arbeit einfach mal verbunden.

Dann sind ja also die Fotos, das Artwork zum Album und das Video zum Song „Insel“ schon letztes Jahr entstanden?

Eva: Ja genau, das war dann auch so komisch, wenn man denkt, dass vier Jahre eine lange Zeit ist. Aber unsere Alben haben gerade in Deutschland eine sehr lange Vorlaufzeit mit der ganzen Produktion, Coverartwork, Plakate und der restlichen Bearbeitung, dass das einfach alles fast schon ein Jahr ist von der Bandabgabe bis zur fertigen CD.

Also für die Öffentlichkeit und für die Fans dauert es dann schon lange, weil man es halt nicht mitbekommt.

Eva: Ja, man kriegt es nicht mit, aber es sind ja zum Glück auch noch so viele andere gute Sachen da (lacht).

Das zweite Lied „Wenn sich alles bewegt“ handelt von Neuanfang und von einer Art innerem Antrieb. Soll der Song aussagen, dass ihr wieder da seid und mit diesem Album wieder voll durchstarten wollt?

Eva: Es hat auf jeden Fall etwas damit zu tun, ja. Als wir als Band nicht zusammen beziehungsweise nicht auf Tour waren, habe ich erst gemerkt, wie sehr mir das fehlt. Ich habe mich ganz lange nach Ruhe und Stabilität gesehnt, als wir viel unterwegs waren. Und dann war ich zuhause und hatte das alles und dachte mir, jetzt könnte ich mich hinsetzen und einen Song schreiben. Dann habe ich gemerkt, ich muss mich wieder in Bewegung setzen. Und zwar habe ich mich in die Ringbahn in Berlin gesetzt und dann ging es auf einmal. Ich habe gemerkt, dass mich das beruhigt, wenn an mir etwas vorbeizieht. Dann passiert auch innerlich etwas bei mir, wenn ich mich an Äußerlichkeiten nicht so festhalten kann und ich merke, dass etwas zu tun ist.

Im Vergleich zu den Vorgängeralben klingt das neue Album besonders melancholisch. War das so beabsichtigt?

Jonas: Da haben wir schon einiges gehört, von sehr melancholisch über sehr fröhlich bis hin zu unbeschwert oder auch traurig (lacht). Melancholisch ist ein Wort, das wir nicht ungern hören, weil ich glaube, dass Melancholie uns innerhalb der Band sehr verbindet.

Eva: Wir haben einfach versucht, uns beim Sound etwas zu begrenzen, nach diesem ausufernden Soundmassaker auf dem „In Love“-Album (lacht). Außerdem gibt es, wenn ich jetzt aus dem Stegreif aufzählen müsste, drei fröhliche Lieder, die gut sind, und 3.000 traurige.

Generell meinst du?

Eva: Ja, irgendwie finde ich traurige Musik einfach geiler und macht mehr Spaß. Traurige Musik ist einfach besser (lacht).

Ihr steht ja ziemlich auf Wasser, stimmt’s? Das Album „Insel“, das Lied „Wasserfall“, das Artwork vom Album, die Videos und so weiter sind alle ziemlich maritim inspiriert. Aber wenn man sich die Texte durchliest, handelt es sich bei der Platte aber um kein Konzeptalbum. Wie wichtig war euch das?

Eva: Das ist uns natürlich auch aufgefallen, dass das Thema Wasser immer wieder kommt. Wir können auch nur anfangen, uns selber zu interpretieren, aber offensichtlich hat das bei mir ganz elementar etwas mit Sehnsucht zu tun. Sehnsucht ist bei mir ein Gefühl, wenn ich mich hinsetze und Texte schreibe. Und außerdem treibt es mich immer zum Wasser, wenn ich Sehnsucht habe. Ich kann stundenlang am Meer sitzen und einfach rausschauen und das beruhigt mich einfach sehr und die Sehnsucht wird gestillt.

Ein anderer Song des Albums heißt „Nichts brauchen“. Worauf könnt ihr denn in eurem Leben getrost verzichten?

Eva: Auf alles, was mir geschenkt wird, worum ich nicht gebeten habe. Ich reagiere ganz empfindlich auf Manipulation aller Art und kann auch kein Lob ausstehen. Wenn jemand versucht, mich zu irgendetwas zu bringen und es mir nicht klar sagt, stellen sich mir die Nackenhaare auf. Mit Gier kann ich auch gar nichts anfangen. Die Menschen werden immer gieriger, was dem Menschen selber und dem Planeten nicht gut tut.

Eine letzte Frage noch zur Tour: Ich habe gelesen, dass ihr im März unterwegs seid, stimmt das?

Jonas: Ja, das stimmt, wir sind jedoch gerade noch am Planen. Deswegen können wir leider noch nicht sagen, wann wir wo spielen. Aber wir werden nächstes Jahr vielleicht wieder in Wien sein.

Eva: Ja genau, wir werden im März touren, aber wir wissen noch nicht die Städte, in denen wir spielen werden.

Wir sind auf jeden Fall schon gespannt, vielen Dank für das nette Gespräch!

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