„Weißt du, was ich mein?“ – nicht nur der Titel des Albums ist genial, sondern auch sein Inhalt. Einziger Wehmutstropfen: das Debüt umfasst nur neun Songs. Immerhin gibt es aber auch einige frühere Singles, auf denen man die wunderbare Leichtigkeit von Resi’s Stimme gepaart mit großartigen Texten genießen kann. Die gebürtige Grazerin Resi Reiner hat bereits Anfang des Jahres mit Songs wie „Bialetti“ und „Dunkles Herz“ auf sich aufmerksam gemacht, vor zwei Jahren mit „Ich will nach Italien“ sogar einen richtigen Hit gefeiert. Am 25. August diesen Jahres hat sie nun endlich nachgelegt: ihr erstes vollständiges Album hat das Licht der Welt erblickt. Darauf bekommen Hörer*innen „Indieschlager“ vom Feinsten zum Hören. Zum Anlass der Veröffentlichung haben wir Resi Reiner, die als Kind übrigens die Hauptrolle im Film „Karo und der liebe Gott“ gespielt hat, zum Interview gebeten. Ein Gespräch über vergangene Berufswünsche, ihren Wunsch-Film-Partner und das Finden der eigenen Bühnen-Persönlichkeit.

Resi Reiner
© Lisa Edi

Ende August ist dein erstes Album „Weißt du, was ich mein?“ erschienen. In einem Interview mit dir habe ich gelesen, dass es dich hart trifft, wenn dich jemand kritisiert. Welche Rückmeldungen hast du bisher zum Album bekommen und musstest du bereits mit Kritik umgehen?

Zum Glück viele gute! Und wenn es Kritik war, dann war sie bis jetzt auch nicht ganz schlimm negativ. Aber ich habe auch schon fiese Kommentare online bekommen, da muss man dann lernen, dass Klaus, 65, vielleicht gar kein Problem mit mir hat.

Deine Musik nennst du selbst „Indie Schlager“, was ich interessant finde, weil Schlager dank Helene Fischer & Co doch eher negativ besetzt ist. Warum hast du trotzdem diese Bezeichnung gewählt und nicht zum Beispiel Indiepop?

Resi Reiner
© Lisa Edi

Helene Fischer kann richtig was. Also würde ich Helene Fischer nicht als negativ besetzt bezeichnen. Aber Ballermann ordne ich da ein und Schlagermusik ist einfach viel mehr als Ballermann.

Du bist nicht nur Sängerin, sondern auch Schauspielerin. Zu beidem bist du eher zufällig gekommen – was war denn als Kind oder Jugendliche dein Berufswunsch?

Ich wollte mal Chirurgin werden, aber nur weil meine beste Freundin das werden wollte.

Gibt es eine Rolle, die du besonders gerne spielen und für die du all deine anderen Projekte sofort zu Seite schieben würdest?

Irgendetwas, wo Harry Styles Co-Star ist.

Nebenbei arbeitest du außerdem als Texterin in einer Agentur. Wie lässt sich das alles miteinander vereinbaren? Hat dein Tag mehr als 24 Stunden?

Es ist viel Arbeit, aber zum Glück habe ich jetzt einen Job, wo ich Teilzeit arbeiten kann und die Musik und mein Privatleben jetzt genug Platz haben. Als ich 40 Stunden nebenbei gearbeitet habe, musste ich in manchen Bereichen dann zurückstecken. Aber auch jetzt ist es so, dass ich nicht mehr auf den coolen Partys bin, weil ich in der Zeit, in der ich nicht arbeite, dann Musikzeug mache oder Zeit mit Freundinnen verbringe. Ich habe bzw. hatte immer wieder Momente, wo ich das Gefühl habe, mir ist es zu viel. Mittlerweile habe ich gelernt, dass ich manchmal die Notbremse ziehen muss.

In deinem Lied „Bin da ich gemeint“ singst du: „Du fragst mich, ob ich jetzt auch Sänger bin, ich frag mich, bin da ich gemeint. Sie sagen ja, ich denke nein.“ Fühlst du dich inzwischen als Sängerin?

Ich habe mich zum Glück schon als Sängerin gefühlt, als ich die Zeile geschrieben hab. Nur eben nicht als Sänger.

Ich habe gelesen, du musstest bei deinen ersten Konzerten erst mal herausfinden, wer und wie du auf der Bühne sein willst. Hast du mittlerweile deine Bühnen-Persönlichkeit herausgefunden und wie würdest du sie beschreiben?

Ja, das ist Work in Progress. Ich bin auf jeden Fall weniger schüchtern. Und kann ein bisschen mehr genießen. Was auch hilft, ist, dass ich nicht mehr in meinen Alltagsoutfits auf die Bühne gehe. Da kann man dann ein bisschen in eine andere Rolle schlüpfen. Es ist witzig, weil ich im Alltag extrem extrovertiert bin und auf der Bühne eher introvertiert.

Vor zwei Jahren hast du mit „Ich will nach Italien“ einen ersten Hit gefeiert. Hättest du selbst damit gerechnet, dass du damit so einen Nerv triffst, oder kam alles eher überraschend?

Das war extrem überraschend. Wir haben damals gesagt, wir sind glücklich, wenn es 100 Streams in den ersten 24 Stunden gibt. Und dann waren es glaube ich knapp 500. Überraschend schön.

Apropos Italien: Wann warst du denn das letzte Mal dort und hast du einen Tipp, wohin man in Italien unbedingt mal reisen soll, was man unbedingt gemacht oder gegessen haben muss?

Zuletzt war ich in Rom, eine Freundin von mir lebt gerade dort. Ich finde man muss unbedingt mal nach Neapel und Palermo. Das sind ganz besondere Städte.

Das UNIMAG ist ein Magazin, das vor allem von Studierenden gelesen wird. Du hast selbst Politikwissenschaften studiert, aber meine Frage ist: wenn du heute nochmal zu studieren beginnen würdest, was wäre es?

Ich denke Jus bzw. internationale Rechtswissenschaften. Aber ich bin ja noch nicht mal 30, vielleicht mach ich das auch noch! Ich hab’s schon mal probiert, also die Aufnahmeprüfung, und dachte mir „ich muss da doch nicht lernen, ich hab‘ doch schon studiert“. Aber falsch gedacht: Ich glaub ich war unter den letzten.

Und zum Schluss noch ein paar kurze Fragen:

Meer oder Berge? Meer

Katzen oder Hunde? Beides

Social Media: größte Zeitverschwendung oder beste Innovation der letzten Jahre? Haha. Ich liebe Social Media.

Ein Ratschlag, den ich gerne meinem 16-jährigen-Ich gegeben hätte: Mach’s dir nicht zu kompliziert.

Ein Ort, den ich eines Tages unbedingt besuchen möchte: Platz 1 der Albumcharts.

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