Big Ben, Louvre oder Kolosseum? Danke, aber diesmal nicht. Auch links und rechts der touristischen Trampelpfade und jenseits der Mega-Metropolen hat Europa enorm viel zu bieten. UNIMAG hat für euch fünf Städte aus der zweiten, dritten oder vierten Reihe aufgespürt, die darauf warten, von euch erkundet zu werden.

Altstadt von Groningen
© iStockphoto / AleksandarGeorgiev

Groningen

Der ehemalige Bayern-Star Arjen Robben ist gebürtiger Groninger – und wirkt mit seinen 42 Jahren in seiner Heimatstadt wie ein Greis im Kindergarten. Denn Groningen ist ein junger Hüpfer, von den rund 250.000 Einwohner:innen dürfte jeder vierte oder fünfte ein Studierender sein.

So viele junge Menschen, die durch die schönen Gassen der Altstadt stromern und den Ort zum Vibrieren bringen. Zum Beispiel im August, wenn die angeblich größte Einführungswoche Europas die Bars und Pubs bis über den Füllstrich vollmacht. Eine Stadt, die niemals schläft – das trifft gewiss auf New York City, in kleinerem Maßstab aber eben auch auf das Studentenstädtchen unweit der niederländischen Nordseeküste zu.

Pécs in Ungarn
© iStockphoto / TravelPenguin

Fahrräder vor allem, überall Menschen auf Fahrrädern, vor einem, hinter einem, neben einem. Innerhalb von zehn Minuten ist hier alles mit dem Rad erreichbar, der Groote Markt im Herzen der Stadt, der geruhsame Garten Prinsentuin oder das Forum Groningen, seit 2019 die moderne Agora, ein hochaufgeschossener Architekturtempel, der von außen an ein Bergmassiv erinnert und in dem man über die Rolltreppen zu Comic-Museum, fünf Kinos, Bibliothek, Ausstellungen und einer Dachterrasse mit phänomenaler Aussicht hinauf und hinunter fährt. Wer Appetit bekommt, zieht sich eine vor Fett triefende Eierkrokette aus dem Automaten. Ekelhaft, aber geil.

Die Studis, nicht die Touris, geben hier den Ton an, darum fühlt sich Groningen trotz der Lebendigkeit nicht so überlaufen an wie etwa Amsterdam, das mit dem Zug übrigens gut von hier zu erreichen ist. Bis zur Küste sind es sogar nur 55 Kilometer: Wer Lust hat, bucht eine Wattwanderung und watet so lange durch den Matsch, bis er ihm die Schenkel bedeckt.

Gijón

Modena in der Emilia-Romagna
© iStockphoto / ivotheeditors

Barcelona ist voll. Mallorca kann jeder. Und Gijón? Gijón kennt keiner. Dass die 270.000-Einwohner-Stadt an der asturischen Küste im äußersten Norden Spaniens liegt, würde auf der Straße vermutlich kaum jemand wissen. Alleine beim Versuch, ihren Namen phonetisch korrekt auszusprechen, zerren sich Mitteleuropäer die Zunge. Chichon.

Höchstens Fußball-Historiker kennen die Hafenstadt von der Weltmeisterschaft 1982, als Österreich und Deutschland beim unglückseligen Gruppenspiel, das als „Schande von Gijón“ in die Annalen einging, ein für beide Seiten vorteilhaftes Ergebnis durch konsequentes Nichtstun über die Zeit schaukelten.

Während man auf dem Barcelona-Strand Barceloneta den Sand vor nackten Füßen nicht mehr sieht, ist der langgezogene Gijóner Stadtstrand Playa de San Lorenzo ein Traum. Gijón ist eine Mischung aus alter Hafenspelunke und angesagtem Club, manchmal urig-gemütlich, dann wieder laut und lebhaft. Dass Kreuzfahrtschiffe hier regelmäßig andocken, darf als Auszeichnung verstanden werden. Aida Cruises preist Gijón vollmundig als „das Gourmet-Paradies an der Küste Asturiens“ an. Fische und Meeresfrüchte werden direkt aus dem Hafen angeliefert. Auf den Tisch kommt ein kräftiger asturischer Bohneneintopf mit weißen Bohnen, geräucherter Wurst, Muscheln, Wild und Seespinne. Bitte nicht weglaufen oder auf den Tisch klettern, bei der Seespinne handelt es sich um eine im Atlantik vorkommende Krabbenart. Gekocht wird das Ganze auf traditionelle Art im Keramiktopf, serviert mit einem typisch asturischen Apfelwein.

Klaipeda an der litauischen Ostseeküste
© iStockphoto / imantsu

Von Gijón ist es nur ein Katzensprung bis nach Oviedo, der zweiten Perle Asturiens und einem guten Knotenpunkt, um weiter ins Landesinnere vorzudringen. Oder man geht von Gijón aus einfach den Camino de Norte, einen Abschnitt des Jakobswegs.

Pécs

Gehässig könnte man sagen, Pécs liege im Niemandsland. Budapest ist 200 Kilometer weit weg, hier im Süden Ungarns, wo sich Hase und Igel Jó éjszakát (Gute Nacht) sagen. Am Fuße des hügeligen Mecsek-Gebirges, das, seien wir ehrlich, den meisten Europäern so fremd ist wie Leonardo DiCaprio die Ehe.

Doch so ganz richtig ist das nicht. Erstens ist der Name Pécs vielen im Westen durchaus ein Begriff. Ein Synonym für Medizinstudium, an der Universität gibt es deutschsprachige Programme für Humanmedizin und Zahnmedizin, aber keinen Numerus Clausus. Praktisch. Zweitens ist das 140.000-Einwohner-Städtchen gar kein verschlafenes Nest irgendwo in der magyarischen Einöde, sondern ein ungarisch-feuriger Gulaschkessel, in dem es brodelt. Eingerahmt ins historische Stadtzentrum sind Dutzende Clubs und Bars, in denen elektronische, ungarische, Jazz- oder Mainstream-Musik ihren Platz hat. Und drittens ist die Stadt auch tagsüber herrlich angenehm, versprüht eine mediterrane Atmosphäre in ihren engen Gassen und auf ihren holprigen Kopfsteinpflastern.

Die Basilika mit ihren vier Türmen ragt als Landmarke in den Himmel. Frühchristliche Grabmäler, osmanische Moscheen, Museen, Bibliotheken, Paläste, Türme, Brunnen, Denkmäler, alles da, alles schön. Nicht ohne Grund wurde Pécs damals zur Europäischen Kulturhauptstadt 2010 ausgerufen. Noch behaglicher wird es, wenn man in einem der netten Straßencafés eine original Esterházy-Torte mit Buttercreme und Krokant vom Teller gabelt. Kulturreise oder Partytrip? Pécs sagt: Beides!

Übrigens spricht man es Petsch aus, nicht Päcks oder Peeks. Mit dem Auto ist man von Graz oder Wien aus in vier bis fünf Stunden da. Oder Ihr fahrt mit der ÖBB nach Budapest und steigt am Bahnhof Keleti in Richtung Süden um.

Modena

Eine Stadt, die lauthals Roadtrip ruft. Von Villach oder Innsbruck ist man mit dem Fiat – sofern keine Baustellen und Staus im Wege stehen – in fünf Stunden am Ziel. Modena liegt in der Emilia-Romagna, einer der wohlhabendsten Regionen Italiens und dem pochenden Herzen von Ferrari-Land.

Enzo Ferrari wurde in Modena geboren und legte hier den Grundstein für sein Sportwagen-Imperium, heute schlendern seine spätgeborenen Jünger mit offenen Mündern und funkelnden Augen an den knallroten Knatterkisten im Ferrari-Museum vorbei. Wer sich im Stile eines Niki Lauda, Michael Schumacher oder Gerhard Berger selbst ans Steuer setzen will, fährt kurz runter nach Maranello und dreht eine Testrunde. Gediegene Oldtimer der Marke Maserati findet man wiederum im Umberto Panini Museum. Richtig, das ist einer der Panini-Brüder, die mit ihren Fußballstickern ganze Schulhöfe in Tauschbörsen verwandelten – und der zufällig ebenfalls ein Autoliebhaber war.

Maserati und Panini wurden in Modena gegründet, Luciano Pavarotti in Modena geboren. Der füllige Star-Tenor, der vor fast 20 Jahren verstarb, setzte sich ein elegantes Landhaus in den Süden seiner Heimatstadt. Heute ist es als Pavarotti-Museum begehbar, mit Schlaf- und Klavierzimmer und den gebogenen Nägeln, die den Aberglauben Pavarottis weckten. Trotz ihrer weltberühmten Söhne ist Modena keine Berühmtheit wie Mailand, Venedig oder Florenz, vielmehr eine übersehene Schönheit.

Eine Schönheit mit Würze, davon können sich Besucher:innen bei einer Balsamico-Tour oder Verkostung mit eigenen Gaumen überzeugen. Nur wenn der Weinessig strenge Qualitätskriterien erfüllt, darf er das Gütesiegel Aceto Balsamico di Modena tragen. Die 185.000 Einwohner zählende Stadt bietet sich auch als Ausgangspunkt für eine Weiterreise Richtung Süden an – oder für einen abendlichen Abstecher nach Bologna, nur 50 Kilometer entfernt, voller Ragazzi und Trubel.

Klaipeda

Klingt wie ein Regal von Ikea, ist aber eine Stadt in Litauen. Immerhin die drittgrößte. Und die einzige Hafenstadt des Balten-Staates, denn Kaunas befindet sich weiter östlich und die Hauptstadt Vilnius ganz im Osten unweit der belorussischen Grenze. 160.000 Menschen wohnen in Klaipeda, das früher einmal Memel hieß und zu Ostpreußen gehörte.

Die pittoresken Fachwerkhäuser im deutschen Stil sind Zeugen der wechselhaften Geschichte, auch Architektur im Sowjet-Chic sieht man, wenn man so, umweht vom lauen Ostseelüftchen, durch die Gassen dieses lieblichen Ortes schlendert. Es gibt ein Uhrenmuseum, ein Aquarium und einen Skulpturenpark, in einem Tag ist man mit allem durch.

Aber das macht nichts, denn die Küste ruft und die umwerfende Natur vor der Haustür wartet schon darauf, bewandert oder beradelt zu werden. Die Kurische Nehrung ist offiziell Weltnaturerbe und wunderschön, angeblich beherbergt diese langgezogene Halbinsel die höchsten Sanddünen Nordeuropas. Ein schmaler Streifen, der auf der Landkarte aussieht wie ein Flitzebogen. Aber diesen bitte nicht zu weit nach Süden entlangwandern – denn der obere Teil der Kurischen Nehrung gehört zwar zu Litauen, der untere aber zur russischen Enklave Kaliningrad – also lieber kurz vor der Grenze Kehrt machen und den obszön atemberaubenden Sonnenuntergang über der Ostsee bestaunen.

Hier ist nicht das Ende Europas, hier ist der Anfang. Auch für erstaunlich viele Studierende aus aller Welt, die an der privaten LLC International University ihrem Abschluss nachjagen. Abends treffen sie sich in einer der Cocktailbars oder im Restaurant. Klaipeda ist ein Kaleidoskop, das sich aus vielen kleinen Kunstwerken aus Natur und Geschichte, Architektur und Sport zusammensetzt – und richtig Lust auf eine Tour durchs Baltikum macht.

Spannende Artikel für dich:

Unimag Network
THE FIZZ – Student Housing. Just Better.

Du suchst die passende Unterkunft während deines Studiums oder sammelst gerade erste Berufserfahrungen in Wien? Das bedeutet für viele: Neue Freundschaften, räumliche Unabhängigkeit und die beste Zeit deines Lebens. Um all dies zu verwirklichen, brauchst du natürlich das perfekte Studentenwohnheim! Im THE FIZZ ist für dich garantiert etwas dabei. Denn dich erwartet ein Komplettpaket, welches de...[weiterlesen]

Unimag Network
Wirtschaftsprüfer/in – das ist genau das Richtige für dich!

Die Prüfung der Rechnungslegung und Berichterstattung von Unternehmen steht im Zentrum der Tätigkeiten von Wirtschaftsprüfer/innen. Dabei werden nicht nur Zahlen kontrolliert und verglichen, sondern man taucht tief in die jeweiligen Unternehmen ein, bekommt einen detaillierten Einblick in die Funktionsweisen und lernt alle wichtigen Prozesse kennen – und die Menschen, die hinter den Z...[weiterlesen]

Traineeprogramme
Direkteinstieg oder Traineeprogramm

„Das Traineeprogramm bot mir die Möglichkeit, ein Unternehmen über Jobrotations ganzheitlicher kennenzulernen als bei einem Direkteinstieg in einer Fachabteilung.“ So begründet Marlene Huber, warum sie sich nach ihrem Studium für einen Einstieg als Trainee bei der Erste Group Bank AG entschied und ihre Karriere nicht direkt auf einer festen Position startete. „Außerdem hatte ich Gelegenheit,...[weiterlesen]

Unimag Network
Das große UNI & FH ABC

Die Matura in der Tasche, hinter dir liegt der Sommer deines Lebens und jetzt ist es endlich soweit: Die Uni beginnt. Herzlichen Glückwunsch! Dir stehen ein paar richtig coole Jahre bevor! Um dir den Einstieg etwas zu erleichtern, haben wir den ultimativen Survival-Guide inklusive praktischer Checklisten für dich erstellt. So bist du für jede Situation gerüstet! PS: Auch ältere Semester können hier...[weiterlesen]

UNIMAG in deinen Posteingang?

Gewinnspiele, Karrieretipps, Studentenleben, Festivals uvm,

UNIMAG-Handy
UNIMAG Lap Top