INHALTSVERZEICHNIS
Mit den Temperaturen steigt die Unternehmungslust. Jetzt ist die beste Zeit für einen Städtetrip, oder wenigstens die beste, um den nächsten zu planen. Paris und London gehen immer, Rom und Prag sind auch schön. Originell ist das freilich nicht. Zum Glück verbergen sich auch in der zweiten Reihe zahlreiche Perlen, die noch nicht jeder gesehen hat. UNIMAG präsentiert fünf Geheimtipps in Europa für alle, die Städte mögen.

1) Valencia
Valencia ist der George Harrison unter Spaniens Städten. Immer im Schatten der beiden Superstars Barcelona und Madrid, Lennon und McCartney, stehend. Dabei hat die Stadt alles: Strände wie den Playa de la Malvarrosa, gesäumt von Bars und Restaurants, Festivals wie das Frühlingsfest Fallas im März, bei dem die Valencianer übergroße Pappfiguren feierlich anzünden, ein aufregendes Nachtleben, in das auch die vielen Studenten der Stadt gerne eintauchen, futuristische Bauten wie den gigantischen Gebäudekomplex Ciudad de las Artes y las Ciencias, in dem unter anderem ein Planetarium, ein Wissenschaftsmuseum und das größte Meeresaquarium Europas beheimatet sind. Muy bien auch das Essen, Valencia gilt als Geburtsort der Paella. Aber Achtung: Eine traditionelle Paella Valenciana enthält keine Meeresfrüchte, dafür Kaninchen und Huhn, manchmal auch Schnecken. Dazu unbedingt eine eiskalte Horchata probieren, die aus gepressten Erdmandeln zubereitet wird und wie Mandelmilch schmeckt. Verschwenderisch gehen die Einwohner jedes Jahr im August mit ihren Lebensmitteln um, wenn sie sich bei der großen Tomatenschlacht La Tomatina überreifes Gemüse um die Ohren werfen. Durch das Netz geistert der Spruch: Valencia ist wie Barcelona, aber als Barcelona noch nice war. Hin kommt man mit Ryanair oder Austrian Airlines in zweieinhalb Stunden. Oder von Madrid aus mit dem Zug oder dem Fernbus.
2) Warschau

Warschau hat eine Skyline zum Staunen — und sie wird immer höher. Der Varso Tower von Stararchitekt Norman Foster wurde 2022 vollendet und ist, rechnet man die Antenne mit ein, mit 310 Metern das höchste Gebäude der Europäischen Union. Vom Dach aus in 230 Metern Höhe haben Besucher:innen einen wunderbaren Ausblick auf den Kulturpalast, das bis dato größte Gebäude Polens. Spektakulär auch Zlota 44, ein Wolkenkratzer in Form eines Adlers, mit 192 Metern das höchste Wohnhaus der EU. In diesem Jahr soll zudem der Büroturm The Bridge fertiggestellt werden, der Baubeginn vom Lilium Tower neben dem Hauptbahnhof steht unmittelbar bevor. In Warschau reiht sich mittlerweile ein Wolkenkratzer an den nächsten. Geradezu sinnbildlich für ein Land, das hoch hinaus will, sich zu einer wirtschaftlichen Dampflok für den Rest Europas entwickelt hat. Seit vergangenem Oktober verfügt die polnische Hauptstadt mit dem Museum für Moderne Kunst (MSN) über einen weiteren Anziehungspunkt, der Warschau auch kulturell in die erste Liga katapultieren soll. Empfehlenswert auch ein Abstecher in den Lazienki-Park, eine riesige Parkanlage mit Palästen, Gärten und freilaufenden Pfauen. Neben der Weichsel liegt Elektrownia Powiśle, ein altes Elektrizitätswerk, in dem nun Geschäfte, Restaurants, Bars und Hotels untergebracht sind. Der Flug von Wien nach Warschau mit Ryanair, LOT oder Austrian Airlines dauert 75 Minuten. Mit dem Auto ist man in sieben Stunden da.
3) Ravenna
Mailand, Venedig oder Florenz? Gegenfrage: Warum nicht Ravenna? Die 150.000-Einwohner-Stadt ist geographisch eingekesselt von den Großkalibern in Italiens Norden und wird daher gerne übersehen. Zu Unrecht. Einen Tag (oder auch zwei) in Ravenna zu verbringen ist eine verdammt gute Idee. Romantisch, malerisch, inspirierend, spirituell gar, so lässt sich die Küstenstadt an der Adria umschreiben. Klassische Musik liegt in der Luft und der Duft von frischen Piadina. Der Teigfladen wird ohne Fett gebacken und mit verschiedensten Leckereien gefüllt, mit Schinken, Rucola und cremigem Stracchino-Käse zum Beispiel oder deftig-würzig mit Speck und Gorgonzola. In der Emilia Romagna ist Piadina ein Grundnahrungsmittel; wer sie einmal gekostet hat, weiß warum. Nicht nur kulinarisch, auch kulturell muss sich Ravenna vor niemandem verstecken, seine antiken Mosaike haben Weltrang, gehören zu den bedeutendsten Kunstwerken der Geschichte. Nicht weniger als acht Gebäude wurden ins Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen, darunter die berühmte Basilika San Vitale, das Mausoleum des ostgotischen Königs Theoderich und die achteckige Neonische Taufkapelle. Dante, der Dichter der Göttlichen Komödie, fand im Tomba di Dante seine letzte Ruhestätte. Mit dem Auto ist man von Innsbruck in fünfeinhalb Stunden da, von Wien sind es drei Stunden länger. Die Zugfahrt von Bologna nach Ravenna dauert 75 Minuten, nach Bologna kommt man mit dem ÖBB-Nachtzug, der über Salzburg und Villach fährt.

4) Bristol
Niemand weiß, wie Streetart-Künstler Banksy wirklich heißt. Bekannt aber ist, dass Banksy aus Bristol stammt. Jene, die das erste Mal in die Küstenstadt reisen, wird das nicht verwundern. Die Stadt ist so kunterbunt wie Pippi Langstrumpfs Villa, viele Häuser, Fassaden und ganze Straßenzüge mit Wandkunstwerken bemalt und besprüht. Bristol ist ein Hotspot der Subkultur, kreativ, alternativ, entspannt, für Freigeister, Aussteiger, Hippies, Hedonisten. Und ein Mekka der britischen LGBTQ+-Szene. „Bristol ist wie eine Studentenbude, nur viel größer“, schreibt einer im Netz. Gesehen haben muss man auch die Clifton Suspension Bridge, das Wahrzeichen Bristols, eine im 19. Jahrhundert erbaute Kettenbrücke, die sich mächtig über den Fluss Avon spannt. Außerhalb der Stadt liegt Oakham Treasures, ein kleines Museum im Privatbesitz, das neben alten Traktoren und Landmaschinen Lebensmittelverpackungen und Haushaltsgeräte vergangener Jahrzehnte zeigt — ein Tante-Emma-Laden reloaded und definitiv einen Besuch wert. Hervorgebracht hat die Stadt auch den Trip-Hop, eine Musikrichtung, die sich als elektronischer Hip-Hop umschreiben lässt, und mit ihm Bands wie Massive Attack und Portishead. Trip-Hop ist Geschmackssache, genauso wie Apfelwein. In Bristol ist er dem Hörensagen nach exzellent. Direktflüge von Österreich nach Bristol gibt es nicht, aber von London aus ist man in anderthalb Stunden via Zug dort. Mit dem Bus dauert es drei Stunden.
5) Lausanne

Lausanne hält fit. Die viertgrößte Stadt der Schweiz, malerisch am Genfer See gelegen, ist draußen am schönsten. Hier flaniert man stundenlang durch enge Gassen und am Ufer entlang und hat trotzdem noch nicht genug. Außer Atem kommt, wer die Spitze des 2003 erbauten Sauvabelin-Turms erklimmt. 35 Meter hoch ist der Aussichtsturm, bietet einen grandiosen Panoramablick auf Alpen, Jura und Mittelland. Oder man verstaut eine Flasche Wein und Käsecracker im Rucksack, fährt mit dem Zug zehn Minuten nach Villette, wandert hinauf nach Aran zum Picknickplatz, genießt dort Rebensaft, Snacks und die herrliche Aussicht. Am Strand von Eaux-Vives gehen Badehungrige im Sommer ins Wasser — oder an Bord eines Bootes aufs Wasser. Lausanne ist Sitz des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Sportlichkeit gewissermaßen in seiner DNA verankert. Die sportlichen Heldentaten anderer Menschen lassen sich im Olympischen Museum bewundern. Und wer überschüssige Pfunde braucht, um sie hinterher in Lausanne wieder loszuwerden, besucht das Chocolate-Festival im Mai. Das trendige Flon-Viertel im Herzen Lausannes steuern viele an, um sich mit einem typischen Eglifilet zu stärken, ein grünes Carac-Gebäck zu vernaschen oder den Tag mit einem Drink zu begießen. Von Innsbruck aus fährt man mit dem Auto knapp sechs Stunden.







