Wer an Kambodscha denkt, der denkt vermutlich zunächst an die prächtige Tempelanlage Angkor Wat oder auch an das Terror-Regime der Roten Khmer. Tatsächlich sind die Nachwirkungen dieser Zeit des Grauens im Land noch heute spürbar. In den letzten Jahren merkte man aber doch deutlich, dass sich das Land im Aufschwung befindet.

Kambodscha hat als Reisedestination einiges zu bieten: wunderschöne – und noch vom Massentourismus verschont gebliebene – traumhafte weiße Strände mit einem herrlich warmen, türkis-farbenen Meer, vor allem in Sihanoukville und den vorgelagerten Inseln wie Koh Rong. Hauptanziehungspunkt für Touristen ist aber immer noch die kolossale Tempelanlage Angkor Wat. Trotzdem steckt der Tourismus in Kambodscha noch in den Kinderschuhen: es gibt im ganzen Land nur ein einziges Luxusressort, oftmals fallen Kanalisation und Infrastruktur noch sehr ursprünglich aus.

Angkor Wat im SonnenaufgangDas Land ist dünn besiedelt – die 15 Millionen Einwohner leben auf etwa etwa 180.000 km2. Die Lebenserwartung stieg zwar in den letzten Jahren an, liegt aber immer noch bei nur 62,5 Jahren und ist somit eine der niedrigsten der Region. Schuld daran ist unter anderem, dass die Dichte an Krankenhäusern oder Arztpraxen extrem niedrig ist: auf 100.000 Einwohner kommen lediglich 20 Ärzte. Wer krank wird, ist somit oftmals seinem eigenen Schicksal überlassen. Dass 30 % der Kinder unter fünf Jahren unterernährt sind, verschlimmert die Situation zusätzlich.

Die Alphabetisierungsrate steigt seit den 1990er-Jahren an, 2009 lag sie laut World Bank bei 73,90 %. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist hier besonders gravierend: bei Männern liegt die Rate bei etwa 83 %, bei Frauen hingegen nur bei knapp 66 %. Vor allem Mädchen verlassen oft früh die Schule, um die Familie finanziell zu unterstützen. Gerade dieser Umstand bleibt auch Touristen nicht verborgen. Egal, wo man ist – ob in Angkor Wat, in der Hauptstadt Phnom Penh oder auf einem der zahlreichen Nachtmärkte: überall sieht man arbeitende Kinder, Mädchen wie Jungen. Sie verkaufen Postkarten – zehn Stück für einen US-Dollar – oder versuchen, Souvenirs zu verscherbeln. Dieses System dürfte für viele Familien gut funktionieren: wer kann schon einem Kind widerstehen, das ohne Schuhe um 05:30 Uhr morgens beim Sonnenaufgang in Angkor Wat – wo zu dieser Tageszeit doch recht kühle Temperaturen herrschen – mit einem kleinen Bauchladen aufkreuzt, sich die Augen vor Müdigkeit auswischt und mit Hilfe von ein paar Brocken Englisch versucht jemanden zu überreden, doch etwas zu kaufen? Verständlich, dass viele den Kindern eine Kleinigkeit abkaufen, trotzdem ist davon eher abzuraten. Viele Einheimische bitten Touristen, vor allem von Kindern lieber nichts zu kaufen: auf diese Weise werden sie selbst und ihre Familien dazu ermutigt, ihre Kinder nicht in die Schule zu schicken.

Dabei sind gerade der Schulbesuch und eine einigermaßen gute Ausbildung für die Kinder Kambodschas – und davon gibt es viele: etwa 30 % der Einwohner sind jünger als 15 Jahre – besonders wichtig, wenn sich ihre Lebenssituationen und die der nachfolgenden Generationen verbessern sollen. Eine weitere Folge von schlechter Bildung ist, dass viele – vor allem Frauen – als billige Arbeitskräfte ausgenutzt werden. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die Textilindustrie. Immer häufiger sieht man auf den Etiketten von billig- oder mittelpreisiger Kleidung die Aufschrift „Made in Cambodia“. Immer mehr Frauen werden außerdem in die Prostitution getrieben. Geschätzt gibt es in Kambodscha etwa 100.000 Sexarbeiterinnen, jede Dritte davon soll jünger als 18 Jahre alt sein. Umso bemerkenswerter ist die Freundlichkeit, mit der einem Kambodschaner begegnen – trotz allem, was sie erlebt haben, und trotz all dem Schrecklichen, das sie mitmachen mussten. Ein freundliches Lächeln da, ein hilfsbereiter Einheimischer dort – auch das ist Kambodscha.

Phom Penh Phom Penh

Ein Hoffnungsschimmer, damit Kambodscha endlich einen richtigen Aufschwung erfährt, ist seit einigen Jahren der Tourismus. Von 1975 bis 1979 herrschte Pol Pot mit seiner Roten Khmer über das Land, brachte Elend und forderte das Leben von Millionen Kambodschanern. Bis 1998 litt die Bevölkerung unter dem andauernden Guerillakrieg, der auf die vierjährige Schreckensherrschaft und deren Vertreibungen und Morde folgte. Mittlerweile ist das Land sicher und die Lage stabil, auch wenn einige Regeln befolgt werden sollten. In den Grenzregionen gibt es beispielsweise noch vereinzelt Landminen.

Für Touristen gibt es jedenfalls vieles zu erkunden: der Osten des Landes ist vom Mekong geprägt, einem der längsten Flüsse der Welt. Im Zentrum liegt der Tonle Sap, der größte Süßwassersee Südostasiens. Bei der Hauptstadt Phnom Penh gehen die Meinungen auseinander: während die einen begeistert sind, sind andere enttäuscht von den verfallenden Gebäuden und der herunter gekommenen Stadt, die nichtsdestotrotz oftmals als „die schönste Stadt Südostasiens“ bezeichnet wird. Ein weiterer Pluspunkt für Kambodscha ist die hervorragende traditionelle Khmer-Küche, die der thailändischen ähnelt, jedoch weniger scharf ist.

Trotz der Armut, die im Land unübersehbar ist und für Touristen teilweise sehr bedrückend sein kann, ist Kambdoscha ein Land, das viel mehr zu bieten hat als Angkor Wat. Auch die Infrastruktur verbessert sich ständig, sodass einem Besuch nichts mehr im Wege steht – möglichst bevor die einsamen Traumstrände vielleicht das gleiche Schicksal ereilt wie viele Strände in Thailand zuvor und sie zur Lieblingsdestination von Party-Touristen werden. Bereits jetzt werden zahlreiche große Hotelkomplexe gebaut – schnell sein lohnt sich also.

Phom Penh
Phom Penh Killing Fields

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