Geschrieben von Benjamin Bäck und David Klotz

Die letzten Hungerspiele gehen los. Auch wenn sie nicht mehr in der Arena ist, hat Catniss (Jennifer Lawrence) den Kampf noch nicht gewonnen. Im letzten Kapitel der Buchverfilmungen hat die Revolution aber ihren Höhepunkt erreicht und die Situation hat sich zugespitzt. Nur eine Seite kann überleben. Der Film setzt genau dort ein, wo der erste Teil aufgehört hat. Peeta (Josh Hutcherson) wurde aus den Fängen von Präsident Snow (Donald Sutherland) befreit, seine Erinnerungen wurden aber so manipuliert, dass er sich von Catniss bedroht fühlt. Nachdem er sie fast erwürgt hatte, ist sie nun in medizinischer Behandlung, will aber nun keine Zeit verlieren, um das Kapitol zu stürzen.

Zu den alten und bekannten Haupt- und Nebencharakteren gesellen sich in in diesem Film u.a. Gwendoline Christie (Game of Thrones) und diesmal auch erwähnenswert (weil mit wirklicher Rolle) Jena Malone.

Acht Punkte und drei Meinungen sollen euch einen umfangreichen und differenzierten Einblick geben.

Das war herausragend

Benjamin: Endlich wieder ausgezeichnet inszenierte Action und das nicht zu wenig. Am Anfang trägt der Film noch etwas die Melancholie des Vorgängers mit, nach der ersten halben Stunde ändert sich das jedoch drastisch. Es  gab einige Momente, bei denen ich vor Schreck zusammengezuckt bin, Momente die ich so nicht erwartet hätte obwohl es offensichtlich war, was passieren würde. Durch die ausgezeichnete Schnitttechnik verwandelten sich diese Szenen von gut zu großartig.

David: Die Geschichte von Teil 1 sollte man wirklich im Gedächtnis haben, der Film hält sich nicht lange mit „Was bisher geschah“ auf. Es geht gleich voll zur Sache – und das mit emotional mitreißenden Szenen. Auch die Actionszenen sind diesmal sehr viel mitreißender. Mich hat es im Kino mehrmals unvorbereitet erwischt. Und im Vordergrund steht auch diesmal mehr und mehr die Macht der Medien und die Gewinner, die sie durch geschickte Manipulation hervorbringen können. Obwohl die Splittung inhaltlich wahrscheinlich nicht gerechtfertigt war, hat man genau dadurch genug Zeit, das Gesehene zu verarbeiten.

Das war echt mies

Benjamin: Mir fällt überhaupt nix ein. Vielleicht das etwas Herr-der-Ringe-mäßig lange Ende. Aber selbst das war noch im Rahmen der Erträglichkeit.

David: Manche Szenen sind einfach zu bedeutungsschwanger aufgebauscht. Obwohl der Film (für eine Jugendbuchverfilmung) im Grunde sehr tiefgründig agiert, hätte an manchen Stellen etwas weniger Pathos und Fanfarenmusik auch nicht geschadet. Viele Szenen haben für mich dadurch an Echtheit verloren, da helfen auch die aufdringlich dezenten Anspielungen auf den zweiten Weltkrieg nichts.

Schauspielerische Leistung

Benjamin: Einfach großartig. Selbst Peeta Mellark ging mir nur halb so viel auf die Nerven wie sonst. Tragischer Weise verstarb Philip Seymour Hoffman, der Plutarch Heavensbee verkörperte, bevor der Film beendet werden konnte. Die fehlenden Szenen wurden jedoch sehr schön mit ein paar Tricks ersetzt. Präsident Snow (Donald Sutherland) verschaffte mir diesmal echt Gänsehaut und ich kann mich an keine Rolle erinnern, die mich nicht überzeugt hätte.

David: Bei so einer Besetzung, kann man wirklich nichts aussetzen. Julianne Moore ist die absolute Traumbesetzung für die Rolle der Alma Coin. Und auch die Jungschauspieler haben sich inzwischen auf ein sehr gutes Niveau gearbeitet.

Die beste Szene

Benjamin: : Schwer zu sagen bei dieser Dichte an guten Szenen. Aber ich würd sagen, dass die Szene, in der eine riesige schwarze Flutwelle Katniss und ihr Team zu verschlingen droht, welche man auch schon im Trailer ein bisschen sehen konnte, am spannendsten war.

David: The Hunger Games are back. Das ist weniger eine einzelne Szene, als mehr ein Abschnitt des Films. Bis ich es gesehen habe, ist mir nicht aufgefallen, dass ich es im letzten Film so sehr vermisst habe.

Die Gesamtstimmung des Films

Benjamin: Vielleicht besteht das Problem für mich, der das Buch schon vor langer Zeit gelesen hat, darin, dass ich die düsteren Szenen, die den Zuschauer emotional aufwühlen sollen, schon kannte und deshalb nicht mehr so entsetzt war. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass Personen, die die Vorlage nicht kennen, bei so manchem „Twist“ die Spannung fast unerträglich finden werden.

David: Der Film greift teilweise sehr tief unter die Haut. Er hat etwas Ultimatives, eigentlich das, was man sich von einem letzten Teil einer Serie erwünscht. Ebenso spannt er einen ausgezeichneten Bogen zurück zum ersten Film, nicht nur durch Dialoge, sondern durch ein thematisch geschicktes Drehbuch und unverwechselbare Szenenbilder.

Der Vergleich zur Buchvorlage und zu den restlichen Filmen

Benjamin: Mockingjay als Buch habe ich vor langer Zeit an zwei Tagen durchgelesen, weil ich unbedingt das Ende wissen wollte. Natürlich bleiben bei so einer Aktion wenig Details hängen. Was ich aber sagen kann ist, dass sich der Film doch sehr nah an der Vorlage orientiert und als Fan der Bücher wurde ich nicht im Geringsten enttäuscht. Zum Glück verliert Teil 2 einen Großteil der Schwermütigkeit des ersten Teils. Er ist dabei um einiges besser als The Hunger Games und kann wieder genauso überraschen wie Catching Fire.

David: Da hab ich wohl in der Kritik zu Teil 1 zu viel gelobt. Mockingjay Teil 2 unterscheidet sich von der Buchvorlage an gewissen Stellen schon merklich. Zentrale emotionale Momente (vor allem am Schluss) bleiben weit hinter den Bücher, alles in allem hat Suzanne Collins bei der Überarbeitung des Drehbuchs (das hat sie tatsächlich gemacht!) aber ein solides Werk geschaffen.

Wer sich den Film anschauen soll

Benjamin: So ziemlich jeder, dem Catching Fire gefallen hat, da er von der Action her ähnlich aber nicht so zäh und öde wie der erste Teil von Mockingjay ist.

David: Da kann man sich wirklich nur wiederholen: „Alle Buchfans, Genrefans, Jennifer Lawrence-Fans und sowieso jeder, der die Geschichte mag.“ Diese Jugendbuchverfilmung ist sehr erwachsen und sollte nicht kategorisch verurteilt werden, nur weil es ein Mainstream-Super-Franchise ist.

Ein wohlüberlegtes Fazit

Benjamin: Einen besseren Abschluss für die „Trilogie“ hätte es nicht geben können. Tolle Action, grandiose Schauspieler und ein durchgehender Spannungsbogen machen Mockingjay Teil 2 nicht nur sehenswert, sondern sehensmuss …? Ähm, ihr wisst was ich meine.

David: Obwohl der Film weniger buchgetreu ist, als sein Vorgänger würde ich doch wagen zu behaupten, dass er fast der beste ist. Buchfans werden über das Ende etwas endtäuscht sein, da es mehr Hollywood enthält, als jenes nüchterne der Autorin.

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