Von 3. bis 11. Dezember geht in Wien das this human world – Festival der Menschenrechte über die Bühne. Die beiden Festivalleiter Zora Bachmann und Julian Berner standen uns Rede und Antwort.

In wenigen Tagen startet die 8. Ausgabe von this human world. Was war eigentlich die Motivation, ein Menschenrechtsfestival nach Wien zu bringen?
Zora: Zum 60-jährigen Jubiläum der allgemeinen Deklaration der Menschenrechte in Paris im Jahr 2008 entstand die Idee eines eigenen Festivals. Es gab damals schon eine Reihe von human-rights-Festivals in der ganzen Welt, aber eben nicht in Österreich.

Julian: Bereits vor acht Jahren gab es eine Kooperation mit dem „One World“ in Prag und wir beide haben uns davon inspirieren lassen. Ein weiterer Punkt ist, dass wir soziale Konflikte hervorkehren wollten und auf die Leinwand bringen. Im Anschluss an den gezeigten Film gibt es dann immer Diskussionen, wo die Themen nochmals aufgegriffen werden.

Wofür steht das this human world Filmfestival in diesem Jahr?
Zora: Heuer haben wir zwei große und mehrere kleine Schwerpunkte. Einerseits ist es Armut in Europa und damit verbunden this human TRACKS, wo es sehr stark um Migrationsbewegungen und -verschiebungen geht. Dieser Schwerpunkt ist aber weniger aus der aktuellen Flüchtlingssituation entstanden, sondern viel mehr aus dem Grund, weil es einfach wirklich gute Produktionen gab und gibt. Denn die Themen Flucht, Migration, Festung Europa, das Ankommen der Geflüchteten, Rassismus usw. haben unser Festival schon immer thematisch begleitet. Wir haben einen sehr starken und filmisch sehr ungewöhnlichen Fokus, darunter die Dublin Verordnung, das Ankommen der Flüchtlinge in Griechenland oder in Italien, aber auch Schicksale von Menschen, die 30 Jahre lang in Europa leben und dann plötzlich abgeschoben werden, weil sie eben nicht hier geboren wurden, sondern im Kosovo.

Eröffnet wird das Festival mit Pirates of Salé. Warum genau dieser Film?
Zora: Für uns war es wichtig, dass wir einen Film finden, der leichtfüßig und positiv ist. Die Produktion stellt die Individuen in den Mittelpunkt, junge coole und starke Kids, die an einem scheinbar hoffnungslosen Ort ihre Gefühle ausdrücken lernen und in eine neues Leben eintauchen. Wir wollten einfach keinen Film, der mit Schrecklichkeiten punktet, sondern eine lebensbejahende Produktion.

Julian: Der Film spielt in einer Zirkusschule und zeigt sehr deutlich, wie bereits kleinere Kulturprojekte Jugendlichen helfen können, neue Perspektiven, Ziele und Hoffnung zu finden.

Wie wählt ihr beim Festival die Filme aus?
Zora: Das läuft unterschiedlich ab. Es gibt Schwerpunkte, wo ich mit Kuratoren zusammenarbeite, bei anderen Schwerpunkten wählen die Kuratoren frei aus. Den Wettbewerb kuratiere ich gemeinsam mit Katharina Riedler.

Julian: Die Wettbewerbsfilme werden eingereicht und nach Richtlinien ausgewählt.

Zora: … der heuer die besten Produktionen überhaupt zeigt!

Wie stark sind österreichische Produktionen vertreten?
Zora: Seit vielen Jahren bemühen wir uns um heimische Filme, die meist im regulären Programm unterkommen. Für uns ist es einfach wichtig, die Talente in Österreich zu unterstützen.

Julian: In diesem Jahr gibt es erstmals einen eigenen Preis für österreichische Filme, der in Kooperation mit der Verwertungsgesellschaft der Filmschaffenden (VdFS) verliehen wird und mit 2.000 Euro dotiert ist.

Die gezeigten Filme sind nicht immer leichte Kost. Flucht, Frauenhandel, Krieg sind einige Themen. Gemäß eurem Motto „nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern einfühlsam, aufrüttelnd und bisweilen auch humorvoll“. Wie schafft ihr den Bogen?
Zora: Wir haben versucht davon wegzukommen, dass man ein Menschenrechtsfestival mit Menschenrechtsverletzung verknüpft. Wir sind davon überzeugt, dass man ein breiteres Spektrum aufmachen kann. Natürlich muss man den Spagat machen und Filme zeigen, die schwere Kost wie kriegerische Auseinandersetzungen sind. Im letzten Jahr hatten wir einen Schwerpunkt zum Konflikt in Syrien. Hier war es natürlich sehr schwierig, etwas zu finden, dass sich auf humoristischer Art und Weise mit dem Thema auseinander setzt. Dennoch ist es uns gelungen ein Programm auf die Beine zu stellen, das keine Toten zeigt, sondern Filme, die die Opposition und  das Fluchtthema aufgreifen. Das Menschliche, das Individuum, Entscheidungsmöglichkeiten werden in den Vordergrund gestellt und kein Massaker.

Julian: Es geht darum, sich mit verschiedenen Lebensentwürfen auseinanderzusetzen und selbst den brisantesten Themen etwas Positives abgewinnen.

Spricht das Festival eine bestimmte Zielgruppe an?
Julian: Nicht wirklich, wir haben ein extrem gemischtes Publikum.

Zora: Das kommt natürlich auf den Film drauf an.

Julian: Dennoch sind unsere Besucher tendenziell etwas jünger. Es gibt natürlich ein Stammpublikum und Aktivisten aus verschiedensten NGOs, kunstaffine Persönlichkeiten.

Was sind eure persönlichen Filmhighlights in diesem Jahr?
Zora: *lacht* Das ist so als ob du eine Mutter fragst, wer ihr Lieblingskind ist. Es fällt mir wirklich sehr schwer, hier einen Höhepunkt rauszunehmen. Der Wettbewerb ist wirklich sehr stark, da sind Filme dabei, die sich sehr viel trauen. Ich empfehle auf jeden Fall den Festivalschwerpunkt this human TRACKS, aber auch alle anderen Schwerpunkte. Und auch das reguläre Programm. Und auch alle Partys und Diskussionen und alle Lectures und Workshops. Und auch die Eröffnung. Und natürlich auch die Preisverleihung.

Julian: Ich habe zwei filmische Highlights: Above and Below ist ein wahnsinnig aufregender Film mit einem tollen Soundtrack, der mich nachhaltig beeindruckt hat. Dauert zwei Stunden, ist aber ein einziges Vergnügen. Und auch Those Who Feel the Fire Burning, der am 10. Dezember gemeinsam mit Asyl in Not, SOS Mitmensch und der österreichischen Asylkoordination gezeigt wird.

Herzlichen Dank für das Interview

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