CasablancaDas letzte Bild, das wir sehen, bevor die Kinoleinwand wieder erblasst oder zumindest bevor die Credits ablaufen, entscheidet oft darüber, ob wir einen Film schon bald wieder aus unserem Gedächntis löschen oder aber ihn immer bei uns behalten. Wir werfen daher einen Blick auf unsere Lieblingsschlussszenen der Filmgeschichte

Honorable Mentions: Das Imperium schlägt zurück, Planet der Affen, Fight Club, Dr. Seltsam, Die üblichen Verdächtigen

Die Nacht der lebenden Toten#10 Die Nacht der lebenden Toten

George A. Romeros das Zombie-Genre neu erfindende Film gehört zugegeben nicht gerade zu den best-gealtertsten Klassikern, die es gibt. Der Schluss ist aber bis heute bissig und treffend.

Eine kleine Gruppe von Menschen versteckt sich in einem Farmhaus vor der Zombie-Invasion. Obwohl er als Einziger am Wohle aller interessiert ist und entschlossen unegoistisch handelt, ist es der Afro-Amerikaner Ben, der den Wahnsinn alleine überlebt. Als ein paar Polizisten, dieversuchen, durch Ermorden der restlichen Zombies, wieder Ruhe einkeheren zu lassen, Ben am Fenster des Hauses sehen, zögern sie nicht lange und erschießen den vermeintlichen Untoten.

Bonnie und Clyde#9 Bonnie und Clyde

Gemessen daran, dass Arthur Penns Meisterwerk bereits 1967 erschien, ist dies die vielleicht brutalste Schlussszene der Filmgeschichte. Doch dahinter steckt viel mehr als bloße Aufmerksamkeitshascherei durch rohe Gewalt.

Zunächst wird die Spannung noch langsam aufgebaut und das vermeintliche Rascheln hinter dem Busch entpuppt sich als ein kleiner Vogleschwarm, der sich seinen Weg durch das Dickicht erkämpft. Doch dann geht alles schnell. Der als Lockvogel dienende Farmer springt unter sein Auto, Bonnie und Clyde tauschen noch einen letzten zärtlichen Blick aus und gehen nur Bruchteile einer Sekunde später im Kugelhagel unter. In Slow-Motion rollt der tote Clyde auf den Bauch, während die ebenfalls leblose Bonnie aus dem Auto hängt.

In wenigen Momenten fasst Arthur Penn nicht nur die Grundmotive seines Films, Freiheit, Romantik und den amerikanischen Traum zusammen, sondern vernichtet letzteren mit beeindruckendem Krawall.

Uhrwerk Orange#8 Uhrwerk Orange

Stanley Kubricks brutale Science-Fiction-Dystopie ist bis heute wild umstritten. Dazu beigetragen hat auch sein Ende.

Alex, seines Zeichens Anführer einer Kleinkriminellen-Bande, muss während Uhrwerk Orange so einiges durchmachen. Als er im Gefängnis landet, meldet er sich freiwillig als Versuchskaninchen eines diabolischen Regierungsprogrammes. Alex wird so umgepolt, dass er jedes Mal wenn ein Verlangen nach etwas Unrechtem in ihm aufkommt, starke Schmerzen verspürt. Long story short wird er am Ende scheinbar doch wieder geheilt und darf am Krankenbett Politikerhände schütteln. Doch gerade als alles nach einem Happy End aussieht, sieht man zum Abschluss eine Vision von Alex, in der er, von feinst angezogenen Menschen umjubelt, im Schnee wilden Sex mit einer jungen Frau hat. Darüber was das nun wirklich genau bedeutet, kann man natürlich genau so lange diskutieren wie darüber, ob es nicht sogar ein optimistischer Schluss ist, wenn der Versuch der Gehirnwäsche ganz und gar nicht so endet, wie geplant.

Der Dritte Mann#7 Der dritte Mann

„Der dritte Mann“ wird für vieles gelobt und für nichts zu unrecht. Oft wird aber vergessen, dass die letzte Szene eine Frau zeichnet, die in ihrer Emanzipation zur damaligen Filmzeit durchaus selten war.

Als die vermeintliche Witwe Anna tatsächlich zur Witwe wird, da ihr Verbrecherfreund Harry Lime gefasst und getötet wird, ist Harrys Freund Holly entschlossen, der jungen Frau zu helfen. Zwar hat sich in Bezug auf Anna auch Holly nicht gerade mit Ruhm bekleckert, doch jetzt entschließt er sich sogar, seinen Flug zu verpassen, nur um sich von ihr zu verabschieden. Romantischer könnte es kaum sein. Der verliebte Mann lässt das Flugzeug Flugzeug sein, nur um die Angebetete zu bekommen. Also lehnt er sich lässig an einen Wagen am Straßenrand, zündet sich eine Zigarette an und wartet auf die nahende Anna. Doch diese agiert entgegen allen Klischees und marschiert in einem fast eine ganze Minute lang dauerndem Shot an Holly vorbei, ohne diesem auch nur einen einzigen Blick zu würdigen.

Citizen Kane#6 Citizen Kane

Wenn Orson Welles Meisterstück zur letzten Szene ansetzt, ist längst schon allen klar, dass man es mit einem außergewöhnlichen Film zu tun hat. Der Schluss setzt da aber noch eins drauf und ist wie ein genial inszeniertes Gelächter mitten ins Gesicht des Publikums.

Das letzte Wort des großen Geschäftsmann Citizen Kane ist „Rosebud“. So viel weiß man schon nach wenigen Momenten. Den ganzen Film über wird man im Dunkeln gelassen, worauf sich dies bezieht, nur, um in der letzten Szene den Kinderschlitten von Kane mit genau dieser Aufschrift, „Rosebud“ eben, im Kamin brennen zu sehen.
Welles nimmt den Zuseher eineinhalb Stunden lang auf den Arm, zeichnet Kane als unergründlichen Menschen, und inszeniert den Namen „Rosebud“ als das große Geheimnis eines großen Mannes. Und am Ende ist es nichts als ein Schlitten, der jegliche Interpretationen zu Spekulationen macht, und ein ähnliches Ratespiel hinterlässt, wie das, das wir gerade eben gesehen haben.

Manche mgens hei#5 Manche mögens heiß

Selbst über 50 Jahre nach dem Erscheinen von „Manche mögens heiß“ ist es noch fraglich, ob es irgendeinen zweiten Film gibt, der so elegant auf der Grenze zwischen Klamauk und anspruchsvollem Humor spaziert. Das Feuerwerk der charmanten Travestie endet mit dem Aufheben jeglicher Grundvorstellungen der damaligen Gesellschaft.

Der seine weibliche Tarnung bereits aufgehobene Joe, die in ihn verliebte Sugar, der immer noch als „Geraldine“ herum laufende Jerry und dessen ahnungsloser Verehrer Osgood flüchten auf einem Motorboot vor den herannahenden Mafiosos. Um die ungewöhnliche Romanze endlich zu beenden, liefert die vermeintliche Geraldine dem armen Osgood dutzende Argumente warum es zwischen ihnen nie klappen könnte. Weil dieser aber alles als Kleinigkeiten abtut, reißt Jerry seine Perücke herunter und offenbart sein wahres Geschlecht. Doch Osgood kontert gelassen mit einem, vor allem in der Originalfassung, wunderbaren Schlussatz: „Well, nobody’s perfect“.

Der Pate#4 Der Pate

Francis Ford Coppolas einzigartiges Mafia-Epos hat die Filmwelt nachhaltig beschäftigt. Während Cineasten wohl bis in alle Ewigkeit darüber diskutieren werden, ob nun Teil 1 oder Teil 2 zu bevorzugen ist, bleibt zumindest die Schlusszene des ersten Filmes unumstritten.

Die Verwandlung des harmlosen und intelligenten Kriegshelden Michael in den Nachfolger seines Vaters als Godfather der Mafiafamilie passiert im Film so subtil und unscheinbar, dass einen das Ende mitten ins Gesicht trifft, obwohl man eigentlich schon längst alles wissen müsste. Michaels Frau Kay stürmt ins Büro des neuernannten Mafiabosses und fragt ihn, ob es tatsächlich wahr sei, dass er für den Tod seines Schwagers gesorgt hätte. Michael gestattet ihr dieses letzte Mal, eine Frage über sein „Business“ zu stellen und lügt sie, den Sachverhalt leugnend, an. Und als wäre diese Lüge, die das umgeworfene Weltbild des einstigen Vorbildehemannes zeigt, nicht genug, schließt der Film mit drei Mafiakollegen, die zu Michael ins Büro kommen, ihm den Ring küssen und vor der verwirrt zurück bleibenden Kay die Türe schließen.

Chinatown#3 Chinatown

Auch die Schlussszene hat großen Anteil daran, dass Roman Polanskis Klassiker „Chinatown“ regelmäßig in den Aufzählungen der besten Drehbücher aller Zeiten auftaucht.

Evelyn Cross und ihre Tochter Katherine haben beide den selben Vater, Noah Cross. Da dieser aber keines Verbrechens überführt werden kann, flüchten Evelyn und Katherine mit dem Wagen aus Chinatown. Noahs Komplizen schießen auf den davon rasenden Wagen. Ein langes Hupen ertönt, Evelyn ist tot. Der Verbrecher kommt mit seiner Tochter, bzw. Enkeltochter davon und der um Gerechtigkeit bemühte Privatdetektiv Jake Gittes bleibt zurück. Der Trost seiner Freunde und Schlusssatz des Filmes ist zynisch: „Forget it, Jake. It’s Chinatown.“

Die Reifeprfung#2 Die Reifeprüfung

Mike Nichols traf mit seiner Liebeskomödie 1967 den Nerv der Zeit und begründete somit gemeinsam mit „Bonnie und Clyde“ den Beginn der glorreichen New Hollywood-Ära. „Die Reifeprüfung“ ist nur schwer von seiner Schlussszene zu trennen, da sie so pointiert das Absurde ad absurdum führt.

Benjamin Braddock stürmt zur Hochzeit seiner angebeteten Elaine Robinson, die eigentlich er zum Traualtar hätte führen können, hätte er nicht zuvor bereits eine Affäre mit ihrer Mutter gehabt. Durch eine riesige Glaswand beobachtet Benjamin verzweifelt wie Elaine dem Falschen das Ja-Wort gibt. Doch auch das hält ihn nicht zurück. Wild schlägt er auf die Glaswand ein, befreit die entzückte Elaine aus der Kirche, verjagt die Verfolger mit einem Kreuz und schließlich stürmen die beiden Verliebten in den nächstbesten Bus. Zu Beginn lachen die beiden noch euphorisch, doch schon bald sinkt der Adrenalinspiegel wieder ab, die Gesichter frieren ein und zurück in der Realität angekommen fahren Benjamin und Elaine entgeistert mit dem Bus davon.

Casablanca#1 Casablanca

„We’ll always have Paris“, „Here’s looking at you, kid“, „Round up the usual suspects“ und „Louis, I think this is the beginning of a beautiful friendship“ – Welche andere Filmszene birgt vier Zitatklassiker in sich? Dass diese ebenso schon zum Klischee geworden sind, wie die komplette Szene ansich, muss man vorneweg lasssen. Angefangen bei der Aufopferung des Romantikers Rick bis hin zum durch und durch politischen Schlusssatz, ist dies zurecht eine der legendärsten Szenen der Filmgeschichte. Eine Nacherzählung wird diesmal ausgespart. Wer die noch braucht, sollte diese Wissenslücke schnellstens füllen, Taschentücher bereit stellen und die DVD einlegen.

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