Dr. Thomas Nemet ist CEO der Ghostwriting-Agentur ACAD WRITE. Seit 15 Jahren schreibt das Unternehmen Haus- und Abschlussarbeiten für Studierende – oftmals in letzter Minute. Über 400 professionelle Ghostwriter aus nahezu allen Studienrichtungen werden mittlerweile von der Agentur vermittelt. Wir sprechen über aktuelle Trends und Gewissensfragen im Ghostwriting.

Herr Nemet, vor sieben Jahren haben wir hier schon einmal über Ihr Unternehmen ACAD WRITE gesprochen, das Ghostwriting für Studierende anbietet. Damals haben Sie gesagt, die Arbeit als Ghostwriter bereite Ihnen kein schlechtes Gewissen. Hat sich das seither verändert?

Thomas Nemet: Nein, ganz im Gegenteil. Mit jedem Tag in diesem Geschäft lerne ich unsere Kunden besser kennen. Dabei handelt es sich keinesfalls nur um faule Studis mit reichen Eltern. Es gibt immer mehr berufsbegleitende Studiengänge, in denen mehr gefordert wird, als neben dem Job realistisch betrachtet möglich ist. Darüber hinaus können auch die Familie oder die Gesundheit ein Grund sein, einen Ghostwriter zu engagieren. Manchmal gibt es eben andere Prioritäten im Leben. Wir schreiben Seminararbeiten für junge Mütter, die das Studium weiterführen wollen. Und wir bereiten Präsentationen für Teilzeit-Studenten mit Vollzeit-Jobs vor. In solchen Situationen zu helfen, bereitet mir keinesfalls Gewissensbisse.

… und was die faulen Studis mit reichen Eltern betrifft?

Nemet: Da bestimmt die Nachfrage das Angebot. Wenn wir die Arbeit nicht schreiben, macht es eine andere Agentur. Grundsätzlich hinterfragen wir die Situation und Motive unserer Kunden nicht. Viele erklären uns trotzdem, warum sie einen Ghostwriter suchen. Meist sind es absolut nachvollziehbare, menschliche Motive. Da braucht man dann auch kein schlechtes Gewissen zu haben.

Was hat sich seit unserem letzten Gespräch verändert? Ist die Nachfrage nach Ghostwriting gestiegen?

Nemet: Kaum ein öffentlicher Sektor hat sich in den letzten zehn Jahren so verändert wie das Bildungswesen. Leider nicht nur zum Guten. Bologna ist trotz allen Widerstandes zur Realität geworden, die Zahl der nebenberuflich Studierenden ist wie gesagt stark angestiegen. Dazu kommt immer größerer Leistungsdruck. Den meisten reicht es nicht mehr, die Arbeit zeitgerecht einzureichen. Sie wollen auch eine sehr gute Benotung, weil sie sonst befürchten, später am Jobmarkt unterzugehen. Das alles hat zu einer steigenden Nachfrage nach Ghostwriting geführt. Nicht nur wir verzeichnen einen beständigen Anstieg an Anfragen, der gesamte Markt wächst.

Das heißt: Was schlecht für das Bildungssystem ist, ist gut für die Ghostwriter?

Nemet: Ich denke nicht, dass man das so einfach generalisieren kann. Natürlich haben die genannten Faktoren dazu beigetragen, dass unser Geschäft wächst. Aber das Bildungssystem liegt mir tatsächlich am Herzen und ich wünsche mir nur das Beste dafür. Ich bin froh, dass ich noch in einer Zeit vor Bologna studieren konnte, wo man im Studium und seiner persönlichen akademischen Ausrichtung noch viel mehr Freiheiten und Selbstbestimmung genossen hat. Das hat einen viel breiteren und tieferen wissenschaftlichen Diskurs ermöglicht, als ihn ein total verschultes Hochschulwesen zulässt. Mein Interesse für die Welt des Akademischen war ausschlaggebend dafür, dass ich ACAD WRITE überhaupt gegründet habe. Wir helfen da weiter, wo der überlastete Bildungsapparat an seine Grenzen stößt. Häufig schreiben unsere Ghostwriter nicht nur, sie begleiten den Klienten bei großen akademischen Hürden und stehen als Mentor zur Seite. Viele Kunden können sich während der kurzen Zusammenarbeit mit dem Ghostwriter weitaus mehr Fähigkeiten im Bereich des wissenschaftlichen Arbeitens aneignen, als sie aus dem Proseminar mitgenommen haben.

Schreiben Sie manchmal selbst noch Arbeiten für andere?

Nemet: Als Ghostwriter betätige ich mich nur noch sehr selten. Wir haben viele Top-Autoren, die meine Wissensgebiete abdecken und mehr Zeit haben als ich, mit den neuesten Entwicklungen im Fachbereich Philosophie auf dem letzten Stand zu bleiben. Ich sehe mich heute als Unternehmer. Neben 400 Autoren beschäftigt ACAD WRITE viele Kundendienstmitarbeiter, professionelle Lektoren und ein Marketingteam. Auch IT-Sicherheit ist ein großes Thema und eine große Verantwortung, mit der wir uns ständig auseinandersetzen. Das alles zu koordinieren erfordert viel Einsatz. Für Ghostwriting fehlt mir also schlicht die Zeit.

Was hat sich speziell bei ACAD WRITE seit 2012 getan?

Wir arbeiten täglich daran, unseren Kunden einen noch besseren Service zu liefern. Jetzt alle Neuerungen seit 2012 durchzugehen, würde wohl unseren Zeitrahmen sprengen. Grundsätzlich war der Relaunch unserer Kommunikationsplattform ACAD office ein großer Schritt. Darüber können die Kunden direkt und zugleich anonym mit ihrem Ghostwriter kommunizieren. Wir feilen aber auch ständig an unserer Website, dem Qualitätsmanagement und der Kommunikation nach außen. Es geht hauptsächlich darum, immer „benutzerfreundlicher“ zu werden, wie man so schön sagt. Wir wollen den Kunden einerseits einen möglichst unkomplizierten Ablauf anbieten, aber gleichzeitig die Sicherheit, Diskretion und Qualität, die sie brauchen. Dass unsere Agentur auf Trustpilot mittlerweile von über 200 Kunden mit 5 von 5 Sternen bewertet wurde, macht mich schon ein bisschen stolz und zeigt mir, dass wir vieles richtig gemacht haben.

Und was haben Sie falsch gemacht?

In 15 Jahren Unternehmensgeschichte geht natürlich die eine oder andere unternehmerische Entscheidung schief. Man probiert einen neuen Marketingkanal aus, der nicht funktioniert, oder man entwickelt ein neues Angebotsfeld, das nicht so richtig angenommen wird. Das ist ganz normal, wir alle lernen von Trial-and-Error. Unterm Strich würde ich aber sagen: Von zehn neuen Ideen, die wir haben, sind neun gut. Und dass wir schon so lange kundenfreundlich und skandalfrei arbeiten, spricht dafür, dass die Unternehmensphilosophie von ACAD WRITE ein Erfolgsprinzip ist.

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