Interessenten für ein Studium mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung erwerben durch die Berufsreifeprüfung eine vollwertige Matura.


Viele Schulabgänger, die sich zunächst statt der Matura für eine Berufsausbildung entschieden hatten, wünschen sich irgendwann doch ein Studium – und stehen vor der Frage, wie das Studieren ohne Matura funktionieren kann. Die Berufsreifeprüfung ist eine Alternative zur klassischen Matura, die allen offensteht, die eine Berufsausbildung absolvieren oder diese bereits abgeschlossen haben. Sie ist eine vollwertige Matura und ermöglicht in Österreich und in der Europäischen Gemeinschaft zur freien Wahl der Hochschule und jedes beliebigen Studienganges.

Wer kann zur Berufsreifeprüfung zugelassen werden?

Die Zulassung zur Berufsreifeprüfung kann aufgrund verschiedener beruflicher Bildungswege und Abschlüsse erfolgen, dazu gehören:

  • Eine abgeschlossene Berufsausbildung
  • Der mindestens dreijährige Besuch und ein Abschluss einer mittleren berufsbildenden Schule
  • Der Abschluss der 3. Klasse einer höheren berufsbildenden Schule sowie drei Jahre Berufserfahrung
  • Ein Meisterabschluss
  • Der Abschluss eines Hauptstudiengangs an Konservatorien.

Beamte bestimmter Verwendungsgruppen sowie Schulabbrecher mit mindestens dreijähriger Berufserfahrung können ebenfalls zur Prüfung zugelassen werden.

Was wird geprüft?

Die Berufsreifeprüfung besteht aus vier Teilprüfungen, von denen drei bereits während einer laufenden Berufsausbildung abgelegt werden können. Für die vierte und letzte Prüfung gelten etwas striktere Konditionen: Die Kandidaten müssen ihre Berufsausbildung abgeschlossen und mindestens ihr 19. Lebensjahr vollendet haben.

Die vier Einzelprüfungen erfolgen in Deutsch, Mathematik, einer lebenden Fremdsprache sowie im sogenannten „Fachbereich“, bei dem der Wissenstand im Ausbildungsberuf geprüft wird. Sie bestehen jeweils aus einer fünfstündigen Klausur und einer mündlichen Prüfung, bei der das Klausurthema vor der Prüfungskommission präsentiert und diskutiert wird. Ob bereits vorhandene Abschlüsse oder Fremdsprachen-Zertifikate angerechnet werden und deshalb vielleicht eine Teilprüfung erlassen werden kann, wird bei der Prüfungszulassung entschieden. Wenn ein Vorbereitungskurs in einer nach dem Berufsreifeprüfungsgesetz anerkannten Bildungseinrichtung mit einer Abschlussprüfung endet, wird die entsprechende Teilprüfung für die Berufsreife ebenfalls erlassen.

Prüfungsprozedere und Prüfungsvorbereitung

Die Berufsreifeprüfung ist eine sogenannte Externistenprüfung. Der Besuch von Vorbereitungskursen ist also nicht zwingend vorgeschrieben. Kandidaten, die sich für individuelles Lernen ohne Vorbereitungskurs entscheiden, müssen alle vier Teilprüfungen an einer höheren Schule absolvieren. Die Besucher von Vorbereitungskursen legen mindestens eine Teilprüfung an einer höheren Schule ab und stellen dort auch den Antrag auf die Zulassung zur Prüfung. Die anderen drei Prüfungen können von den Anbietern der Vorbereitungskurse abgenommen werden. Diese oder die Stadtschulräte geben auch Empfehlungen zu einer geeigneten höheren Schule für die Prüfung. Als Dokumente für die Zulassung sind die Geburtsurkunde, der Nachweis einer laufenden oder bereits abgeschlossenen Berufsausbildung sowie – sofern bereits vorhanden – Zeugnisse über bereits abgeschlossene Prüfungen erforderlich.

Vorbereitungskurse werden von verschiedenen Bildungseinrichtungen – unter anderem den Volkshochschulen, dem Wirtschaftsförderungsinstitut und dem Berufsförderungsinstitut – angeboten. Zeitliche Vorgaben für den Besuch der Kurse und das Ablegen der Teilprüfungen gibt es nicht.

Kosten und Förderungsmöglichkeiten für die Berufs-Matura

Für das Ablegen der Prüfung selbst entstehen in der Regel keine Kosten, für Kandidaten mit bereits abgeschlossener Berufsausbildung sind allerdings die Vorbereitungskurse kostenpflichtig. Wer in allen Teilfächern einen Vorbereitungskurs belegt, muss mit einer Summe von durchschnittlich 3.000 Euro rechnen. Förderungsmöglichkeiten bieten zahlreiche Institutionen – beispielsweise Arbeitskammern oder Bildungsförderungswerke – an. Durch das Förderprogramm „Lehre mit Matura“ sind die Berufsreifeprüfung und die Vorbereitungskurse seit 2009 für Auszubildende grundsätzlich kostenlos.

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