Rasch in Projekte einsteigen oder das ganze Unternehmen kennenlernen – Direkteinstieg und Traineeprogramme bieten Absolvent:innen unterschiedliche Vorteile für den Start in die berufliche Karriere. Der Direkteinstieg ist meist mit früher Verantwortung auf einer bestimmten Position, das Traineeprogramm steht für einen schrittweisen Umstieg von der Ausbildung ins Berufsleben und intensives Networking.

Traineeprogramm in der Praxis
© iStockphoto / BalanceFormcreative

„Für mich war es logisch, nach meinem fünfjährigen Studium direkt in einen Job einzusteigen, der bereits einen konkreten Bereich beziehungsweise ein Aufgabengebiet abdeckt“, sagt Christoph Hartwein. Nach seinem Studium am FH Technikum Wien startete er als Prozessmanager bei Österreichs größtem Netzbetreiber Wiener Netze. „Ich wusste damals, was ich in Zukunft gerne machen wollte – daher war ich gleich auf der Suche nach einem konkreten Job.“

Die Wiener Stadtwerke und ihre zugehörigen Unternehmen, darunter die Wiener Netze, bieten Hochschulabsolvent:innen zahlreiche Einstiegsmöglichkeiten. „Auch für alle, die nicht direkt in einen Beruf einsteigen wollen, gibt es diverse Möglichkeiten quer durch den Konzern, in unterschiedlichen Bereichen reinzuschnuppern, etwa in Praktika, Trainee- und Ausbildungsprogrammen“, erklärt Lucia Schweiger, zuständig für Integrierte Kommunikation & Employer Branding in der Wiener Stadtwerke-Gruppe.

Christoph Hartwein fand seine Einstiegsstelle – nach seinem Bachelor in „Biomedical Engineering“ und dem Master-Abschluss in „Gesundheits- und Rehabilitationstechnik“ – über ein Jobportal: „Das Stelleninserat war kurz und prägnant, bot aber gleichzeitig viel Spielraum für die eigentlichen Tätigkeiten. Es war ein guter Mix aus fachlichen und persönlichen Anforderungen.“

Christoph Hartwein, Prozessmanager Wiener Netze
© Manfred Tucherl

Absolvent:innen, die sich nach dem Studium für den Direkteinstieg in ein Unternehmen entscheiden, wissen von Anfang an, welche Position sie im Team übernehmen werden. Hier können sie sich rasch entwickeln, Fachexpertise aufbauen und oft schon nach einer kurzen Einarbeitungsphase Verantwortung für eigene Projekte übernehmen. Für Bewerbende, die schon recht genau wissen, auf welcher Position sie starten wollen und welche weiteren Karrieremöglichkeiten sie anstreben, ist dies eine gute Entscheidung.

Unternehmen umfassend kennenlernen

Traineeprogramme funktionieren anders. Trainees wechseln während ihres Einarbeitungsprogramms regelmäßig die Abteilungen. In meist mehrmonatigen Stationen lernen sie verschiedene Bereiche im Unternehmen kennen. Über die spätere Position wird häufig erst wenige Monate vor Ende des Programms entschieden.

Vanessa Sansenböker entschied sich bewusst für den Berufseinstieg als Trainee. Sie startete im Traineeprogramm „Retail“ bei Peek & Cloppenburg und wollte dort die Chance nutzen, ein Unternehmen in seiner ganzen Breite kennenzulernen: „Ich durchlief im Rahmen des Traineeprogramms verschiedene Bereiche wie den Verkauf, die Fachabteilungen, den Einkauf und bekam einen Einblick in die CEE-Region. Dadurch erhielt ich ein umfassendes Verständnis für die Zusammenhänge im Unternehmen – ein echter Vorteil für meine weitere Karriere.“

Zuvor hatte sie das Bachelor-Studium in Business Administration an der WU Wien absolviert und anschließend in Paris den Master of Science im Bereich Fashion Management erlangt. Seit über einem Jahr ist sie bei P&C als General Sales Managerin in Klagenfurt tätig.

Auf das Traineeprogramm von P&C war sie durch Freunde aufmerksam geworden: „Sie hatten mir begeistert von ihren positiven Erfahrungen erzählt. Das hat mein Interesse geweckt und mich motiviert, mich intensiver mit dem Programm auseinanderzusetzen.“ Weitere Traineeprogramme bietet das Modeunternehmen in den Bereichen Buying und Zentrale an.

Bewerbung: Das müssen Trainees wissen

Die Bewerbung ist der erste Schritt auf dem Weg zur Traineestelle. trainees.at sagt dir, wie die Bewerbungsunterlagen aussehen sollten und was du beim Anschreiben und der Online-Bewerbung beachten musst.

Netzwerke bilden

Typisch für ein Traineeprogramm ist der Wechsel zwischen vorher festgelegten Abteilungen, um das gesamte Unternehmen und seine Abläufe kennenzulernen. Eine Station im Ausland gehört häufig dazu. Viel Wert gelegt wird außerdem auf eine individuelle Betreuung, regelmäßige Schulungen und Coachings sowie intensives Networking, von dem die Trainees auch noch lange nach Abschluss ihres Programms profitieren. Durch die Wechsel der Abteilungen im Unternehmen ergibt sich das fast von selbst.

Vanessa Sansenböker reizte an der Traineestelle besonders, dass sie ihre Leidenschaft für Mode mit ihrem Interesse an Zahlen und betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen verbinden konnte. „Das Traineeprogramm bei P&C bot mir genau diese Mischung: kreative Aspekte und gleichzeitig analytisch-strategisches Arbeiten. Außerdem war es mir wichtig, eine abwechslungsreiche Tätigkeit zu haben, bei der kein Tag dem anderen gleicht und in der ich mich schnell weiterentwickeln kann.“

Im Traineeprogramm stieg sie direkt in den Verkauf ein: „In den ersten Monaten durfte ich in drei verschiedenen Häusern mitarbeiten. So lernte ich unterschiedliche Hausgrößen, Teams und Führungsstile kennen. Neben dem Verkauf konnte ich auch Einblicke in zentrale Fachbereiche wie Kassa, Logistik und Deko gewinnen. So habe ich nicht nur die Abläufe im Store verstanden, sondern auch, wie eng alles miteinander verzahnt ist.“

Klar umrissene Aufgaben

Beim Direkteinstieg profitieren die Nachwuchskräfte von einer stabilen Einstiegsphase, der Entwicklung einschlägiger Fachexpertise und dem Kennenlernen des komplexen Projektgeschäfts in ihrem Bereich. Aufgaben und Verantwortung sind von Beginn an klar umrissen. Praktische Arbeiten und eigene Projekte können die Einsteiger:innen oft nach einer kurzen Einarbeitungsphase übernehmen, da sie anders als die Trainees nicht regelmäßig die Abteilungen wechseln.

Christoph Hartwein begann im Februar 2021 bei den Wiener Netzen, mitten in der Covid-19-Pandemie: „Mein Einstieg war deshalb weit entfernt von einem ‚Standard-Onboarding‘. Die persönlichen Einschulungen, der direkte Kontakt und allgemein der Arbeitsalltag waren am Beginn sehr außergewöhnlich.“

In dieser besonderen Situation arbeitete sich der Absolvent zunächst in das Programm „Smart Meter Rollout“ ein, lernte Begriffe und Abkürzungen. „Langsam, aber sicher baute ich ein Prozessverständnis auf, übernahm mit der Zeit immer mehr Verantwortung und Arbeitskolleg:innen kamen mit spannenden Anforderungen auf mich zu.“

Dabei erhielt der heute 30-jährige Prozessmanager die erforderliche Zeit, die er für die komplexe Einarbeitung in sein Gebiet benötigte: „Alle wissen, wie umfassend die Projekte teilweise sind und dass es viele unternehmensspezifische Aufgaben gibt, die man zuvor weder in einem Studium noch in einem anderen Job lernen kann. Dieser Vertrauensvorschuss ist viel wert und hat mir persönlich sehr geholfen.“

Traineeprogramme nicht nur für Wirtschaftstalente

Ziel von Traineeprogrammen war ursprünglich, qualifizierte Hochschulabsolvent:innen in einer generalistisch angelegten Ausbildung auf eine Management-Laufbahn einzustimmen. Heute legen sie häufig auch die Weichen für eine verantwortliche Position in einer Fachabteilung.

Traineeships sind inzwischen in allen wichtigen Branchen etabliert und längst keine alleinige Domäne von Wirtschaftswissenschaftler:innen mehr – auch Technik- und IT-Absolvent:innen bietet sich immer häufiger die Gelegenheit, ihre Laufbahn als Trainee zu starten. Sie lernen hier, die Strategien des Unternehmens mitzugestalten, und erhalten das Rüstzeug für eine erfolgreiche Karriere.

Auf trainees.at finden Absolvent:innen aller Fachrichtungen ausführliche Tipps und Infos, wie ihr Traineeprogramm ein Erfolg wird.

Wie ein kleiner Jobwechsel

Der regelmäßige Wechsel in einem Traineeship von einer Station zur nächsten ist jedes Mal wie ein kleiner Jobwechsel – mit neuen Kolleg:innen, Prozessen und Aufgaben. Den Trainees sollte deshalb während des gesamten Programms eine erfahrene Führungskraft als Mentor oder Mentorin zur Seite stehen. Auch in den einzelnen Stationen sollte es immer feste Ansprechpersonen geben, die für die Trainees verantwortlich sind und ihnen für ihre Fragen zur Verfügung stehen.

Die persönliche Betreuung während ihres Traineeprogramms empfand auch Vanessa Sansenböker als hilfreich: „Besonders positiv war für mich die Begleitung während der gesamten Zeit. Durch das Mentoringprogramm von P&C hatte ich stets eine feste Ansprechperson an meiner Seite. Der regelmäßige Austausch mit meinem Mentor war für mich sehr wertvoll. Zu wissen, dass ich einen Ansprechpartner habe, der mich jederzeit professionell begleitet und unterstützt, hat mir Sicherheit gegeben. Und auch im Arbeitsalltag vor Ort gab es immer Kollegen, die mich unterstützt haben.“

Workshops und Trainings

Begleitende Schulungen zeichnen ein gutes Traineeprogramm ebenfalls aus. In Workshops, Fachseminaren, Soft-Skills-Trainings oder Sprachkursen lernen die Trainees, was sie für ihre weitere Karriere im Unternehmen benötigen, sich aber nicht einfach „on the Job“ in den einzelnen Abteilungen aneignen können.

Vanessa Sansenböker konnte im Laufe ihres Traineeprogramms an verschiedenen begleitenden Schulungen und Formaten zum gegenseitigen Austausch teilnehmen. „Ein zentraler Bestandteil des Programms sind der Substitutenkurs und der Abteilungsleiterkurs. Dort werden wichtige theoretische Grundlagen für die künftige Führungsrolle vermittelt, ergänzt durch viele praxisnahe Inhalte, die ich direkt im Alltag anwenden konnte. Besonders schön war, dass ich durch meine Einsätze in mehreren Filialen andere Trainees kennengelernt habe, unter anderem eine Trainee aus dem Vorjahr, mit der sich nicht nur ein enger fachlicher Austausch, sondern auch eine Freundschaft entwickelt hat.“

Einstiegsformen nähern sich an

Die grundsätzlichen Unterschiede zwischen den verschiedenen Einstiegsmöglichkeiten bleiben zwar bestehen. Doch die Formen nähern sich an. Die früher sehr breit angelegten Traineeships bereiten nicht mehr zwingend auf eine Führungslaufbahn in der Zentrale vor, sondern sind heute oft schlanker konzipiert und stärker auf eine verantwortliche Position in einem bestimmten Bereich zugeschnitten. Gleichzeitig wird der Direkteinstieg häufiger von Förder- oder Mentoringprogrammen begleitet und durch zahlreiche Schulungen unterstützt – also durch Elemente, die ursprünglich typisch für Traineeships waren.

So nahm auch Christoph Hartwein seit dem Direkteinstieg bei den Wiener Netzen regelmäßig an Trainings teil. „Darunter waren sowohl fachliche Schulungen, etwa zum Prozessmanagement, als auch Soft-Skills-Schulungen zu Themen wie der effizienten Gestaltung von Meetings, Work Hacks oder Kommunikation.“ Ein Welcome Day, bei dem der Absolvent der FH Technikum Wien andere Berufseinsteiger:innen kennenlernen konnte, und weitere Angebote, sich untereinander zu vernetzen, begleiteten seinen Einstieg ebenfalls.

Wenn es um die Festlegung der späteren Zielposition geht, sind Traineeprogramme unterschiedlich konzipiert. In offeneren Varianten kristallisiert sie sich erst mit dem Durchlauf durch die verschiedenen Abteilungen heraus. Andere Programme sind von vornherein klar mit einer konkreten Position verknüpft. Dies ist besonders bei enger auf eine bestimmte Fachlaufbahn fokussierten Traineeships der Fall, etwa für den Vertrieb oder den Einkauf. Wichtig ist, dass das Programm dennoch einen guten Überblick über das Unternehmen weit über den Einstiegsbereich hinaus vermittelt.

Traineeprogramme: Fester oder befristeter Vertrag?

Schon zu Beginn eines Programms sollte klar sein, welche Perspektiven der Trainee nach Abschluss des Traineeships hat. Häufig erhalten die Trainees von vornherein einen unbefristeten Vertrag.

Aber auch mit einem befristeten Vertrag haben sie bei einem qualitativ hochwertigen Programm sehr gute Übernahmechancen. Schließlich liegt es im Interesse der Arbeitgeber, die gut (und teuer) ausgebildeten Trainees im eigenen Unternehmen zu halten.

Mehr Tipps für die Wahl des richtigen Traineeprogramms findest du im Karriereratgeber auf trainees.at.

Vorbereitung auf Führungsrolle

Ziel von Vanessa Sansenbökers Traineeprogramm „Retail“ bei Peek & Cloppenburg war, sie optimal auf eine Führungsposition im Verkauf vorzubereiten: „In dem Programm geht es darum, nicht nur die fachlichen Kompetenzen, sondern auch die nötige Führungspersönlichkeit zu entwickeln. Das Programm ist klar strukturiert und darauf ausgelegt, innerhalb eines Jahres auf die Position des Abteilungsleiters vorzubereiten. Die Aussicht, innerhalb von nur zwölf Monaten eine Führungsposition als Abteilungsleiterin zu übernehmen und nach 24 Monaten sogar die Verantwortung für einen eigenen Store zu tragen, war für mich besonders motivierend.“

Nach Abschluss ihres Traineeprogramms wurde sie zunächst zur Einarbeitung als General Sales Managerin eingesetzt. In dieser Rolle hatte sie die Gelegenheit, weitere Filialen kennenzulernen – sowohl in Österreich als auch in Osteuropa, unter anderem in Rumänien. „Diese Phase hat mir geholfen, meine Erfahrung zu vertiefen und mich auf meine eigene Führungsrolle vorzubereiten. Kurz darauf war es dann so weit: Ich habe meinen ersten eigenen Store als General Sales Managerin in Klagenfurt übernommen. Was ich an dieser Rolle besonders schätze, ist die hohe Eigenverantwortung und die Freiheit, eigene Ideen einzubringen und umzusetzen. Das Traineeprogramm hat mir genau die Grundlage dafür gegeben“, betont die 28-Jährige.

Und auch Christoph Hartwein ist mit seiner Weiterentwicklung nach seinem Direkteinstieg bei den Wiener Netzen hochzufrieden: „Was die weitere Zukunft bringen wird, kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich bin ein offener Mensch und stelle mich immer wieder gerne neuen Herausforderungen.“

Traineeprogramm oder Direkteinstieg: Was bietet welcher Einstieg?

Traineeprogramm

Wechsel der Abteilungen

Überblick über das gesamte Unternehmen

häufig offenere Karrierewege

Betreuung meist intensiver

enges Netzwerk im Unternehmen

internationale Perspektiven

Vorbereitung auf Führungslaufbahn

Direkteinstieg

schneller Einstieg

frühe Projektverantwortung

Spezialisierung

feste Einstiegsposition

oft höheres Einstiegsgehalt

Förderung von Weiterbildung oder Master-Studium möglich

schnelle Fachlaufbahn

Spannende Artikel für dich:

Unimag Network
THE FIZZ – Student Housing. Just Better.

Du suchst die passende Unterkunft während deines Studiums oder sammelst gerade erste Berufserfahrungen in Wien? Das bedeutet für viele: Neue Freundschaften, räumliche Unabhängigkeit und die beste Zeit deines Lebens. Um all dies zu verwirklichen, brauchst du natürlich das perfekte Studentenwohnheim! Im THE FIZZ ist für dich garantiert etwas dabei. Denn dich erwartet ein Komplettpaket, welches de...[weiterlesen]

Unimag Network
Wirtschaftsprüfer/in – das ist genau das Richtige für dich!

Die Prüfung der Rechnungslegung und Berichterstattung von Unternehmen steht im Zentrum der Tätigkeiten von Wirtschaftsprüfer/innen. Dabei werden nicht nur Zahlen kontrolliert und verglichen, sondern man taucht tief in die jeweiligen Unternehmen ein, bekommt einen detaillierten Einblick in die Funktionsweisen und lernt alle wichtigen Prozesse kennen – und die Menschen, die hinter den Z...[weiterlesen]

Traineeprogramme
Direkteinstieg oder Traineeprogramm

„Das Traineeprogramm bot mir die Möglichkeit, ein Unternehmen über Jobrotations ganzheitlicher kennenzulernen als bei einem Direkteinstieg in einer Fachabteilung.“ So begründet Marlene Huber, warum sie sich nach ihrem Studium für einen Einstieg als Trainee bei der Erste Group Bank AG entschied und ihre Karriere nicht direkt auf einer festen Position startete. „Außerdem hatte ich Gelegenheit,...[weiterlesen]

Unimag Network
Das große UNI & FH ABC

Die Matura in der Tasche, hinter dir liegt der Sommer deines Lebens und jetzt ist es endlich soweit: Die Uni beginnt. Herzlichen Glückwunsch! Dir stehen ein paar richtig coole Jahre bevor! Um dir den Einstieg etwas zu erleichtern, haben wir den ultimativen Survival-Guide inklusive praktischer Checklisten für dich erstellt. So bist du für jede Situation gerüstet! PS: Auch ältere Semester können hier...[weiterlesen]

UNIMAG in deinen Posteingang?

Gewinnspiele, Karrieretipps, Studentenleben, Festivals uvm,

UNIMAG-Handy
UNIMAG Lap Top