Auf den ersten Blick ist die Zahl der Traineeprogramme kaum überschaubar – auf dem Markt für Traineestellen tummeln sich auch immer wieder schwarze Schafe. Einige wichtige Punkte verweisen auf die Qualität eines Traineeprogramms.

Der Begriff „Traineeprogramm“ ist gesetzlich nicht geschützt – wie die anbietenden Unternehmen die Programme ausgestalten, ist ihnen also völlig selbst überlassen. Neben anspruchsvollen Ausbildungsprogrammen, die mittelfristig ein Karriere-Turbo sind, ist auch das Gegenteil zu finden: Einige Unternehmen betrachten ihre Traineeprogramme als einen Weg, um kostengünstig Personal zu finden, in anderen Fällen bietet die Traineeausbildung nicht viel mehr als die Inhalte eines Praktikums.

Bei der Auswahl des Programms, für das du dich bewerben willst, und auch später „on the job“ solltest du also darauf achten, dass die Traineeausbildung einige Qualitätskriterien erfüllt.

Angemessenes Gehalt

Als Trainee wirst du nicht „nur“ ausgebildet, sondern arbeitest an verschiedenen Projekten mit. Die Abteilungen, in denen du tätig wirst, planen deine Arbeitsleistung ein. Oft musst du während deiner Traineezeit mit einer hohen Arbeitsbelastung rechnen. Ein besseres Praktikantengehalt ist dafür keinesfalls angemessen. Marktübliche Traineegehälter liegen um maximal 20% unter den Anfangsgehältern von Direkteinsteigern. Zwischen Bachelor- und Masterabsolventen gibt es zum Teil Unterschiede.

Dauer des Programms

Die Dauer von Traineeprogrammen kann sehr unterschiedlich sein. Im Schnitt planen die Unternehmen dafür 14 bis 24 Monate ein. Von sehr kurzen Programmen, die beispielsweise nur sechs Monate dauern sollen, ist eher abzuraten – ein solcher Zeitraum entspricht der üblichen Einarbeitungszeit.

Weiterbildungsveranstaltungen und Mentorship

Idealerweise zielt ein Traineeprogramm auf eine ganzheitliche Förderung von Hochschulabsolventen. Weiterbildungsveranstaltungen, spezielle Schulungen und individuelle Coachings kompensieren das vergleichsweise niedrigere Gehalt. Optimal ist, wenn dein Arbeitgeber während der Traineeausbildung auch eine persönliche Betreuung durch einen oder mehrere Mentoren vorgesehen hat. Von einer solchen Mentorship kannst du oft in besonders hohem Maße profitieren.

Steile Lernkurven, wachsende Verantwortung

Ein Traineeprogramm ist normalerweise der Einstieg in eine erfolgreiche Karriere als Fach- und Führungskraft – also geht es während des Programms um intensives Lernen. Im Gegenzug ist das Unternehmen in der Pflicht, dir die Möglichkeit dafür zu bieten. Gute Traineeprogramme ermöglichen steile Lernkurven und fördern die Eigenverantwortung von Trainees. Im Verlauf der Ausbildung sollten deine Verantwortung und damit deine Eigenständigkeit kontinuierlich wachsen.

Optimal ist, wenn du entsprechende Fragen bereits im Bewerbungsverfahren stellst und Projekte und/oder Ausbildungsinhalte im Arbeitsvertrag schriftlich festgehalten werden.

Anspruchsvoller Auswahlprozess

Für die Einstellung als Trainee sehen zumindest große Unternehmen ein Assessment Center vor. Auf jeden Fall werden die Firmen geeignete Kandidaten auf Herz und Nieren prüfen – schließlich geht es um ihren Führungskräftenachwuchs. Ein zu laxer Auswahlprozess kann ein Hinweis darauf sein, dass das Traineeprogramm deine Erwartungen sehr wahrscheinlich nicht erfüllen wird.

© JohnnyGreig / iStock

Übernahmemöglichkeiten nach dem Abschluss des Programms

Auf jeden Fall sollte nach dem Abschluss der Traineeausbildung eine Übernahmemöglichkeit bestehen. Wenn sie nicht gegeben ist, musst du damit rechnen, dass das Unternehmen in seine Trainees nicht allzu viel Zeit und finanzielle Mittel investieren wird. Im Klartext: Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass du vor allem als günstige Arbeitskraft betrachtet wirst.

Work-Life-Balance

Auch die zu erwartende Work-Life-Balance sollte für deine Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes Traineeprogramm eine Rolle spielen. Das Prinzip „10+ Stunden Arbeit und sonst nichts“ ist in modernen Unternehmen nicht mehr üblich. Hier kommt es allerdings darauf an, welche Faktoren für dich eine besonders große Rolle spielen. Flexible Arbeitszeiten sind heute in den meisten Firmen Standard, viele Unternehmen bieten auch Home-Office und mobile Arbeit an. Wenn du bereits Familie hast, ist eine durch die Firma geförderte Kinderbetreuung eine große Hilfe.

Das Gesamtpaket ist wichtig

Bei der Auswahl des passenden Traineeprogramms sollte das Gesamtpaket den Ausschlag geben. Einmal abgesehen von Großkonzernen wird kaum ein Unternehmen den Anforderungskatalog an ein „optimales Traineeprogramm“ zu 100 Prozent erfüllen.

Hier spielt eine weitere Frage eine Rolle: Auf den ersten Blick erscheinen die Traineeprogramme in großen Unternehmen besonders attraktiv. Andererseits musst du mit sehr komplexen und strikt definierten Strukturen rechnen. Die Alternative ist eine Traineeausbildung im Mittelstand. Wichtige Vorteile sind hier kurze Entscheidungswege, flache Hierarchien und die Möglichkeit, frühzeitig größere Projekte zu betreuen.

Fotos: © gradyreese, JohnnyGreig / iStock

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