Der Karriereeinstieg über ein Traineeprogramm bietet eine Menge Vorteile: Trainees knüpfen Kontakte im gesamten Unternehmen, erweitern in Schulungen ihre Hard & Soft Skills, sammeln in Rotationen rasch Praxiserfahrung und erhalten Feedback und Unterstützung von ihren Mentor:innen und Coaches. Wir erklären, wie ein Traineeprogramm funktioniert und warum der Einstieg als Trainee ein ideales Sprungbrett für die spätere Karriere ist.

Absolvent:innen, die sich nach dem Studium für den Direkteinstieg in ein Unternehmen entscheiden, wissen von Anfang an, was sie bekommen: Sie beginnen direkt auf der gewünschten Position, können sich hier rasch entwickeln, Fachexpertise aufbauen und oft schon nach einer kurzen Einarbeitungsphase Verantwortung für eigene Projekte übernehmen.

In einem Traineeprogramm ist (fast) alles anders. Trainees wechseln während ihres Einarbeitungsprogramms regelmäßig die Abteilungen, über die spätere Position wird häufig erst wenige Monate vor Ende des Programms entschieden. Das klingt offener und ist in jedem Fall herausfordernd – und gleichzeitig der entscheidende Pluspunkt von Traineeships. Sie sind vor allem für Kandidatinnen und Kandidaten geeignet, die sich besonders für die Zusammenhänge in einem Unternehmen interessieren und noch nicht unbedingt auf ein bestimmtes Fachgebiet festgelegt sind.

Bestmöglicher Wissenstransfer

„Wir möchten zielgerichtet ausgebildete Fachkräfte begeistern und gewinnen – für Jobs, die eine umfassende abteilungs-, werks- oder länderübergreifende Einschulung benötigen“, erklärt Andrea Waglhuber, Leiterin der Personalentwicklung beim Maschinenbauunternehmen ENGEL Austria aus dem oberösterreichischen Schwertberg. „Durch unser dahingehend abgestimmtes Traineeprogramm gewährleisten wir einen bestmöglichen Wissenstransfer und ermöglichen Berufseinsteigern und -einsteigerinnen, alle für ihren Job notwendigen Informationen praxisorientiert zu erlernen.“

Typisch für Traineeprogramme sind wechselnde mehrmonatige Stationen, die die Trainees durchlaufen. Meist dauern die Einarbeitungsprogramme zwölf bis 24 Monate. So haben die Nachwuchskräfte genügend Zeit, unterschiedliche Bereiche des Unternehmens kennenzulernen, Kontakte in verschiedenen Bereichen, Abteilungen und Niederlassungen zu knüpfen und an zusätzlichen Off-the-Job-Trainings teilzunehmen. Die Traineeprogramme des Spritzgießmaschinenherstellers ENGEL dauern zwölf Monate im Bereich Accounting sowie zehn bis 14 Monate in den Bereichen Technical Sales Support und digitale Anwendungstechnik.

Das Unternehmen kennenlernen

„In einem relativ kurzen Zeitraum lernen unsere Trainees viele verschiedene Niederlassungen, Werke, Bereiche, Teams und Personen unserer Unternehmensgruppe mit neun Produktionswerken und 31 Vertriebs- sowie Serviceniederlassungen kennen. Dies soll vernetztes und ganzheitliches Denken sowie die innerbetriebliche Kommunikation und Kooperation fördern“, so Andrea Waglhuber. „Weiters besteht durch die Traineeprogramme sowohl für die Trainees als auch für das Unternehmen die Möglichkeit, während der Traineephase ihre Stärken und Interessen kennenzulernen und sie adäquat auf eine passende Zielposition vorzubereiten.“

Führungs- oder Fachlaufbahn

Das prozessübergreifende Wissen, das sich die Trainees während ihres Einarbeitungsprogramms aneignen, können sie später auf ihrer Zielposition auch in ihre Abteilung hineintragen. Es ist deshalb kein Widerspruch, wenn die bereichsübergreifende Ausbildung in eine Laufbahn in einer Fachabteilung mündet. Denn die früher grundsätzlich sehr breit angelegten Traineeships bereiten nicht mehr zwingend auf eine Führungslaufbahn in der Zentrale vor. Auch wenn das Traineeprogramm in eine Fachlaufbahn mündet, ist es ein enormer Gewinn für die tägliche abteilungsübergreifende Zusammenarbeit, schon Hintergrundwissen über die verschiedenen Abteilungen erlangt und Kontakte geknüpft zu haben.

Perfekte Alternative

Ein Traineeprogramm empfand auch Irina Prüller als ideale Form, nach dem Studium ihre Karriere zu beginnen: „Das Traineeship war die perfekte Alternative, um ins Arbeitsleben einzutauchen, aber trotzdem an Trainings teilzunehmen und zu socialisen.“ Die 23-Jährige studierte Internationale Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien und entschied sich anschließend für ein Traineeprogramm beim dänischen Modehandelsunternehmen Bestseller am Standort in Wien. Dass es ihr besonders wichtig war, auf diese Weise berufliche Kontakte und Netzwerke knüpfen und pflegen zu können, hat einen speziellen Grund: „Die Hälfte meines Studiums habe ich in Corona-Zeiten absolviert und deshalb das Studentenleben nie so richtig ausleben können.“

Die Wirtschaftsstudentin hatte gezielt nach Traineeprogrammen im Modebereich recherchiert und stieß bald auf das 24-monatige Programm „National Business Trainee“ (NBT) von Bestseller. Dort erhielt Irina Prüller zunächst ein umfassendes Onboarding mit dem Team in Österreich. „Dort erfuhr ich alles über meine Aufgaben und Entwicklungsmöglichkeiten. Danach ging es direkt zum Firmensitz nach Brande in Dänemark, wo wir gemeinsam mit allen anderen weltweiten Trainees an einer weiteren Intro-Woche teilnahmen. Danach konnte ich schon direkt in den Arbeitsalltag in Wien einsteigen.“

Drei bis sechs Stationen

Ein Traineeprogramm durchzuführen, ist auch für den Arbeitgeber mit einigem organisatorischen und finanziellen Einsatz verbunden. Doch es lohnt für die Unternehmen. Auf diese Weise bilden sie qualifizierte Führungskräfte mit viel Potenzial aus, die in der Firma schon bestens vernetzt sind. Schließlich werden die Trainees nicht nur mit der späteren Zielposition, sondern mit möglichst vielen Bereichen des Unternehmens vertraut gemacht. Meist durchlaufen sie etwa drei bis sechs Stationen in den verschiedenen Abteilungen, die je nach Struktur des Programms circa drei bis sechs Monate dauern. Das fördert das unternehmerische Denken weit über den eigenen Arbeitsbereich hinaus.

Beim Industrieunternehmen ENGEL hängt die Zahl der Stationen nicht nur von der Art des Traineeprogramms ab. „Die Anzahl und Art der Stationen im Unternehmen, die ein Trainee durchläuft, passen wir individuell an. Je nach Vorwissen, Kenntnissen und Erfahrungen des Trainees kann es eventuell auch zu einer Verkürzung des Programms kommen“, erläutert Personalentwicklerin Waglhuber.

Rotationen im Ausland

Beim Modehändler Bestseller zählen insgesamt vier Rotationen in Dänemark und Österreich fest zum zweijährigen Programm „National Business Trainee“. So durchläuft Trainee Prüller zwei mehrmonatige Etappen in Dänemark, um das Team im Headoffice besser kennenzulernen: „In dieser Zeit lebt man gemeinsam mit den anderen Trainees unter einem Dach, was das Zusammenwachsen enorm fördert und oft zu engen Freundschaften führt. Im zweiten Jahr geht es sogar in eines der Produktionsländer, wo uns die gesamte Supply Chain nahegebracht wird. Hier reise ich dieses Jahr nach China.“

Intensive Schulungen und Trainings

Wer mehrere Abteilungen in einem Unternehmen durchläuft, erlebt bereits ein intensives Training „on the Job“. In einem guten Traineeprogramm wird dies durch Schulungen in Form von Workshops, Fachseminaren, Soft-Skills-Trainings oder E-Learning-Angeboten begleitet. Hier lernen die Trainees, was sie für ihre weitere Karriere im Unternehmen benötigen, sich aber nicht einfach in den einzelnen Abteilungen aneignen können.

Ein weiterer positiver Effekt für Unternehmen: „Durch die angebotenen Entwicklungsmaßnahmen hoffen wir uns gegenüber jungen Fachkräften als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Wir bieten unseren Trainees je nach Bedarf verschiedenste Trainings und Seminare an, um ihre fachspezifischen Kenntnisse, Social Skills oder Sprachkenntnisse zu fördern“, so Personalexpertin Waglhuber.

Die Trainees von Bestseller nehmen während ihres Programms neben der Intro-Woche an vier festen „schooling periods“ teil. Diese verbringen sie jeweils mit den anderen internationalen Trainees des Unternehmens. „Zum Beispiel lernen wir hier alles rund um das Tagesgeschäft in den Retail Shops und reisen auch gemeinsam in eines der Länder mit Geschäften unserer Marken wie Vero Moda oder Jack & Jones, in meinem Fall nach Deutschland. Außerdem beschäftigen wir uns in den Schulungen mit Themen wie Leadership, Networking und dem eigenständigen Übernehmen von Verantwortung. Die schooling periods sind immer sehr prägend. Sie sind ein Ausgleich zum Arbeitsalltag und man kann sich noch intensiver mit der Firma und sich selbst beschäftigen“, stellt Wirtschaftsabsolventin Prüller heraus.

Persönliche Betreuung

Traineeprogramme sind ausgesprochen abwechslungsreich, das macht sie aber auch anspruchsvoll. Trainees sollten sich deshalb jederzeit mit allen Fragen an erfahrene Ansprechpersonen wenden können, zum Beispiel an feste Mentorinnen und Mentoren.

„Wir bieten bei ENGEL unseren Trainees neben detaillierten und zielgerichteten Einschulungsplänen eine umfassende Begleitung durch einen Mentor oder eine Mentorin, einen sogenannten Buddy und die Personalentwicklung“, berichtet Andrea Waglhuber. „Neben Austauschrunden mit den Fachbetreuern und Mentoren gibt es regelmäßig solche Runden auch unter den Trainees. Diese werden immer moderiert und liegen in der Verantwortung der Personalentwicklung. Ergänzt wird dies durch feste Ziel- und Feedbackgespräche.“

Auch bei Bestseller werden Trainees von einem Mentor oder einer Mentorin durch das gesamte Traineeship begleitet. „Sie unterstützen einen auch bei Themen, die man eventuell nicht mit einer Person aus dem Management besprechen möchte oder kann. Im Headoffice in Dänemark gibt es ebenfalls ein kleines Team, das für das Traineeship verantwortlich und bei allen Themen behilflich ist“, erzählt Irina Prüller.

Offene oder feste Zielpositionen

Traineeprogramme sind unterschiedlich konzipiert. In offeneren Varianten entscheidet sich die spätere Position erst mit dem Durchlauf durch die verschiedenen Abteilungen. Andere Programme sind von vornherein klar mit einer konkreten Zielposition verknüpft.

So bietet auch das Maschinenbauunternehmen ENGEL beide Optionen: „Manche Trainees starten mit einer festgelegten und manche ohne feste Zielposition in ihr Traineeprogramm. Bei Zweiterem kristallisiert sich diese im Laufe des Traineeprogramms und spätestens drei Monate vor dem Ende des Programms heraus, abhängig von den Stärken und Interessen des Trainees sowie der Verfügbarkeit einer freien, adäquaten Stelle. Entscheidungsgrundlage sind die Ergebnisse aus den Ziel- und Feedbackgesprächen und die Wahrnehmungen in den Mentoren- und Fachbetreuer-Austauschrunden.“

Die spätere Position von Irina Prüller wurde schon früh festgelegt: „Mein Ziel ist, nach dem Traineeship als Retail Buyerin für unsere Vero-Moda-Shops in Österreich einzusteigen.“ Bis es soweit ist, schätzt sie weiterhin die Möglichkeit, sich während ihres Traineeprogramms in vielen Bereichen und Standorten entwickeln zu können. „Ich konnte schon früh Verantwortung übernehmen, da von Beginn an viel Vertrauen in mich gesetzt wurde. Die Highlights des Traineeships sind für mich definitiv die Möglichkeit, verschiedenste Unternehmensbereiche, vor allem auch durch die schooling periods, kennenzulernen und eine so tolle Community aufbauen zu können. Wir Trainees sind zu einer kleinen Familie geworden.“

Dies ist auch für Andrea Waglhuber ein zentraler Aspekt, wenn sie gefragt wird, was ein Traineeprogramm zu einem Sprungbrett für eine erfolgreiche Karriere macht: „Umfassendes fachliches Know-how, ein gesamtunternehmerischer Blick – und ein dichtes lokales und globales Netzwerk an Kolleginnen und Kollegen!“

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