INHALTSVERZEICHNIS
- 1. Was ist ein Traineeprogramm?
- 2. Wie lange dauert ein Traineeprogramm?
- 3. Wie viele Stationen umfasst ein Programm?
- 4. Wie werden Trainees geschult?
- 5. Fach- oder Führungslaufbahn?
- 6. Welche Fachrichtungen sind gefragt?
- 7. Wer betreut die Trainees?
- 8. Wie viel verdienen Trainees?
- 9. Wann wird über die Zielposition entschieden?
- 10. Wie sind die Chancen nach dem Programm?
Trainees erhalten früh einen guten Überblick über das gesamte Unternehmen und profitieren von einem dichten Netzwerk an Kontakten. Das erleichtert nicht nur den Einstieg, sondern ist auch eine ausgezeichnete Basis für die weitere Karriere. Wir beantworten die wichtigsten Fragen, die sich künftigen Trainees stellen.

1. Was ist ein Traineeprogramm?
Für viele Absolventinnen und Absolventen ist der Direkteinstieg der logische Weg ins Berufsleben. Schließlich wurden sie an der Hochschule und in Praxisphasen gut ausgebildet. Für Bewerber:innen, die schon relativ genau wissen, auf welcher Position sie starten wollen und welche weiteren Karrieremöglichkeiten sie anstreben, ist dies auch eine gute Entscheidung. Nach dem Einstieg warten auf sie klar umrissene Aufgaben und Verantwortungsbereiche.
Traineeprogramme funktionieren anders – und auch dafür gibt es gute Gründe. Trainees wechseln während ihres Einarbeitungsprogramms regelmäßig die Abteilungen. In meist mehrmonatigen Stationen lernen sie verschiedene Bereiche im Unternehmen kennen. Traineeships sind deshalb vor allem für Kandidat:innen geeignet, die noch nicht unbedingt auf ein bestimmtes Fachgebiet festgelegt sind und sich besonders für die Zusammenhänge in einem Unternehmen interessieren. Gerade gut ausgebildete Hochschulabsolvent:innen, die trotz (oder wegen) ihres Wissens und einiger Praktika noch nicht sicher sind, in welche Richtung sie sich entwickeln möchten, können sich hier einen guten Überblick über das Unternehmen und die Karrieremöglichkeiten verschaffen.
Was wie ein zusätzlicher Umweg während des Einstiegs wirken könnte, lohnt sich langfristig. Der Einsatz in verschiedenen Geschäftsbereichen – und manchmal auch Ländern – lässt die Trainees das Geschäft von Grund auf kennenlernen. Sie werden schnell mit dem gesamten Unternehmen und seinen wichtigsten Schnittstellen vertraut und können ein unternehmensweites persönliches Netzwerk knüpfen, das weit über die Grenzen einer Abteilung hinausreicht. Auf diese Weise entwickeln die Trainees schon früh einen Blick für bereichsübergreifende Themen und Synergien.
2. Wie lange dauert ein Traineeprogramm?
Traineeprogramme dauern typischerweise zwölf bis 24 Monate. Das ist eine gute Spanne, um unterschiedliche Bereiche, Abteilungen und Niederlassungen des Unternehmens kennenzulernen, in verschiedenen Abteilungen Kontakte zu knüpfen und zusätzliche Off-the-Job-Trainings wahrzunehmen.
Ist das Programm kürzer als ein Jahr, ist Vorsicht geboten. Trainees können sich zwar in einigen Monaten in ihre Projekte einarbeiten. Wer sich für ein solches Programm interessiert, sollte aber prüfen, ob es noch einen umfassenden Überblick über das Unternehmen und Trainings bietet, denn die Bezeichnung „Traineeprogramm“ ist nicht geschützt. Ein mehr als 18-monatiges Programm spricht für eine intensive Ausbildung. Es sollte dann aber auch deutlich werden, wo der Mehrwert für die Trainees liegt.
3. Wie viele Stationen umfasst ein Programm?
Die Trainees sollen während des Programms nicht nur mit der späteren Zielposition, sondern mit möglichst vielen Bereichen des Unternehmens vertraut gemacht werden. Deshalb durchlaufen sie meist etwa drei bis sechs Stationen in den verschiedenen Abteilungen, die je nach Struktur des Programms circa drei bis sechs Monate dauern. Alle Facetten einer Firma kennenzulernen, hilft nicht nur auf einer späteren Führungsposition. Auch wenn auf das Traineeprogramm eine Fachlaufbahn folgt, vereinfacht es die tägliche abteilungsübergreifende Zusammenarbeit, schon Hintergrundwissen über die verschiedenen Abteilungen gewonnen und Kontakte geknüpft zu haben.
Die in den einzelnen Stationen gewonnenen intensiven Kontakte – vielleicht auch in verschiedenen Firmenniederlassungen oder im Ausland – ermöglichen es den Trainees fast von selbst, sich früh ein Netzwerk aus Expertinnen und Experten in den einzelnen Abteilungen aufzubauen. Auf ihr Netzwerk können sie auch nach Abschluss des Programms zugreifen – gerne auch mal informell statt auf dem Dienstweg.
4. Wie werden Trainees geschult?
Wer mehrere Abteilungen in einem Unternehmen durchläuft, erlebt bereits ein intensives Training „on the Job“. Ergänzt wird dies durch begleitende Schulungen. Workshops, Fachseminare, Soft-Skills-Trainings, Sprachkurse oder E-Learning-Angebote sind regelmäßig in die Programme integriert. Hier lernen die Trainees, was sie für ihre weitere Karriere im Unternehmen benötigen, sich aber nicht einfach in den einzelnen Stationen aneignen können.
Ein positiver Nebeneffekt der Schulungen: Sie bieten eine gute Möglichkeit, Kontakte zu Trainees und Mitarbeitenden auch außerhalb der zu durchlaufenden Stationen oder sogar in anderen Unternehmen zu knüpfen. So wird der Netzwerkcharakter der Traineeprogramme auch auf diesem Weg gestärkt.
5. Fach- oder Führungslaufbahn?
Vorreiter bei den Traineeships waren zunächst Banken und Versicherungen, die Programme richteten sich in erster Linie an Wirtschaftsabsolvent:innen. Das Ziel war ursprünglich, qualifizierte Talente mit Hochschulabschluss in einer breit und generalistisch angelegten Ausbildung auf eine Managementlaufbahn einzustimmen.
Inzwischen sind die Programme in allen wichtigen Branchen etabliert. Dabei sind die Traineeships heute oft schlanker konzipiert und bereiten auf eine verantwortliche Position in einer Fachabteilung vor. Das prozessübergreifende Wissen, das sich die Trainees während ihres Einarbeitungsprogramms aneignen, können sie später auf ihrer Zielposition auch in ihre Abteilung hineintragen. Die bereichsübergreifende Form der Trainee-Ausbildung ist deshalb kein Widerspruch zu einer späteren Laufbahn in einer Fachabteilung.
Während die generalistische Ausbildung sich darauf konzentriert, die Zusammenhänge und Komplexität der Konzernstrukturen zu vermitteln, richten sich die fachspezifischen Programme stärker an Talente, die sich bei der Wahl ihres künftigen Fachbereichs bereits sicher sind. Typisch bleibt in beiden Varianten, dass die Trainees während des Programms eine bestimmte Zahl von Abteilungen durchlaufen, um so einen Überblick über das gesamte Unternehmen und seine Abläufe zu erhalten.
6. Welche Fachrichtungen sind gefragt?
Traineeprogramme galten früher eher als Domäne von Wirtschaftsabsolvent:innen, die auf ihre künftige Rolle in der Unternehmensführung vorbereitet wurden. Doch auch für technisch orientierten Nachwuchs ist der Direkteinstieg nicht mehr der alleinige Weg nach oben. Traineeprogramme für Absolvent:innen von IT-, ingenieur- oder naturwissenschaftlichen Studiengängen haben sich vor allem dort etabliert, wo für die künftige Rolle bereichsübergreifendes Wissen und interdisziplinäre Fähigkeiten gefragt sind. Auch Social Skills lassen sich besser trainieren, wenn Technik-Talente häufiger die Abteilung wechseln und nicht direkt in einer Fachabteilung starten.
Teilweise bilden die Unternehmen Technik- und Wirtschaftstalente im selben Traineeprogramm aus. So bekommen die technisch ausgebildeten Nachwuchskräfte die kaufmännischen Aspekte mit, die Wirtschaftsexpert:innen profitieren wiederum vom Austausch mit den Technikspezialist:innen. Das entspricht auch dem generalistischen Ansatz der Einstiegsprogramme sowie dem Ziel, ein gutes gegenseitiges Verständnis für die Prozesse im Unternehmen über Abteilungsgrenzen hinweg zu erreichen.
7. Wer betreut die Trainees?
Traineeships sind ausgesprochen abwechslungsreich, das macht sie aber auch anspruchsvoll. Deshalb sollte den Trainees eine erfahrene Führungskraft als Mentorin oder Mentor zur Seite stehen. Auch in den einzelnen Stationen sollte es immer feste Ansprechpersonen geben, die für die Trainees verantwortlich sind und ihnen für ihre Fragen zur Verfügung stehen. Regelmäßige Feedback-Gespräche fördern zudem die fachliche und persönliche Weiterentwicklung und geben Orientierung über die weitere Entwicklung und Perspektiven im Unternehmen. Ein Wechsel der Station im Unternehmen ist für die jungen Talente schließlich so herausfordernd wie ein „richtiger“ Jobwechsel – mit neuen Aufgaben, Kolleg:innen und einer neuen Organisationsstruktur. Feste Ansprechpersonen helfen zudem bei persönlichen Problemen, die während eines intensiven Programms auch einmal auftreten können.
Bewährt haben sich außerdem Buddy- oder Patenmodelle. Hier werden Trainees von Kolleg:innen begleitet, die selbst vor nicht allzu langer Zeit ein Traineeprogramm im Unternehmen absolviert haben. Sie können sich besonders gut in die Situation der neuen Trainees hineinversetzen und ihnen mit persönlichen Tipps weiterhelfen.
8. Wie viel verdienen Trainees?
Die an Trainees gezahlten Gehälter unterscheiden sich zum Teil enorm. Vor allem zwischen den einzelnen Branchen sind die Differenzen groß. So können Berufseinsteiger:innen insbesondere bei den Schwergewichten aus dem Finanzsektor oder der Chemie- und Pharmabranche auf Jahresgehälter über 50.000 Euro hoffen. In den Bereichen Maschinenbau, Versicherungswirtschaft, Energiewirtschaft, Elektrotechnik, Kfz-Zulieferer und Bauingenieurwesen sind 45.000 Euro und mehr drin. In Bereichen wie Werbung oder Tourismus müssen sie sich dagegen häufig mit etwa 23.000 Euro begnügen. Damit bewegen sie sich eher auf dem Niveau der dort üblichen Gehälter für Volontäre – und die Frage ist, ob das Traineeprogramm wirklich seinen Namen verdient.
Meist fällt das Gehalt für Trainees etwas niedriger aus als für Direkteinsteiger:innen. Bei der weiteren Gehaltsentwicklung dürften die Vorteile eines Traineeprogramms – der bereichsübergreifende Überblick über das Unternehmen und die frühe Vernetzung mit den Führungsebenen – den Abstand gut wettmachen.
9. Wann wird über die Zielposition entschieden?
Traineeprogramme sind unterschiedlich konzipiert. In offeneren Varianten kristallisiert sich die spätere Position erst mit dem Durchlauf durch die verschiedenen Abteilungen heraus. Hier hängt die weitere Entwicklung stärker von den Feedback-Gesprächen mit den Mentor:innen oder den Ansprechpersonen in den einzelnen Abteilungen ab. Häufig können die Trainees dann auch eigene Präferenzen bei der Wahl einzelner Stationen oder Unternehmensstandorte im In- und Ausland einbringen und ihr Programm auf diese Weise mitgestalten. Gerade gut ausgebildete Talente, die trotz (oder wegen) ihres Wissens und einiger Praktika noch nicht sicher sind, in welche Richtung sie sich entwickeln möchten, können sich so einen Überblick über das Unternehmen und die Karrieremöglichkeiten verschaffen.
Andere Programme sind von vornherein klar mit einer konkreten Zielposition verknüpft. Dies ist besonders bei enger auf eine bestimmte Fachlaufbahn fokussierten Traineeships der Fall, etwa für den Vertrieb oder den Einkauf. Dann ist wichtig, dass das Programm dennoch einen guten Überblick über das Unternehmen weit über den Einstiegsbereich hinaus vermittelt.
10. Wie sind die Chancen nach dem Programm?
Zwar bietet nicht jedes Unternehmen seinen Trainees von Anfang an einen unbefristeten Vertrag. Doch die Organisation eines Traineeprogramms ist anspruchsvoll und mit einem hohen Aufwand verbunden – das gilt für beide Seiten. Wie die Karriereperspektiven nach Abschluss des Traineeships aussehen, sollte deshalb schon zu Beginn eines Programms klar und transparent sein. Das heißt, es sollte konkrete Aussichten auf eine spätere Festanstellung und entsprechend definierte Schritte und Feedback-Gespräche geben.
Auch mit einem befristeten Vertrag haben die Trainees bei einem qualitativ hochwertigen Programm dann sehr gute Übernahmechancen. Denn ein durchkonzipiertes Traineeprogramm bindet organisatorische Ressourcen und ist teuer – deshalb liegt es auch im Interesse der Arbeitgeber, die gut ausgebildeten Nachwuchskräfte im eigenen Unternehmen zu halten und nicht zur Konkurrenz ziehen zu lassen.







