Alles kennenlernen oder gleich durchstarten – Traineeprogramme und der Direkteinstieg bieten Absolvent:innen ganz unterschiedliche Vorteile für den Start in die berufliche Karriere. Während der Direkteinstieg meist mit früher Verantwortung verbunden wird, steht das Traineeprogramm für einen sanfteren Umstieg von der Ausbildung ins Berufsleben. Unser Artikel zeigt, was die verschiedenen Einstiegsformen auszeichnet und zu wem welcher Start am besten passt.

Trainee bei der Arbeit
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„Für mich konnte es anfangs gar nicht zu schnell gehen. Mir war schon immer klar, dass ich direkt nach dem Studium voll und ganz in das Arbeitsleben einsteigen wollte“, sagt Lena Artner, die nach ihrem Bachelor-Abschluss beim Lebensmitteleinzelhändler BILLA startete. Dort ist sie als „Junior Brand & Communication Managerin Eigenmarken“ beschäftigt, nachdem sie zuvor ihr Studium „Information, Medien & Kommunikation“ an der Fachhochschule Burgenland abgeschlossen hat. Nach geeigneten Einstiegspositionen hielt sie bereits als Studentin Ausschau, ihre spätere Stelle entdeckte sie im Internet. „Besonders gereizt hat mich der breit gefächerte Aufgabenbereich. Ich habe auf der Position die Möglichkeit, sowohl bei Brand-Management-Themen als auch im Online-Bereich mitzuwirken.“

Thomas Oberleitner, Specialist Talentmanagement bei BILLA, nennt einige Vorteile, die es hat, nach dem Studium unmittelbar auf einer festen Position einzusteigen: „Mit einem direkten Einstieg nach dem Studium kann man bei BILLA rasch Verantwortung übernehmen und sich schnell in die gewünschte Position entwickeln. Außerdem ist das Gehalt am Anfang meist ansprechender.“ Ein Nachteil gegenüber einem Traineeprogramm ist die kürzere Einarbeitung, die meist „on the Job“ stattfindet. „Von Direkteinsteiger:innen werden deshalb zumeist jobspezifische Vorerfahrungen und Kenntnisse erwartet, zum Beispiel durch Praktika oder Studieninhalte. Trainees haben dagegen eine klarere Struktur in der Ausbildung“, so Thomas Oberleitner.

Verschiedene Rollen ausprobieren

Coworking-Meeting
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Soniz Akin wählte zunächst ebenfalls den Direkteinstieg für den Start ins feste Arbeitsleben. Zuvor hatte sie „Internationale Betriebswirtschaft“ an der Universität Wien studiert und begann anschließend ihre berufliche Laufbahn bei einem Immobilienkonzern. „Ich merkte aber irgendwann, dass mir das noch etwas zu wenig war. In einem Traineeprogramm kann man verschiedene Rollen ausprobieren und sich über seine spätere Zielposition im Klaren werden.“ Da manche Traineeprogramme einen Master voraussetzen, entschied sie sich, berufsbegleitend das MA-Studium „Financial Management & Controlling“ an der FHWien der WKW zu absolvieren.

Während ihres Master-Studiums wurde Soniz Akin auf das Traineeprogramm von Siemens Austria aufmerksam. Als sie mitbekam, dass ein Kommilitone dort als Trainee begonnen hatte, wurde ihr Interesse noch größer: „Er hörte nicht auf, vom Programm zu erzählen und zu schwärmen. Da war mein Entschluss klar: Ich musste mich auch bewerben.“

Intensives Networking für Trainees

Geschäftsfrau im Büro
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Typisch für ein Traineeprogramm ist der Wechsel zwischen vorher festgelegten Abteilungen, um das gesamte Unternehmen und seine Abläufe kennenzulernen. Eine Station im Ausland gehört häufig dazu. Viel Wert gelegt wird außerdem auf eine individuelle Betreuung, regelmäßige Schulungen und Coachings sowie intensives Networking, von dem die Trainees auch noch lange nach Abschluss ihres Programms profitieren. Durch die Wechsel der Abteilungen im Unternehmen entwickelt sich das Netzwerk fast von selbst.

Die Entscheidung über die Zielposition fällt häufig erst im Verlauf des Programms. Dies gilt auch für das zweijährige „Siemens Österreich Traineeprogramm“. „Die Position nach dem Traineeprogramm steht beim Einstieg noch nicht fest. Aufgrund der Rotation durch die verschiedenen Stationen können sowohl Trainee als auch das Unternehmen feststellen, welche Positionen nach dem Programm die geeignetsten sind“, erläutert Natascha Edwards, die das Programm bei Siemens als Trainee Coordinator betreut.

Das Traineeprogramm bei Siemens Österreich richtet sich an Absolvent:innen wirtschaftlicher und technischer Studienrichtungen. Entscheidende Vorzüge eines Traineeprogramms sind für Natascha Edwards, das Unternehmen aus verschiedenen Blickwinkeln kennenzulernen – auch im internationalen Kontext –, vielfältige und wechselnde Herausforderungen anzunehmen, rasch ein eigenes Netzwerk aufzubauen sowie das enorme Lernpotenzial, das solch ein Programm bietet.

Junge Frau am Arbeitsplatz
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Direkteinstieg: Schnell Fachexpertise entwickeln

Beim Direkteinstieg profitieren die Nachwuchskräfte laut Natascha Edwards von der Stabilität in der Einstiegsphase, der Entwicklung einer einschlägigen Fachexpertise und dem Kennenlernen des komplexen Projektgeschäfts in ihrem angestammten Bereich. „Den Direkteinstieg bieten wir für sämtliche Berufsgruppen an, etwa im Engineering, Project Management, Procurement oder Manufacturing. Unser Ziel ist auch hier, motivierte und lernbereite neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stetig weiterzuentwickeln“, betont die Personalexpertin.

Talente, die via Direkteinstieg ins Berufsleben starten, wissen von Anfang an, welche Position im Team sie erwartet. Aufgaben und Verantwortung sind von Beginn an klar umrissen. Praktische Arbeiten und eigene Projekte können die Berufsstarter:innen oft nach einer kurzen Einarbeitungsphase übernehmen, da sie anders als die Trainees nicht regelmäßig die Abteilungen wechseln. „Mir wurde sofort großes Vertrauen entgegengebracht und ich konnte direkt mit meinem ersten Projekt starten“, berichtet Lena Artner von ihrem Start bei BILLA. „Für mich war natürlich vieles sehr neu und vor allem am Anfang braucht es Zeit und Geduld. Doch dank meiner Kolleginnen und Kollegen gestaltete sich mein Einstieg wirklich einfach. Mein Studium hat mir zwar in vieler Hinsicht geholfen und mich auf den Einstieg in das Berufsleben vorbereitet, doch das meiste lernt man immer noch in der Praxis, ganz nach dem Motto ‚Learning by doing‘“, so die 25-Jährige.

Intensive branchenspezifische Ausbildung

Für Thomas Oberleitner eignet sich der Direkteinstieg vor allem für Absolvent:innen, die genau wissen, in welcher Abteilung oder Position sie gerne arbeiten möchten, und denen schon ein bestimmtes Berufsbild und vielleicht sogar ein spezifischer Karriereweg vorschwebt. „Ein Traineeprogramm hingegen bietet neben einer stärkeren Orientierung auch eine engere Begleitung bei branchenspezifischen Ausbildungen“, stellt der HR-Specialist fest.

BILLA bietet Traineeprogramme für künftige Vertriebsmanager:innen im Vertriebsaußendienst und Frischemanager:innen in den Regionen an. „Hier ist es essenziell, das Basis-Geschäft in unseren Märkten von Grund auf zu lernen und die Herausforderungen der verschiedenen Standorte und Filialgrößen zu verstehen. Unsere Trainees kommen während der Ausbildung direkt mit ganz unterschiedlichen Führungskräften und Mitarbeiter:innen im Markt, im Vertriebsaußendienst und in der Zentrale in Kontakt und können sich so bereits vor Gebietsübernahme ein rundes Bild von ihrer künftigen Position machen. Eine so intensive, branchenspezifische Ausbildung wäre mit einem Direkteinstieg schwer möglich“, erklärt Thomas Oberleitner. Ein neues Format ist das Traineeprogramm im Ressort Immobilien von BILLA. Auch hier sollen die Trainees Einblicke in die verschiedenen Tätigkeitsbereiche erhalten, von der technischen Abteilung bis hin zum Energiemanagement.

Persönliche Betreuung

Traineeships sind ausgesprochen abwechslungsreich, das macht sie aber auch anspruchsvoll. Deshalb sollte den Trainees eine erfahrene Führungskraft als Mentorin oder Mentor zur Seite stehen. Auch in den einzelnen Stationen sollte es immer feste Ansprechpersonen geben, die für die Trainees verantwortlich sind und ihnen für ihre Fragen zur Verfügung stehen. Regelmäßige Feedback-Gespräche fördern zudem die fachliche und persönliche Weiterentwicklung. Wenn erst im Verlauf des Programms über die endgültige Zielposition entschieden wird, ist der regelmäßige Austausch über die weitere Entwicklung und Perspektiven im Unternehmen umso wichtiger. „Man muss sich einen Stationswechsel wie einen Jobwechsel vorstellen – mit neuen Kolleginnen und Kollegen, neuen Aufgaben und einer neuen Organisationsstruktur. Meine einzelnen Stationen waren sehr unterschiedlich, die ersten Wochen dienten immer zur Orientierung“, erinnert sich Siemens-Trainee Soniz Akin.

Bewährt haben sich außerdem Buddy- oder Patenmodelle. Hier werden Trainees von Kolleg:innen begleitet, die selbst vor nicht allzu langer Zeit ein Traineeprogramm im Unternehmen absolviert haben und die Situation noch gut kennen. Im Programm von Siemens Austria fördern verschiedene Elemente den systematischen Austausch unter den Trainees. „Beruflich sind das die jährlichen Traineeprojekte, in denen wir gemeinsam an einem Projektziel arbeiten, die jährliche Organisation eines Seminars zum Wissensaustausch oder monatliche Trainee-Jours-fixes. Aber auch privat tauschen wir uns bei verschiedenen Veranstaltungen oder Afterworks aus, die wir selbst organisieren“, so Soniz Akin.

Schulungen und Trainingsmöglichkeiten

Begleitende Schulungen zeichnen ein gutes Traineeprogramm ebenfalls aus. In Workshops, Fachseminaren, Soft-Skills-Trainings oder Sprachkursen lernen die Trainees, was sie für ihre weitere Karriere im Unternehmen benötigen, sich aber nicht „on the Job“ in den einzelnen Abteilungen aneignen können.

Soniz Akin lernte in einem intensiven Onboarding die Unternehmens- und Organisationstruktur kennen und konnte anschließend die ersten Aufgaben meistern. „Zusätzlich gibt es Seminare, an denen die Trainees gemeinsam teilnehmen, etwa zu den Themen Projektmanagement, Persönlichkeitsentwicklung oder Sales-Skills“, so die Finanzexpertin.

Einstiegsformen nähern sich an

Die grundsätzlichen Unterschiede zwischen den verschiedenen Einstiegsmöglichkeiten bleiben zwar bestehen. Dies gilt vor allem für die verschiedenen Abteilungen, die die Trainees durchlaufen, und den häufig stärker generalistischen Ansatz von Traineeprogrammen. Doch die Formen nähern sich an. Die früher sehr breit angelegten Traineeships bereiten nicht mehr zwingend auf eine Führungslaufbahn in der Zentrale vor, sondern sind heute oft schlanker konzipiert und stärker auf eine verantwortliche Position in einem bestimmten Bereich zugeschnitten. Gleichzeitig wird der Direkteinstieg häufiger von Förder- oder Mentoringprogrammen begleitet und durch Schulungen unterstützt – also Elementen, die ursprünglich typisch für Traineeships waren.

So bietet BILLA auch seinen Direkteinsteiger:innen Willkommenstage im eigenen Unternehmen und bei der Konzernmutter REWE an. „Hier lernen sie die unterschiedlichen Bereiche kennen. Sie bekommen einen Einblick in die Unternehmenskultur und strategische Schwerpunktthemen und können sich mit anderen neuen Kolleginnen und Kollegen vernetzen“, erläutert Thomas Oberleitner. Dazu gibt es für neue Mitarbeiter:innen in den ersten Wochen einen Einschulungsplan: „Wir haben einen breit gefächerten Ausbildungskatalog, aus dem unsere Nachwuchskräfte gemeinsam mit der Führungskraft relevante Seminare auswählen können. In den ersten Wochen werden auch unterschiedliche E-Learnings absolviert.“

Basis für die Karriere

Ob als Trainee oder Direkteinsteiger:in – das Wichtigste ist, dass die Grundlage stimmt. Ziel der Traineeprogramme von Siemens ist, „Nachwuchskräfte auszubilden, die sich auf lange Sicht in Schlüsselpositionen des Unternehmens etablieren und so zum Unternehmenserfolg erheblich beitragen“, erklärt Natascha Edwards.

Die 29-jährige Trainee Soniz Akin befindet sich aktuell in Verhandlungen über ihre künftige Zielposition bei Siemens. „Diese wird im ‚Commercial Project Management‘ angesiedelt sein. Ziel des Programms ist, eine fixe Stelle im Unternehmen mit einem bestimmten Verantwortungsbereich zu besetzen. Nach etwas mehr Berufserfahrung steht auch einer Führungsposition nichts im Wege, wie man bei unseren Alumni sehen kann.“ Und Lena Artner freut sich auf weitere spannende Projekte als Junior Brand & Communication Managerin im Lebensmitteleinzelhandel – „weil man dadurch am meisten lernt und wächst“.

Heinz Peter Krieger

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