GoVeto (Homepage) zeigt gesellschaftspolitische Entwicklungen auf vielfältigste Art und Weise auf und versucht, der breiten Öffentlichkeit das Nachdenken anzustoßen. Wir sprachen mit den Köpfen hinter GoVeto.

Was/wer ist GoVeto?
GoVeto setzt sich aus einer Gruppe junger Menschen zusammen, die versucht, die Schnittmenge ihrer unterschiedlichen Hintergründe, Interessensgebiete und individuellen thematischen Schwerpunksetzungen (aktivistisch) zu leben. Dazu gehört der Anspruch, ein recht breites Spektrum an Themengebieten einerseits, aber auch eine Varietät an Darstellungsmöglichkeiten andererseits zu bedienen, anzubieten, vor allem aber: Aufzuzeigen.

Wie „politisch“ seid ihr?
Niemand von uns gehört einer politischen Partei an und wir betonen diese Parteiunabhängigkeit in unseren Richtlinien, weil sie die wesentliche Grundlage für unser freies Arbeiten darstellt. Selbstverständlich haben wir persönliche politische Präferenzen, die zwangsläufig auch in den Beiträgen zum Ausdruck kommen, aber das ist eher eine menschliche Eigenschaft als eine GoVeto-spezifische. Unsere individuellen beruflichen Situationen stehen dem in keiner Weise entgegen, darüber hinaus halten wir es für ein Risiko, Unabhängigkeit mit Meinungslosigkeit zu verwechseln, denn wir haben dezidiert Meinungen und möchten diese in der Gesamtheit unserer Arbeit an jeder Stelle vertreten und repräsentieren, dazu gehört auch, sorgfältig ausgewählte Partnerschaften mit Gruppen einzugehen, die diese Überzeugungen teilen. Das spiegelt sich z.B. im Fall von EDRi – European Digital Rights – in der Kooperation bei wepromise.eu oder in der Zusammenarbeit mit der Initiative für Netzfreiheit bei savetheinternet.eu wieder. Ziel unserer Arbeit ist es, für die eigenen Werte und Überzeugungen einzustehen.

Die Beiträge und Themengebiete auf eurer Homepage sind sehr breit gestreut (Flüchtlingsproblematik, NSA, Snowden, Syrien- Ägyptenkonflikt…). Dennoch ist die Mehrheit eurer Beiträge eine (unkommentierte) Sammlung aus verschiedensten Artikeln der „klassischen“ Medienberichterstattung. Was hat es damit auf sich?
Das Modell der Artikelzusammenstellung zu verschiedenen Themen ist nur eine Möglichkeit, komplexe Inhalte „gefiltert“ darzustellen und soll als Antwort auf unsere Medienlogiken verstanden werden, d.h. eine Antwort auf unsere häufig eingefahrenen und einseitigen Wege der Informationsgewinnung, die sich durch den förmlichen Überfluss an Information in unseren „Informationsgesellschaften“ eingestellt hat. Ein weiterer Hintergedanke bei der Zusammenstellung von „Pressepaketen“ ist eine gewisse Unabhängigkeit im Gegensatz zu selbstprodzierten Beiträgen. Das Ideal sollte eine Mischung aus beidem sein, aber beispielsweise in der Überwachungsthematik ist es derzeit ja so, dass auch von manchen Mainstream Medien gute und kritische Inhalte produziert werden, diese wollen wir quasi „empfehlen“ und möchten die Akzeptanz, die gewisse Medien bei der Rezipierendenschaft genießen, dafür nutzen, größeren Anklang für unsere vertretene bzw. wiedergespiegelte Meinung zu generieren. Da jedoch selten ein Artikel mehr als einige Perspektiven einnehmen kann, haben wir uns für die Zusammenstellung ausgewählter Artikelpakete entschieden.  

Welchen Mehrwert ziehen LeserInnen daraus?
Durch eine Art gelenkten Pressespiegel bemühen wir uns, wesentliche Informationen zu einem Thema so aufzuarbeiten, dass die Leser- bzw. Leserinnen nach unseren „geschnürten Paketen“ einen differenzierteren Informationsgewinn und pointiertere Sichtweisen auf eine Thematik erlangen, die bewusst die Mainstream-Argumentation durch weitere Quellen zu ergänzen versucht.

Wie äußerst sich eure angesprochene „Varietät an Darstellungsmöglichkeiten“?
Die (audio-) visuelle Aufarbeitung von Thematiken ist ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit und langfristig soll auch die eigene Textproduktion mehr Raum erhalten. Mit der Zusammenstellung verschiedener Artikel haben wir versucht, unterschiedliche Aspekte zu einem Thema durch die Auswahl von vier oder fünf Beiträgen darzustellen.

Könnt ihr ein Beispiel nennen?
Welche historischen Wurzeln hat die flächendeckende Überwachung, die durch Snowden in aller Munde ist? Ein Thema, mit dem wir uns bereits seit mehreren Jahren auseinandersetzen. Welche historisch gewachsenen Absichten und wirtschaftlichen Interessen haben damit zu tun? Welche Rolle nehmen die nationalen Regierungen ein und welche Partnerschaften sind dafür verantwortlich? Welche Interessen werden im Nahen Osten durchgesetzt, die den Syrien-Krieg oder die Entwicklungen in Ägypten so komplex und schwer greifbar machen? Welche Verantwortung tragen westliche Regierungen und welche Feindbilder werden für welche Zwecke konstruiert? Was hat es auf sich mit dem geplanten Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA und vor welchen Vorzeichen werden die Verhandlungen geführt? Inwiefern werden Bürgerinnen und Bürger passiv gehalten und welche massiven Gefahren ergeben sich daraus? Bei all diesen Fragen ist uns ein Aspekt ganz besonders wichtig: Wie hängt das alles miteinander zusammen?

Versuch, „breitere Sensibilisierung der Öffentlichkeit“ herzustellen


An wen richten sich eure Beiträge?

Unsere Beiträge sollen dabei helfen, eine komplexe Thematik auch jenen differenziert zu vermitteln, die u.U. mit weniger Vorkenntnissen und Interesse einsteigen. Dadurch erhoffen wir uns einen alternativen Blick auf die behandelten Themengebiete zu erzeugen und langfristig eine veränderte Nachrichtenrezeption anzustoßen, um dadurch eine „breitere Sensibilisierung der Öffentlichkeit“ herzustellen.

An was scheitern europaweite Initiativen wie savetheinternet.eu?
Wir denken nicht unbedingt, dass savetheinternet.eu gescheitert ist (25.000 Klicks hatte sie zeitweise täglich) – es ist eine wichtige und engagierte Initiative, die sich im Europäischen Parlament tatsächlich Gehör verschaffen konnte und so konnte beispielsweise eine geplante Abstimmung am Montag, 24.02. auf Drängen der Konservativen verschoben werden, was prizipiell kein schlechtes Zeichen für den Effekt der Kampagne ist. Ein Blogbeitrag dazu hier.

Was kann/muss sich somit an derartiger Kampagnenarbeit ändern?
Die Gefahr bei vielen Kampagnen besteht unserer Ansicht nach darin, nur einen kleinen Kreis von (ohnehin bereits überzeugten) Menschen zu erreichen. Es sollten vielmehr anschlussfähige Konzepte verfolgt werden um einen leichten Einstieg ins Thema zu ermöglichen, damit auf Anhieb verstanden wird, warum das Anliegen einer Kampagne wichtig für die eigene Lebensrealität ist. Gleichzeitig verhindern einige Initiativen ihren Erfolg, indem sie sich nicht mit ähnlichen Bemühungen zusammenschließen, weil der thematische Schwerpunkt nicht 100 Prozent identisch ist, jedoch würden sich viele solcher Kampagnen sinnhaft ergänzen und auf diese Weise eventuell einen größeren Impact schaffen.

Zum Beispiel?
Beispielsweise Initiativen und Gruppierungen, die sich gegen das Freihandelsabkommen der EU mit den USA (TTIP) aussprechen – die Einen kämpfen gegen Gen-Mais und Chlohrhühnchen, die Nächsten betonen die Gefahr für den Datenschutz, die Dritten sehen große Gefahren im Bereich der Pharmazeutika auf sich zukommen und wieder andere betonen die schlechten Sozialstandards der Beschäftigten in den USA. Es ist kontraproduktiv, wenn ein derartiger Kampf kleinteilig und aus unterschiedlichen Ecken geführt wird, ohne die Argumente zusammenzuführen, die Aktivitäten zu bündeln und gemeinsam den Blick für das große Ganze und dessen Zusammenhänge zu schaffen. Das ist vermutlich eine große Schwachstelle vieler Kampagnen, die trotz wichtiger Ansätze im Sand verlaufen, einfach weil sie es nicht geschafft haben, ihre Anliegen mehrheitsfähig zu etablieren.

Eure Kampagnen bzw. jene, die ihr unterstützt laufen ausschließlich digital. Welche eventuellen Gefahren birgt „das Internet“ und wie wirkt ihr ihnen entgegen?
Die Gefahr im Digitalen Bereich ist natürlich besonders groß, weil dieser so „neu“ und damit so abstrakt daher kommt, was ihn schwer greifbar macht. Umso wichtiger ist es, gerade in diesem Bereich Gemeinschaften zu bilden und so Menschen bei ihren jeweiligen Lebensumständen, Vorkenntnissen und Einstellungen abzuholen, um die Brisanz der Entwicklungen zu verdeutlichen.

Und wie schafft ihr das?
Es geht darum, was auch wir als GoVeto als unsere „Grundphilisophie“ und unser Grundanliegen verstehen: Es geht darum, Zusammenhänge herzustellen und Dinge in Kontexte einzubetten. Ein Versuch sind eigene Texte, ein anderer eigene Aktionen und Videoproduktionen oder bereits angesprochene „Informationspakete“ aus vorhandenem Medienmaterial und aktuell bemühen wir uns darum, diese Anliegen in einer Kampagne (wepromise.eu) umzusetzen, die auf die Bedeutung der wohl mit Abstand wichtigsten Wahl bis 2018 abzielt.

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