Die Hochschulkonferenz hat in ihrer gestrigen Sitzung (10.07.) die inhaltlichen und finanziellen Bemühungen des Landes Oberösterreich zur Stärkung des Hochschulstandortes Linz ausdrücklich begrüßt, sie aber an bestimmte Voraussetzungen gebunden.

Neben den drei staatlichen Medizin-Universitäten in Wien, Graz und Innsbruck und der PMU Privatuniversität in Salzburg, soll es in Zukunft auch eine Medizin-Fakultät in Linz geben. Die Zustimmung von Seiten der Regierung und vor allem des Landes Oberösterreich ist dem Projekt sicher, Experten äußern aber Bedenken. So stimmten die neun Mitglieder der Hochschulkonferenz zwar einstimmig zu, stellten aber gleichzeitig die Bedingung für zusätzliche Mittel für Forschung und die Universitäten an sich. Wissenschaftsminister Töchterle meinte in einer Aussendung, dass die Einrichtung einer medizinischen Fakultät an der JKU Linz nur dann befürwortet werden kann, wenn mit der Bundesregierung gleichzeitig eine Vereinbarung beschlossen wird, dass in der nächsten Gesetzgebungsperiode zusätzliche Mittel für Universitäten ab dem Jahr 2016 zumindest zur Abdeckung der laufenden Kostensteigerungen bereitgestellt werden und umgehend ein neuer Fachhochschulentwicklungs- und -finanzierungsplan beschlossen wird.

„Es ist gut, dass die Bundesregierung erkennt, dass der Ausbau von Universitäten möglich ist, wenn alle an einem Strang ziehen“, kommentiert Viktoria Spielmann vom ÖH-Vorsitzteam das Ergebnis. Uniko-Präsident Heinrich Schmidinger meinte noch vor Tagen: „Man löst weder den Mangel an Landärzten noch die Abwanderung von Medizinern ins Ausland mit einer Medizin-Fakultät. Das löst man mit einer Turnus-Reform und durch bessere Bezahlung.“ Kritik kommt auch von Erhard Busek, Unirats-Vorsitzender der Med-Uni Wien: „Wir bedauern nicht nur das Fehlen jeglicher sachlicher Diskussion über einen künftigen Medizinischen Universitätsstandort Linz, wir sind darüber vielmehr in höchstem Maße entrüstet.“ Und Busek weiter: „Alle Entscheidungen des Bundes in dieser Angelegenheit seien auf rein politischer Ebene, einerseits durch den Druck oberösterreichischer Ministerinnen und Minister, andererseits durch den Druck der nahenden Nationalratswahlen am 29. September, gefallen.“

Damit genügend Ärztinnen und Ärzte in Österreich zur Verfügung stehen, hat die EU Kommission bekanntlich einer Quote bis 2016 zugestanden. Somit sind 75% der 1.500 Studienplätze österreichischen Medizinstudierenden vorbehalten. „Wird die Anzahl der jährlich angebotenen Studienplätze durch einen weiteren Standort erhöht, gefährdet dies die Quote“, so der Betriebsrat für das wissenschaftliche Personal an der Med Uni Graz. Österreich wird gegenüber Brüssel argumentieren müssen, warum es nun 1.800 Studienplätze braucht und trotzdem den Zugang deutscher Studierender limitieren will. Ähnlich wie Schmidinger argumentiert auch die Med Uni Graz „Die Abwanderung von Ärztinnen und Ärzten aus Österreich liegt nicht an mangenden Studienplätzen, sondern an unattraktiven Arbeitsbedingungen in Spitälern und Landarztpraxen.“

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