BÜCHERBÖRSE

Jennifer Rostock im Interview

Christoph, Joe und Jennifer im Interview (c) Elisabeth Voglsam
Christoph, Joe und Jennifer im Interview

Im Zuge ihres Aufenthaltes in Wien haben wir Jennifer Rostock zum Interview im 25hours Hotel getroffen. Die Berliner Band veröffentlicht ihr mittlerweile fünftes Album Schlaflos am 17. Januar 2014. Am 29. Januar spielen sie in der Arena Wien. Jennifer, Joe und Christoph gaben Auskunft über ihre neue Platte, die kommende Live-Tour und ihre Pläne für das Jahr 2014.

Ihr habt ja euer letztest Studioalbum in New Jersey aufgenommen, euer aktuelles Album Schlaflos auch wieder dort. Was hat euch denn dazu gebracht, wieder in den USA aufzunehmen? Weil es damals einfach so gut geklappt hat?

Jennifer: Genau deswegen. Never Change A Winning Team, sag‘ ich nur. Wir waren immer schon ein eingespieltes Team. Wir wussten wie es funktioniert. Wir wussten, wann wir anfangen, wann wir aufhören. Das hat alles viel flüssiger gemacht. Man kann einfach immer mehr so sein, wie man ist, weil man sich dort mittlerweile so wohlfühlt.
Joe: Es war war wie beim letzten Album wieder eine super Zusammenarbeit mit Chris und John (Produzententeam). Chris wusste, wie wir ticken, wir wussten, wie er tickt und man wusste, was so die Stärken und Schwächen des Anderen sind. Obwohl wir diesmal kürzer dort waren, konnten wir viel mehr rausholen

Sprachbarrieren gibt es mittlerweile auch nicht mehr?

Jennifer: Gab’s auch vorher nicht.
Christoph: Wir haben jetzt extra Englisch gelernt. (lacht)
Jennifer: Wenn wir Englisch sprechen müssen, können wir das alle ganz gut und wir können uns auf jeden Fall verständigen. Das gute beim Gesang ist, dass wir das einfach durchsprechen. Chris hat das Gespür dafür, was man aussagen will und dann achtet er nur noch darauf, ob das auch so rüberkommt.
Joe: Während wir noch auf Aussprache und Verständlichkeit achten, hört Chris auf das Gefühl und auf das Timing. Dadurch ist er fast losgelöst von der Sprache und das ist am Ende wieder ein Vorteil, dass er die Sprache eigentlich nicht spricht, die wir da singen.

Beim letzten Album habt ihr gesagt, dass ihr bei der damaligen Aufnahme noch nie so sehr Jennifer Rostock wart. Ist also auf "Schlaflos" noch mehr Jennifer Rostock drauf?

Joe: Das war gelogen, wir sind’s jetzt noch mehr. (lacht)
Jennifer: So ein Album ist eine Momentaufnahme. Wenn man das letzte Album besser fänden würde, als das, was man jetzt gemacht hat, wäre es ein bisschen komisch. Man entwickelt sich immer weiter. Jetzt wollen wir natürlich, dass dieses Album das Beste ist. (lacht)

Ihr habt das neue Album „Schlaflos“ genannt. Hat das damit zu tun, dass ein Song so heißt oder stand der Albumtitel schon vorher fest?

Joe: Nein, der Albumtitel war wie immer das Letzte. Das ist bei uns ja immer so, dass wir bis zum Ende nicht wissen, wie wir es nennen sollen. Wir hatten einfach die Songs geschrieben und „Schlaflos“ war wirklich der allererste Titel, der entstanden ist. Aber bis zum Ende hin war nicht klar, dass wir das Album so nennen werden. Am Ende haben wir gesehen, dass es in vielen Songs um dieses Thema geht. In ganz vielen Texten geht es um diese Schlaflosigkeit, sei es das Im-Bett-liegen und nicht schlafen können oder das Um-die-Häuser-ziehen und nicht schlafen wollen. Und deswegen war es unausweichlich, dass wir das Album so nennen.
Jennifer: Anfangs fanden wir den Titel ein bisschen zu negativ. Weil wenn man den Titel hört, denkt man in erster Linie immer daran, dass man im Bett liegt und nicht schlafen kann. Und dann hatten wir das Fotoshooting in New York und die Bilder, die da rausgekommen sind. waren wahnsinnig toll. Wir fanden die total super. Und genau das Bild, das jetzt auch auf dem Cover ist, ist so ein bisschen die andere positive Seite von schlaflos sein.

Welcher Song der neuen Platte ist für euch denn der bedeutendste?

Jennifer: Für mich am Bedeutungsvollsten ist auf jeden Fall „Ein Schmerz und eine Kehle“.
Joe: Ja, für mich auch. Was aber nicht heißt, dass er mein Lieblingssong ist.
Jennifer: Dieser Song hat einfach so einen persönlichen Bezug  und ein Thema, das uns allen am Herzen liegt und uns aufgewühlt hat.

Wenn man sich das Album durchhört, ist auch der Song „Ein Schmerz und eine Kehle“ ein Song, der am stärksten heraussticht. Habt ihr euch auch deshalb dazu entschieden, dieses Lied als erste Single heraus zu bringen?

Joe: Es war im Vorhinein erstaunlicherweise allen Beteiligten klar, dass dieser Song die erste Single werden wird. Was komisch ist, weil er eben so sehr heraussticht, oder eben gerade deswegen, weil er so heraussticht und weil er so anders ist.
Jennifer: Ja, der Song ist schon sehr anders, aber trotzdem Jennifer Rostock.

Beim Durchhören vom Album ist mir ein weiter Song besonders aufgefallen: „Kein Bock aber Gästeliste“ – Ist dieses Lied eine musikalische Antwort auf die Leute, die euch immer nachsagen, dass ihr „kommerz“ seid und dass euch das Image am wichtigsten sei. Kann man den Song so deuten?

Joe: Das stimmt, da hast du Recht. Das ist schon eine Antwort in diese Richtung. Aber auch ein Statement, das sagen soll, dass alle Leute labern sollen, wie sie wollen. Wir sind happy mit unserer Situation, wie sie ist. Wir spielen Konzerte und die Leute kommen hin und haben Bock auf die Musik. Und das alles, obwohl wir nie den wirklichen Hit hatten, der im Radio lief. Wir waren nie ganz klar Mainstream oder ganz klar Indie. Vielleicht ist das so eine Nische dazwischen, die funktioniert. Aber es funktioniert und darüber sind wir froh. Wir haben uns nie über Imagefragen oder Marktpositionierung Gedanken gemacht. Wir haben einfach immer Musik gemacht.
Jennifer: Wir machen alles, wo wir denken, dass es Spaß machen könnte. Und damit sind wir ganz gut gefahren bis jetzt. (lacht)

Auf dem Song „Kein Bock aber Gästeliste“ habt ihr ja auch Featurings, wie Madsen, Grossstadtgeflüster oder MC Fitti drauf. Wie kam es denn zu dieser Zusammenarbeit?

Joe: Das sind halt alles Freunde von uns. Dann haben wir angerufen und gefragt und die hatten Bock drauf.
Jennifer: Wie haben halt keine Lust uns mit irgendwelchen Leuten zu treffen um erst einmal warm mit denen zu werden. Deswegen sollte schon ein Bezug da sein.

Was hat euch denn dazu gebracht, nicht „nur“ ein einfaches Album zu veröffentlichen, sondern auch eine Remix-CD und eine Unplugged-CD gleichzeitig zu veröffentlichen?

Joe: Wir wollten einfach wieder eine limitierte Deluxe-Version für die Fans machen, wo man den Leuten wieder mehr mitgeben kann, als nur die CD. So andere Versionen geben den Songs einfach noch einmal ganz etwas Neues. In der Unplugged-Version werden die Songs nochmal ganz anders.
Jennifer: Bei den Remixen klingt das dann auch alles nochmal ganz anders. Da sind halt Leute dabei, die aus einem ganz anderen Kontext kommen. Mit Elektro haben wir jetzt nicht so wahnsinnig viel zu tun. Das gibt dem Ganzen auch noch einmal einen ganz anderen Touch und auf einmal entsteht ein Song, wo man sich denkt, dass das ein geiler Clubsong ist.
Christoph: Die anderen Künstler interpretieren die Songs auch nochmal ganz anders. Und das macht uns selbst Spaß, weil man die Songs zurückbekommt in einem Sound, womit man selber gar nicht gerechnet hat. Bei vielen anderen Bands ist diese Deluxe-Version auch oft eine Verarsche am Fan. Dann gibt es von den ganzen Songs nochmal die Instrumentals und das Album auf Vinyl. Bei uns gibt’s halt auch was für das Geld.
Jennifer: Wir wollen natürlich viel musikalischen Inhalt liefern. Und das sollen die Fans auch sehen. Sie sollen sehen, dass wir uns nicht sechs Monate auf die faule Haut gelegt haben, sondern dass wir die ganze Zeit immer gearbeitet haben.

Man hat das durch eure Internetpräsenz gut mitbekommen, dass ihr immer sehr beschäftigt seid uns viel arbeitet. Sei es über Facebook, Instagram oder euer Youtube-Channel – wie wichtig ist es euch, über solche Medien mit euren Fans in Kontakt zu bleiben?

Christoph: Total wichtig. Es gibt nicht mehr viele andere Medien, wo wir sonst mit Fans in Kontakt bleiben könnten.
Joe: Das ist uns schon sehr wichtig, wegen dem unmittelbaren Kontakt, weil das gab es ja früher nicht. Wenn man was auf Facebook schreibt oder wenn wir ein Video hochladen, sehen es die Leute sofort, können es kommentieren, liken oder teilen. Das ist für uns schon seit Anfang an total wichtig.
Jennifer: Es ist halt auch so einfach. Man macht ein Foto, schreibt etwas dazu und die Leute danken es einem und freuen sich darüber.

Mal etwas anderes – könnt ihr eigentlich noch ungestört durch Berlin laufen?

Jennifer: Ja, eigentlich schon. Abends beim Weggehen werde ich mal angesprochen. Wenn Christoph zum Beispiel auflegt und ich dort bin, dann sind es mal fünf Leute an einem Abend, die ankommen. Aber das nervt mich überhaupt nicht, weil die auch alle immer ganz lieb sind. Und meistens geben die mir dann noch einen Schnaps aus. (lacht)

Was war denn euer emotionalstes Live-Erlebnis?

Jennifer: Da hat sich über die letzten Jahre ganz schön viel angesammelt. Zum Beispiel Joe mit seinem Heiratsantrag letztes Jahr. Das war wahrscheinlich der emotionalste Moment auf der Bühne, den es jemals gab. Einer der schönsten Momente der letzten Tour war auch der Moment, als wir „Feuer“ mit unseren Vorbands gespielt haben und alle mitgesungen haben. Man kann sich nicht vorstellen, wie geil das für einen Künstler ist, wenn man auf der Bühne steht und dann können alle mitsingen.
Joe: In den letzten sieben Jahren ist einfach so viel passiert, das ist schwer zu sagen, was der emotionalste Live-Moment war.

Gibt es mittlerweile noch Unterschiede zwischen dem deutschen und dem österreichischem Publikum? Was zeichnet denn die österreichischen Fans aus?

Christoph: Es ist immer so ein bisschen Austria Gone Wild, wenn man Konzerte in Österreich spielt. Im Klischee denkt der Deutsche ja immer, dass der Österreicher etwas langsamer, etwas verklemmter ist, jedoch ist das Gegenteil der Fall. Deswegen fetzt es auch total, auf österreichischen Festivals zu spielen.
Jennifer: Die Österreicher sind immer total gelöst und gut drauf und ein dankbares Publikum.
Joe: Man hat nie Angst, in Österreich  zu spielen, weil die Leute hier gut abfeiern. Wir spielen auch die ersten beiden Konzerte in Österreich und das ist super, weil das ein guter Anfang ist.

Ja genau, die Tour startet ja Ende Januar. Worauf darf man sich denn freuen?

Joe: Wir haben diesmal geprobt. (lacht)
Jennifer: Ansonsten haben wir das Album schon so gemacht, dass man sich das live ziemlich gut vorstellen kann. Also es gibt viele Abgeh-Parts, viele Mosh-Parts und mit dem Licht zusammen wird das eine schöne Stimmung ergeben. Und es wird noch mehr Konfetti geben. (lacht)
Joe: Und wir spielen acht Songs vom neuen Album. Also müssen die Leute ganz schnell die Texte lernen, wenn das Album rauskommt. (lacht)

2014 hat ja gerade erst begonnen. Was können die Fans dieses Jahr alles von euch erwarten?

Joe: Erstmal kommt das Album. (lacht)
Jennifer: Dann kommt die Tour, dann die Festivaltour. Und dann noch eine Herbsttour und zack, haben wir schon wieder Weihnachten, so schnell geht das. (lacht)
Joe: Genau, die Städte, in denen wir jetzt nicht vorbeischauen, können sich auf den Herbst freuen.

 

Michael Haller

Musikredakteur

michael.haller@unimag.at

Instagram: michaelhllr

bei UNIMAG seit Oktober 2013

 

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