BÜCHERBÖRSE

Kensington: "Wir versuchen uns auf jedem Album neu zu erfinden!"

Kensington im Interview (c) Rutger van der Bent
Kensington im Interview

Die niederländische Indierock-Band Kensington hat im August ihr drittes Album "Rivals" herausgebracht. Wir haben uns mit Sänger Eloi Youssef darüber, über ihre Musik und ihre Karriere unterhalten.

UNIMAG: Was ist für euch der Unterschied zwischen euren älteren Alben und eurer aktuellen Platte?

Eloi Youssef: Jedes Album ist ein Lernprozess. Als wir begannen, unser erstes Album zu schreiben, waren wir sehr enthusatisch bei jeder Idee, die wir hatten, und haben versucht, alle Ideen in allen Songs unterzubringen. Wir haben festgestellt, dass sieben Teile guter Musik nicht zwingend einen guten Song machen, also begannen wir auf unserem zweiten Album "Vultures", auf die Regel "weniger ist mehr" zu achten und nur jene Ideen einfließen zu lassen, die den Song als Ganzes besser machen. Wir haben auch begonnen, uns mehr für den Produktionsprozess zu interessieren, benutzten mehr Instrumente und haben angefangen, mit einem großen englischen Mischer zu arbeiten, Cenzo Townshend. Wir haben dieselbe Formel für unser letztes Album "Rivals" angewandt und haben mehr Zeit denn je gehabt, um die Liedstrukturen und deren Produktion zu perfektionieren. Und dieses Mal haben wir wieder einen großen Mischer gefragt, ob er den Job für uns übernehmen kann, den Amerikaner Tom Lorde Alge. Wir versuchen uns auf jedem Album neu zu erfinden und die nächste Stufe zu nehmen, was Produktion und Abmischen betrifft.

Ihr habt mal in einem Interview gesagt, dass euer Name nichts mit London zu tun hat und ihr ihn per Münzwurf entschieden habt. Welche anderen Namen standen zur Auswahl?

Wow, das ist eine lange Zeit her (lacht)! Fast 10 Jahre jetzt! Wir hatten eine ganze Liste von Namen, von denen wir dachten, die wären in Ordnung. Ich kann mich nur noch an einen Kandidaten erinnern: The Sound Colour. Ich bin echt froh, dass wir uns nicht für den entschieden haben (lacht).

Ihr habt im vergangenen Jahr am Frequency gespielt. Kommt ihr nächsten Sommer wieder auf die großen Festivals in Österreich?

Wir hatten wirklich die beste Zeit ever auf dem Frequency, ehrlich! Wir lieben die Leute, wir lieben die Schnitzel, wir lieben die Berge! In diesem Sinne die weisen Worte aus "Wayne's World": Book us and we will come!

Was mögt ihr eigentlich lieber? Einzelgigs oder Festivalshows? Warum?

Gute Frage. Ich habe eine Weile darüber nachgedacht und bin schließlich zu dem Schluss gekommen, dass beide gleich viel Spaß machen. Aber ich glaube, ich weiß, wie ich den Unterschied für einen Künstler am Besten beschreiben kann. Wenn man auf einen Festival spielt, ist es so, als wenn man eingeladen wird auf der Party im Haus eines Freundes zu spielen. Man hat nicht so viel Zeit, weil so viele andere Künstler ebenfalls eingeladen sind, aber man fühlt sich großartig, wenn man fertig ist (mit dem Konzert; Anm. d. Autors), da man einfach mit dem Rest feiern kann, ohne sich Gedanken über die Konsequenzen machen zu müssen. Wenn man sein eigenes Konzert spielt, ist es, als ob man selbst derjenige ist, der die Leute zu sich nach Hause einlädt. Du machst die Regeln, du kannst die Deko machen. Wenn es deine Party ist, bist du dafür verantwortlich, den Leuten die beste Pary ihres Lebens zu bescheren. Beide Spielweisen sind also toll!

Coldplay haben mal ein Musikvideo von euch an ihre über 9 Millionen Follower getwittert. Wie würdet ihr den Moment beschreiben, in dem man realisiert, was für Reaktionen man mit seiner Musik schaffen kann?

Wir hatten gerade unsere Single "Home Again" released. Wir haben elf Shows auf dem größten Showcase-Festival in den Niederlanden gespielt und haben ein kurzes Nickerchen in den zwei Stunden zwischen zwei Shows gemacht. Ich bin aufgewacht, und habe gesehen, dass Twitter mit Kommentaren explodiert ist, weil Coldplay über uns getwittert hat. Ich habe den Rest aufgeweckt, wir konnten es gar nicht glauben! Wir wussten, das war unser Moment und wir wussten, wir mussten uns daran festhalten, um nie wieder loszulassen! Die Sterne waren zum Greifen nah.

Gibt es irgendwas abseits der Musik, was du mal unbedingt machen möchtest?

Es gibt nur eine Sache, die ich wirklich will, und das ist, so viel wie möglich von dieser Welt zu sehen! Ich liebe es zu reisen, mit der Band oder auf mich allein gestellt, ganz egal. Es gibt so viele atemberaubend schöne Orte auf der Welt. Ich will sie alle sehen!

Mit welchem Künstler wollt ihr mal zusammenarbeiten? Gibt es da jemanden, mit dem ihr wirklich unbedingt mal was machen wollt?

Ich würde liebend gerne mit dem Mann, der Legende, Dave Grohl arbeiten! Ich mein, hallo, der Typ war bei Nirvana! Und er hat nie aufgehört, er hat immer weiter gerockt, ohne langweilig oder arrogant zu werden. So sollte ein echter Rockstar sein!

Vielen Dank für das Interview!

Ein Exemplar des im August in Holland auf Platz 1 der Charts geschossene Album "Rivals" von Kensington gibt es obendrein auch noch auf Facebook bei uns zu gewinnen!

Jan Wälder


studiert eigentlich Publizistik- und Kommunikationswissenschaften, belegt aber gerne auch den ein oder anderen Skandinavistik-Kurs.

 

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