BÜCHERBÖRSE

NA15 im Interview

NA15 im Interview © NA15

Mit zwei Alben und 14 Jahren Banderfahrung sind NA15, die Rapcore-Band aus dem Burgenland, fast schon alte Hasen im Musikgeschäft. Wir haben uns mit Säger Edi Mastalski über die Veränderung der Band im Laufe der Jahre, Routine bei Auftritten und über das angestrebte Erscheinen neuen Liedmaterials unterhalten.

UNIMAG: Ihr seid jetzt schon 14 Jahre als Band zusammen. Was hat sich bei euch im Laufe der Jahre am meisten verändert?

Edi: Nennen wir es lieber Entwicklung. Ich glaube, wir sind erwachsener geworden. Mit 16 hat man noch viel deutlicher die Vorbilder herausgehört, weil wir selbst noch nicht wirklich unsere eigene Identität gefunden haben. Man hat in dem Alter noch andere Ansichten, eine andere Weltsicht als mit 30. Wir nehmen alles ernster als früher, können uns dabei aber selbst viel lockerer nehmen. Wir wissen, dass das, was wir abliefern, so gut ist, dass wir bewusst statt unbeholfen und reflektierter sind. Wir wissen, wann und wie wir es uns leisten können Spaß zu machen. Was z.B. die Kommunikation zwischen uns und dem Publikum angeht, war das ganz am Anfang eher politisches Wirrwarr. Dann gab es eine Mittelphase, in der wir uns kleiner gemacht haben, als wir tatsächlich sind. Inzwischen sind wir so weit zu wissen: Das erwartet das Publikum, das liefern wir. Das ist das Wichtigste. Musikalisch gibt es natürlich auch eine Entwicklung, wir sind in unserem Auftreten sehr viel selbstbewusster geworden. Durch das Bewusstsein, wer wir sind, was wir sind und was wir abliefern können.

Wie macht ihr es dann, dass nicht zu viel Routine reinkommt?

Einfach ganz wenige Gigs spielen. Das funktioniert großartig (lacht). Nein, Routine ist per se nichts Schlechtes. Routine hat den großen Vorteil, dass ich relativ genau weiß, was demnächst passieren wird. Zumindest auf der Bühne muss ich diese Sache nicht bedenken. Ob das jetzt in einer Boygroup ist oder ein Schauspieler auf der Bühne, ein bisserl schauspielern tun wir ja auch. Nach der 15. Vorstellung desselben Stücks kannst du dir mehr Freiheiten erlauben. Es braucht eine gewisse Routine, damit du ein wenig frei sein kannst. Die Tatsache ist, es sind dieselben – Hausnummer – elf Lieder, die wir jeden Abend spielen. Es sind dieselben vier Musiker, großteils dieselben Bühnen – manchmal größer, manchmal kleiner – das ändert sich nicht. Gerade dadurch hat man die Möglichkeit zwischendurch auch mal einen Schmäh mehr zu reißen. Gerade die Routine ermöglicht es, dass du dich komplett gehen lassen kannst. Zumindest empfinde ich das so. Dass es menschlich keine Routine ist, dafür sorgen die vier komplett verschiedenen Charaktere in der Band. Es wird nicht fad. Zwei diskutieren gerade kräftig in einer Ecke, die anderen reißen irgendwelche nicht jugendfreien Witze, in diese Richtung gibt es da keine Routine. Insofern: Fad wird es einfach nicht.

Ihr spielt im Jahr in etwa 20 Konzerte. Wie schafft ihr das neben der Arbeit noch?

Also 20 ist jetzt nicht so besonders viel. Vielleicht jedes zweite Wochenende mal ein Auftritt, aber das ist es eben: Wochenende. Wir haben drei Lehrer in der Band, die dementsprechend im Sommer relativ viel Zeit haben. Wir könnten wahrscheinlich mehr Gigs haben, wenn wir bereit wären, auch mittwochs und donnerstags zu spielen, aber das geht halt einfach nicht. Die Lehrer können sich nicht frei nehmen, wann sie wollen. Es ist immer auch eine Frage, ob es sich wirklich auszahlt, mittwochs in dieses kleine Dorf zu fahren, um dort vor vielleicht zwölf Leuten zu spielen, wenn du Glück hast.

Wann kommt mal wieder ein Album von euch raus? Das letzte ist ja schon vor vier Jahren erschienen.

Das ist eine gute Frage. Wir haben neue Songs, ein Großteil davon hat es auch schon ins Live-Programm geschafft. Wir sitzen momentan im Keller und machen erste Aufnahmen, wenn es die Zeit zulässt. Wir sind jetzt gerade, auch wegen der Planet-Festival-Tour, ein bisschen unter Zeitdruck. Wir wissen auch nicht, ob es ein Album oder eine EP wird. Wir hatten zuerst nur eine EP geplant, die wollten wir dieses Frühjahr rausbringen. Hat sich aber alles ein bisschen verzögert, weil das passiert meistens unter der Woche und da muss halt jeder Zeit haben. Jetzt sind es aber schon wieder so viele Songs, dass es zuviele für eine EP sind, aber zu wenige für ein Album. Es kann auch sein, dass wir einfach erstmal vier Songs raushauen. Es wird aber demnächst was Neues geben, soviel kann ich schon einmal verraten.

Gibt es in Österreich Künstler, mit denen ihr gerne mal auf der Bühne stehen oder arbeiten möchtet?

Da fallen mir sehr viele ein. Ob sich das im Kontext von NA15 anbietet, ist die Frage. Ein Feature als Rockband ist immer eine eigene Herangehensweise. Solche Sachen funktionieren, wenn das in einem gewissen, engen Nukleus ist. Es gibt Bands, mit denen man wahnsinnig gerne Gigs spielen würde, vielleicht auch schon  gespielt hat und gerne wieder würde. Das fängt an bei denen, die uns sehr nah sind, wie The OverAlls, This Is Not Mailand, Ruben Dimitri oder Seek & Destroy und geht hin zu denen, die gerade durch die Decke schießen. Wanda, Bilderbuch und Olympique. Keine Ahnung, ob wir hundertprozentig zusammenpassen mit Wanda, die eine ganz andere Kerbe einschlagen als wir, aber vor diesem fremden Publikum zu stehen und dieses zu überzeugen, finde ich spannend.

Danke für das Gespräch!

Jan Wälder


studiert eigentlich Publizistik- und Kommunikationswissenschaften, belegt aber gerne auch den ein oder anderen Skandinavistik-Kurs.

 

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