BÜCHERBÖRSE

Kaiser Chiefs: "Jeder Gig soll so klingen, als wäre es unser bester und letzter."

Die Kaiser Chiefs are back! (c) Danny North
Die Kaiser Chiefs are back!

Seit Beginn ihrer Karriere wurden die Kaiser Chiefs oft als Größen des Indie-Rock bezeichnet. Von "Ruby", ihrem ersten großen Ohrwurm, bis hin zu "Oh My God", "Never Miss A Beat" und "Everyday I Love You Less And Less" zeigen sie vor, was es heißt, dieses Genre zu verkörpern. Ihre Auftritte überzeugen nicht nur durch musikalische und stimmliche Formation, sondern durch die grandiose Vermittlung eben dieser und der daraus entstehenden Stimmung des Publikums. Die Band versteht es, ihre Fans in ihren Bann zu ziehen.

Seit rund zwei Jahren ist es jedoch ruhig um die fünf Briten geworden. Damit ist aber Schluss: Anfang Oktober veröffentlichen sie ihr sechstes Album mit dem Titel "Stay Together". Eine Platte, die von Beziehungen jeglicher Art im alltäglichen Kontext handelt. Mit dem neuen Album und der schon vorab erschienenen Single "Parachute" stellt sich auch eine musikalische Veränderung der Band ein. Die Zusammenarbeit mit dem britischen Xenomania Songwriting und Producing-Kollektiv rund um Brian Higgins lässt sich hier deutlich heraushören. Higgins hat schon mit Musikern wie Girls Aloud, den Sugababes und bei Gabriella Cilmis "Sweet About Me" mitgewirkt. Ob damit erneut der Sprung in die Top Charts zu erwarten ist, wird sich zeigen. Und auch, ob ihre Fans diesen musikalischen Veränderungsprozess – weg von Indie-Rock Klängen, hin zum breiten Dance-Pop Genre – mit ihnen gemeinsam gehen. Eine Veränderung, die für viele Fans eine unerwartete Richtung vorgibt und eine gespaltene Meinung darüber mit sich bringen wird.

Wie das neue Album entstanden ist, wieso sich die Kaiser Chiefs in neue Genre-Welten begeben sowie Important-Facts-to know der Band, lest ihr im Interview mit Keyboarder Nick aka Peanut und Drummer Vijay.

UNIMAG: Ihr seid zurück! Nach über zwei Jahren erscheint nun das neue Album "Stay Together".

Nick: Ja! Es ist endlich fertig und zugegebenermaßen lief es ziemlich gut. Wir haben es vor einigen Monaten fertiggestellt und seitdem trag ich das Album ständig mit mir rum. Ich hab es am Handy und kann es mir anhören, wann und wo auch immer ich mag, aber niemand sonst kann es bis jetzt hören. Das ist im Moment echt ein schönes Gefühl und ich bin gespannt, wie das Album bei den Fans ankommt.

Die neue Single "Parachute" klingt so gar nicht nach Kaiser Chiefs – Habt ihr eine neue musikalische Richtung eingeschlagen? Ist es nun an der Zeit für eine musikalische Veränderung?

Vijay: Ja. Ja, vielleicht. Grundsätzlich wurde an diesem Album anders gearbeitet als bisher. Es war mehr ein gemeinsames Musizieren in einer Zusammenarbeit mit dem Produzenten, also mit Brian Higgins. Wir spielten und jammten. Das passiert ganz natürlich, wenn man schreibt oder im Studio alleine ist oder was auch immer – man macht dasselbe, also man jammt. Es ist dabei wunderbar und nach nur einer Stunde denkt man sich: „Wow. Das klang echt toll!“ Aber keiner kann sich mehr erinnern, was er gespielt hat. Dieses Mal haben wir exakt dasselbe gemacht, jedoch gleichzeitig auch alles aufgenommen, was wir spielten. Das ist einer dieser Momente, wo etwas Grandioses entsteht und die Songs ihren Lauf nehmen. Auf dieser Basis bauten wir auf.

Nick: Wir haben noch nie zuvor unsere Songs so geschrieben. Es war also ein unterschiedlicher Ansatz zu schreiben und so ist auch das Ergebnis einzigartig geworden. Das Album und die einzelnen Songs haben sowohl einen Zusammenhang als auch eine breite Vielfalt an Sounds. Natürlich fließt hier auch etwas von den Songs mit ein, die wir bereits produziert haben, aber es ist diesmal etwas anderes, etwas Neuartiges. Es war daher ein unterschiedlicher Zugang in der Entstehung und so klingen die Songs auch allesamt unterschiedlich. Aber es ist cool mal etwas Neues auszuprobieren. Warum auch nicht?

Was hat euch beim Arbeiten am neuen Album inspiriert und beeinflusst?

Vijay: Ich bin mir nicht ganz sicher, was uns beeinflusst haben könnte. Wir waren nicht primär darauf bedacht, welche Einflüsse wir aufschnappen können, aber es ist sehr schwer sich nicht von anderen Dingen in seinem Umfeld beeinflussen zu lassen. Die Musik hat sich in den letzten Jahren sehr verändert, das Streamen von Musik ist immer populärer geworden. In Folge dessen werden eher einzelne Songs anstatt eines ganzen Albums gehört. Das sehe ich auch als ein zentrales Problem. Deshalb ist es schwierig, sich nicht davon beeinflussen zu lassen und gewisse Effekte werden definitiv auch in der Musik, die wir machen, spürbar. Das ganze Leben lebt generell von Inspirationen und Einflüssen jeglicher Art – seien es unterschiedliche Menschen oder einfach alles, was uns umgibt. Jeder verändert sich natürlich selbst im Laufe des Lebens und so auch wir.

Nick: Wie Vijay schon sagte, saßen wir oft im Studio und jammten gemeinsam für Stunden und nahmen auf. Es war nicht so, dass wir entschieden hätten, wer was wie zu spielen hat. Es war mehr wie ein Dancefloor-Feeling, ein spezieller Groove, den wir kreierten und der dich einfach in Bewegung setzt und zum Tanzen bringt. Ich denke, dieses Gefühl ist auch in uns allen verinnerlicht – vielleicht, weil wir Kinder der 80er sind? Ich weiß es auch nicht genau, aber es fühlt sich so an. Wir sind nicht darauf fixiert, aber ich denke, es kann schon sein, dass wir dieses Gefühl in unserer Musik auch ausdrücken, wie beispielsweise beim Song „Parachute“. Das ist eigentlich das, was wir mit diesem Album gemacht haben und damit ausdrücken wollen.

Wird es bei "Stay Together" wieder einen Ohrwurmsong à la "Ruby" geben? Wenn ja, wie lautet der Name des Mädchens diesmal?

(beide lachen)

Nick: Das Album hat schon einen Liebescharakter. Ricky schreibt definitiv gerne Zeilen über Beziehungen im generellen Leben – nicht nur Liebesbeziehungen. Ich bin mir nicht sicher, ob es dabei einen speziellen Song über ein Mädchen gibt auf diesem Album, aber "Hole In My Soul" ist so ein Song, den die Menge mitsingt, sobald der zweite Chorus beginnt, auch wenn sie den Song noch nie zuvor gehört haben. Das ist ein gutes Gefühl und es zeigt, ob der Song beim Publikum ankommt. Wir hoffen auf den Song!

Vijay: Vor kurzem haben wir beim Boardmasters Festival in Newquay, Cornwall gespielt. Es war ein geniales Festival. Das Publikum und die Stimmung waren atemberaubend. Dabei merkten wir auch die wahnsinnige Stimmung bei "Parachute" und im Besonderen bei "Hole In My Soul".

Nick: Ja, das gab uns definitiv auch Bestätigung für diese Songs und unsere Musik generell.

Nach fast 16 Jahren – fast länger als eine durchschnittliche Ehe heutzutage hält: Wie versteht ihr euch noch während des Produzierens von Songs, beim Touren und auch abseits der Musik?

Nick: Es passt. Eben wie eine Ehe – wir sind eine Familie. Man geht durch dick und dünn und meistert Höhen und Tiefen. Vijay ist jetzt schon seit 4 Jahren bei uns und es ist wie das nächste Kapitel in der Band, das sich öffnet. Was kommt als Nächstes? Ich mein, ich hab keine Ahnung, was kommen wird und was als Nächstes passiert, aber primär touren wir und sehen unsere Fans auf der ganzen Welt. Schon vor 16 Jahren haben wir alles gegeben, was wir konnten. Jeder Gig soll der beste und letzte Gig sein, den wir je gespielt haben – dieses Gefühl leben wir und geben auch immer 100 Prozent. Dabei ist auch jeder Gig unterschiedlich, da auch jedes Publikum anders ist und es entsteht daher nie Langeweile. Genau das ist eben, was wir tun. Bei einem Gig oder bei großen Festivals wollen wir, dass jeder nach Hause geht und sich denkt: "Fuck, Kaiser Chiefs sind die beste Band, die ich je auf einem Festival gesehen habe." Und wenn Fans das sagen, wissen wir, dass unser Job getan ist.

Habt ihr bei euren Gigs denn auch spezielle Rituale vor oder nach den Auftritten?

Nick: Ja, wir haben einige Rituale. (schmunzelt) Würden wir dir diese aber verraten, müssten wir dich entweder umbringen oder du schließt dich der Band an. (lacht)

So ein Angebot kann man dann natürlich nicht ablehnen! Spaß beiseite. Wenn ihr euch daran zurückerinnert, wie übersteht man eurer Meinung nach am besten ein Festival – irgendwelche Tipps?

Nick: In einer Band sein! Das ist definitiv die beste Lösung, um ein Festival zu überstehen. (lacht)

Vijay: Ja, weil es einfach bequem ist. Es gibt saubere Toiletten, man sitzt im Trockenen, es gibt gutes Essen und vor allem auch gratis Getränke.

Stichwort Getränke – da kommen wir direkt zur essentiellen Frage – Gin oder Bier?

Nick: Nick: Gin-Tonic!

Vijay: Bier! Ich hab allerdings kein spezielles Lieblingsbier. In Pubs gibt es viele verschiedene importierte Biersorten und da lass ich mir immer gerne die Hausempfehlung des Kellners bringen.

Habt ihr zum Schluss noch irgendwelche Tipps für die UNIMAG LeserInnen und das bevorstehende Wintersemester?

Nick: Wir sind beide Hochschulabsolventen und...

Vijay: Ich denke, als Student muss man auch lernen das Leben zu genießen, sich nicht zu viele Gedanken zu machen, was kommt, da man nichts planen kann. Als Schüler dachte man sich, die Schule ist das Wichtigste im Leben, dann kam die Uni und man empfand dasselbe – auch als junger Erwachsener. Irgendwann realisiert man, dass diese Momente auch nur Erfahrungen sind. Ich rate euch deshalb: Genießt das Leben! Denn je mehr man etwas genießt, desto mehr Spaß hat man im Leben.

Nick: Nehmt nicht zu viele Drogen. (beide lachen)

Danke für das Interview! Wir sind schon gespannt auf das neue Album und freuen uns auf das nächste Konzert in Österreich!

Verena Prinz

Music Journalist, Concert Photographer, Creative Head, World Traveler 

Webseite: https://www.instagram.com/verenatheresap/
 

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