BÜCHERBÖRSE

Die Ärzte im Gespräch

Die Ärzte sind zurück! Foto: Jörg Steinmetz
Die Ärzte sind zurück!

Nach „Jäzz ist anders“ und drei Jahren warten ist es soweit: „die beste Band der Welt“, oder auch die Ärzte, veröffentlichen ihr dreizehntes Studioalbum. Was das mit Tamagotchis, Weltuntergangsstimmung und Superhelden zu tun hat, hat Bassist Rod Gonzalez erklärt.

Hallo Rod, euer neues, dreizehntes Studioalbum heißt „auch“, ein sehr beknacktes Wort. Steckt da etwas dahinter oder wolltet ihr nur „auch“ nochmal ein Album machen, bevor die Welt untergeht?

Haha, ja wir dachten in unserer großen Bescheidenheit „Wir sind die Ärzte, die beste Band der Welt und wir haben da „auch“ mal wieder was, kurz vorm Ende“. Exakt so viel Ernsthaftigkeit und Sinn steckt hinter dem Albumtitel. Und ich gebe Dir recht,“auch“ ist ein Scheißwort.

Euch wird schon ewig vorgeworfen, gar nicht mehr echter Punk zu sein. Gleich der erste Song auf „auch“, „Ist das noch Punkrock?“, geht darum. Ein Versuch, die leidige Frage ein für alle Mal zu klären?
Seit immer werden wir von irgendwelchen Hardcore-Punk-Dogmatikern als Kommerz- oder Bravo-Punks bezeichnet. Umso lustiger ist es dann, eine Ohrfeige an diese Leute in Form eines Albums wie „Planet Punk“ oder einem solchen Lied zu verteilen. Das wird nie langweilig. Aber eigentlich hat der Song einen sehr romantischen Kontext, schließlich ist es fast ein Liebeslied.

„Auch“ klingt anders als der Vorgänger „Jäzz ist anders“ von 2009, eingänglicher, witziger und ärztetypischer.

Die Umwelt beeinflusst einen ja immer ziemlich und als „Jäzz ist anders“ entstand, war der Zeitgeist viel politischer, krisenbehafteter. Das färbt ab und hört man. Hat super zu den Ärzten von damals gepasst. Bei „auch“ gab es eine andere Grundstimmung, einen Zeitclash: wir haben Alles nicht mehr ganz so weltuntergangsmäßig gesehen, wieder mehr von diesen ironischen Texten geschrieben, die uns ja schon ab und an nachgesagt werden. Das klingt dann ärztetypischer.

die aerzte c nelakoenig 

Ein so weniger ernstes Lied ist „Tamagotchi“, in dem Du ein solches Plastikhaustier sehr liebevoll besingst. Großartiger Song.
Das ist die Ode ans Tamagotchi! Tamagotchis waren ja mal richtig cool, irgendwie jeder hatte eines, damals in den 90ern.

 

Ich durfte nie eines haben.
Dann musst Du Dir jetzt eines holen! Ich hatte mehrere. Irgendetwas ist ihnen leider immer passiert: Batterie leer oder sie sind gestorben, weil ich nicht genug gefüttert oder gestreichelt habe.

 

Keine echten Haustiere für Rod...
Ja, besser erstmal nicht. Lieber noch ein Tamagotchi. Das hat schon Spaß gemacht, das Füttern und Streicheln von den piepsenden Dingern. Das Tamagotchi war definitiv das Smartphone der 90er.

 

Ihr besingt auch „cpt. metal“ (Captain Metal), einen Superhelden, der die Menschen vor schlechter Musik schützt und den Metal hütet. Steht es so schlimm um unsere Ohren?
Erstmal kann man nie genügend Superhelden haben. Die sind immer mehr als wertvoll. Und vor allem cpt. metal. Er schützt uns als Ein-Mann-Metal-Armee vor den großen, heutigen Gefahren wie den Black Eyed Peas. Er ist der Schirmherr des Metals und wacht über unsere Ohren.

 

Ihr als Comicfans wisst schon, dass das jetzt nach einem Mega-Comic schreit?

Ja, der Gedanke kam uns auch schon. Stories gibt es ja ohne Ende. Mal schauen, was sich da so ergibt.

 

Ihr habt in der deutschen Musiklandschaft Koryphäenstatus: ausverkaufte Touren, ohne einen Ton veröffentlicht zu haben und das Nr. 1 Album quasi gepachtet.
Man könnte sagen: Wir haben uns in den letzten Jahren einen Status geschaffen, der uns jetzt Freiheit gibt, blöde Songs über Tamagotchis zu machen und die größten Hallen zu buchen, bevor das Album gepresst ist. Aber wir können uns nicht alles erlauben; nur das, was wir uns innerhalb des Ärzte Kosmos mit Arbeit, Mühe und Liebe aufgebaut haben. Und auch mit gewissem Ernst, der es einem dann möglich macht, solche Quatschlieder erfolgreich zu veröffentlichen. Oder ein Tamagotchi Museum zu eröffnen.

Louise Lässig

Louise Lässig | Redakteurin

louise.laessig (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2011

 

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