Praktika bieten als „Karriere-Einstiegsmodell“ viele Vorteile: neben dem Knüpfen von wertvollen Kontakten für die weitere berufliche Laufbahn sammeln engagierte Praktikanten auch erste berufliche Praxiserfahrung. Natürlich zählt diese neben dem theoretischen Wissen aus dem Studium im Bewerbungsprozess. Und dennoch wird mit Praktika nicht nur Positives assoziiert und einige hartnäckige Annahmen hinterlassen oftmals einen schalen Beigeschmack. Das WU ZBP Career Center geht den beharrlichsten Gerüchten auf den Grund.

1.) „Im Praktikum tut man doch nur kopieren und Kaffee kochen“.
Voller Elan startet man ins Praktikum. Man will bewegen, das Wissen von der Uni in der Praxis anwenden. Und dann die Enttäuschung. Die erste Aufgabe: Das Kopieren von Unterlagen. Diese Vorstellung verfolgt wohl viele Praktikanten. „Und das zu Unrecht. Sind doch viele Praktikumspositionen für angehende Akademiker und Akademikerinnen vollwertige Stellen mit einem verantwortungsvollen Aufgabenprofil“, erklärt Ursula Axmann, Geschäftsführerin des WU ZBP Career Center. Schließlich möchten die meisten Unternehmen von dem aktuellen Wissen aus dem Studium profitieren und bei entsprechender Leistung auch langfristig Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gewinnen. Denn nicht selten nützen Unternehmen die Vergabe von Praktika, um junge Talente frühzeitig mit bevorstehenden Aufgaben vertraut zu machen und einen „Talentepool“ aufzubauen. „Wobei an dieser Stelle auch deutlich erwähnt werden muss: Ein bisschen Demut schadet nicht! Denn auch Kopieren oder Akten Schlichten gehören zum vollen Spektrum einer Aufgabe dazu und sollten dementsprechend sorgfältig ausgeführt werden. Schließlich lernt man aus jeder Erfahrung – und gerade eine Hands-On Mentalität ist ein absolutes Muss für die weitere Karriere“, betont Axmann.

2.) „Für ein Praktikum müssen ein bis zwei Monate reichen“.  
„Gut Ding braucht Weile“ – in Bezug auf die erste Praxiserfahrung trifft das Sprichwort in jedem Fall zu. Denn je länger diese andauert, umso mehr werden Praktikanten davon profitieren. Umso wahrscheinlicher werden sie eigenständige Arbeiten übernehmen dürfen oder vielleicht sogar selbständig in Projekten eingebunden sein. Arbeitet man hingegen nur ein bis zwei Monate in einem Unternehmen, werden wohl kaum qualifizierte Aufgaben übergeben werden. Zu groß ist das Risiko für Fehler, zu zeitintensiv die Einarbeitungsphase. Das Angebot an Praktika, die 2013 im WU ZBP Career Center ausgeschrieben waren, spiegelt die tendenziell lange Zeitspanne von Praktika wider: Nahezu 69 Prozent dauern vier Monate oder länger.

Praktikumsdauer 2013

3.) „Unternehmen nutzen Studierende doch nur aus.“
Generation Praktikum“ – immer wieder taucht die Vermutung auf, dass Unternehmen Praktikanten tendenziell für vollwertige Positionen einstellen und dadurch Fixanstellungen mit dementsprechend hoch dotiertem Gehalt umgehen. Akademiker und Akademikerinnen und Studierende werden demnach ausgenutzt: Sie arbeiten vollwertig, bekommen aber weniger gezahlt. „Abgesehen von der Tatsache, dass echte Praktikanten laut Gesetz eigentlich gar nicht entlohnt werden dürfen, belegen auch Studien wie die ARUFA-AbsolventInnenbefragung 2010, dass die Generation Praktikum ein Mythos ist – zumindest für Studierende aus dem wirtschaftswissenschaftlichen Kontext“, betont Axmann. „Man muss auch bedenken: das Gefühl des Ausnützens ist subjektiv. Man selbst definiert, wann man sich ausgenützt fühlt. Praktikanten bekommen neben einem Verdienst auch wertvolle, praktische Erfahrungen für die weitere Karriere. Und diese Erfahrung ist für die weitere Karriere wahrscheinlich mehr wert als die Höhe der Renummeration.“

4.) „Der Sommer ist die ideale Zeit für ein Praktikum.“
Die Sommermonate: Die ideale Gelegenheit um Praxiserfahrung zu sammeln. Sollte man meinen – wäre da nur das passende Angebot. „Ja, natürlich gibt es Praktika im Sommer, aber nicht so viele wie gewünscht. Das ist auch nicht weiter verwunderlich: Aufgrund gehäufter Urlaube während der Sommermonate spricht man gerne von einem ‚Sommerloch‘, also einem tendenziellen Rückgang an Projekten, Aufträgen und Arbeit. Und das ist gerade für Praktikant/en bitter. Schließlich wollen sie im Tagesgeschäft des Unternehmens die Entscheidungen miterleben“, erklärt Ursula Axmann. „Anzudenken wäre also ein Praktikum auch während des Semesters – im Idealfall gehen sich parallel sogar ein paar Lehrveranstaltungen aus!“ Auf der Jobbörse des WU ZBP Career Center werden das ganze Jahr über qualifizierte Praktika ausgeschrieben mit Spitzen zu den Karriere-Events Praktikumstag und Career Calling – die Karrieremesse der WU, TU Wien und BOKU. 

5.) „Je mehr, desto besser!“
In viele Branchen „hineinschnuppern“, mehrere Aufgabenprofile kennenlernen und für sich selbst herausfinden, welche Tätigkeiten einem wirklich liegen – mit Sicherheit ein angenehmer Nebeneffekt von Praktika. Doch: Ein „je mehr, desto besser“ gilt auch hier nur bedingt – Qualität zählt vor Quantität. „Ein Lebenslauf mit ein bis drei fundierten Praktika bringt in einem Bewerbungsprozess wahrscheinlich mehr Pluspunkte als ein Lebenslauf mit zehn Praktika ohne Aussagekraft. Denn Job-Hopping ist auch bei Praktika nicht gerne gesehen, eine gewisse Konstanz ist gefragt“, betont Axmann. Interessierte Bewerber und Bewerberinnen sollten sich also bei der Bewerbung für eine Praxistätigkeit überlegen, welchen Mehrwert sie durch welche Tätigkeit für ihre Karriere haben.

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