Die kreative Post Hardcore Band Fjørt aus Aachen ist momentan im Zuge ihrer „Couleur“-Tour unterwegs und legte am Dienstag einen Tourstopp im Wiener Chelsea ein. Das Chelsea war, so wie beinahe jede Station ihrer Tour, komplett ausverkauft. Fjørts Erfolg hat gleich mehrere gute Gründe. Das Trio nahm marginale Verschiebungen im Sound vor, wodurch die Herren nun zwar eine Spur eingängiger und songorientierter klingen, jedoch niemals Gefahr laufen, die Wuchtigkeit ihres Sounds zu verlieren. Waren die Texte auf vorangegangenen Alben größtenteils abstrakter Natur, nutzen die zwei Sänger ihre Vorliebe für philosophische Texte nun vermehrt dazu, ihren politischen Standpunkt zu vermitteln.

Als Vorband sind East mit von der Partie. Die fünf Herren machen den gerade sehr beliebten Midwestern-Emo und erinnern beim ersten Hören sehr stark an Genrekollegen, wie The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die oder an eine modernere Version von Modern Baseball. Die Gitarren perlen und die Songs fließen ineinander über. Hie und da darf auch schon mal ein Track ohne Gesang auskommen, der ohnehin eine Schwäche der Band zu sein scheint. Man darf auf jeden Fall gespannt sein, wie das Debutalbum von East klingen wird, das dieses Jahr noch erscheinen soll.

Fjørt lässt sich, begleitet von einem düsteren Klavierstück, auf die Bühne bitten und läutet den Abend mit „Südwärts“, dem Opener des aktuellen Albums, ein. Nach dem kurzen Intro geht es auch schon zur Sache. Gitarrist Chris Hell und Bassist David Frings teilen sich die Vocals auf und klingen mindestens genauso wütend wie im Studio. Auch die Instrumentalparts klingen druckvoll, die Riffs erinnern in vielen Parts and Post-Metal Größen wie Russian Circles. „Südwärts“ ist auch sofort einer der großen Höhepunkte des Abends. Darauf folgt „Eden“ aus selbigen Album. Ab der dritten Nummer „Anthrazit“ formt sich ein Moshpit, der bis zum Ende des Konzerts aufrecht erhalten bleibt.

Die Setlist bietet einen guten Querschnitt über die mittlerweile auffallend hohe Anzahl hochklassigen Songs des Trios. Erstaunlicherweise kam gerade die am Album sehr starke Single „Magnifique“ live etwas blutleer daher. Der sicherlich poppigste Song der Aachener kommt sonst auch gut bei Menschen an, die wenig mit Schreigesang und wuchtigen Gitarrenriffs anfangen können, obwohl er neben Lyrics voll Pathos genau dies bietet. Live blieb die Energie und Begeisterung, die bei Fjørts politisch motivierten Songs wie „Paroli“, „Raison“ und dem Titeltrack der neuen Platte spürbar war, aus. Dies mag sicherlich auch daran liegen, dass David Frings vor „Paroli“ mit seiner Meinung zur aktuellen politischen Lage in Europa dem Song authentisch Nachdruck verleiht. Er fordert die Besucher auf, mehr Mitgefühl zu zeigen, und niemals aufzuhören, sich persönlich zu engagieren. Der kurze Wink auf die derzeitige österreichische Regierung sowie auf die am selben Tag enthüllten Verstrickungen von FPÖ Funktionären in Kreisen, die antisemitische Lieder am Stammtisch singen, heizt die Stimmung noch mehr auf.

So spielen und schreien sich Fjørt innerhalb der etwas mehr als 90 Minuten durch ihre Diskografie und beenden den Abend mit „Karat“, auf dessen bleischwere Riffs auch Größen wie Isis stolz wären. Abschließend bleibt zu sagen, dass die Band ihrem Ruf als sehr gute Live Band absolut gerecht wird und man sich ein Fjørt-Konzert nicht entgehen lassen sollte, zumindest solange sie noch in vergleichsweise kleinen Locations spielen.

Foto: Andrea Putz | wienkonzert.com

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