Seit 12. September 2014 sind Kraftklub mit ihrem neuen Album ganz „In Schwarz“ unterwegs. (Hier geht’s zur Review der Platte!) Wir trafen Sänger Felix Brummer und Sänger und Gitarrist Karl Schumann im Rahmen ihrer Geheimtour zu Kaffee und Kuchen und erfuhren unter anderem, was die Jungs machen, wenn sie vergessen, auf Tour eine Wechselunterhose mitzunehmen, welche Farbexperimente sie für ihr nächstes Album-Cover planen und welche Rolle Schnittchen auf Promi-Parties spielen.

UNIMAG: Wie lief denn eure „Konvoi In Schwarz“-Tour?

Felix: Diese Geheimtour ist die beste Idee, die wir je hatten.
Karl: Nachdem die Leute das System mit dem GPS und dem Twittern verstanden haben, lief es großartig.

Wie darf man sich euren Touralltag denn so vorstellen?

Felix: Auf einer allgemeinen Tour? Das hängt ganz stark von der Art der Tour ab. Wenn man auf Festivals spielt, ist das etwas anderes, als wenn man in Hallen oder Clubs spielt. Unsere Geheimtour ist wieder ganz anders. Aber generell: Viel warten! Rock’n’Roll ist 90 % Warten und 10 % Rock’n’Roll (lacht).
Karl: Und man muss sich immer ziemlich gut organisieren. Unterwegs gibt’s im Bus keine Dusche. Meistens gibt es dann vor Ort eine oder wir müssen in Duschhotels, wo man erstmal sein Zeug zusammenpacken muss.
Felix: Und wenn man’s vergisst, so wie ich gestern, dann muss man im Hotel seine Unterhose föhnen (lacht)… weil ich vergessen habe, eine Wechselunterhose mitzunehmen. Da stand ich dann also im Hotel und hab meine Unterhose geföhnt, damit sie wieder trocken wird.
Karl: Ich hab meine Badehose auch hingelegt, die war dann schön warm (lacht).

Also läuft das nicht so glamourös ab bei euch!

Karl: Ne, eher rumlungern, rumlaufen, Fußball spielen…
Felix: Ich war gestern ganz alleine im Hotel. Da konnte ich nackt durch den Hotelpool schwimmen. Das war sehr schön (lacht). Das war vor allem sehr glamourös (lacht).
Karl: Ich war ganz glamourös mit Steffen und Till im Pool.

Für euer neues Album gab es schon im Vorfeld viele aufwendige Promo-Aktionen. „In Schwarz“ ist fast schon eine eigene Marke geworden. Kam die Idee für das gesamte Konzept von euch?

Felix: Wir hatten sehr viel Hilfe bei der Durchsetzung, aber die Idee kam von uns. Wir können mittlerweile sagen: „So Leute, jetzt müssen wir das irgendwie hinkriegen.“ Und dann gibt’s tatsächlich Leute, die genau das umsetzen können. Ich hab keine Ahnung, wie man irgendwelche Genehmigungen beim Amt holt oder so. Dafür haben wir Leute, die sich damit voll auskennen.
Karl: Da gibt’s dann auch Leute, die Apps oder GPS-Systeme programmieren können, was die Leute dann auf kraftklub.to mitverfolgen können.
Felix: So ein kleiner Schabernack wie mit der „Konvoi in Schwarz“-Tour macht uns ziemlich Spaß.

Hat man ja auch bei „Hand in Hand“ gesehen.

Felix: Genau (lacht). Diese Idee schwirrte uns schon lange im Kopf herum; einfach mal alle mit einer Fake-Band zu verarschen. Wir haben davor schon ab und zu unter falschem Namen irgendwo gespielt – bei Festivals um 15 Uhr im Zelt oder so – und der Gedanke ging einfach nicht mehr weg. Dann hatten wir natürlich eine schöne Auflösung mit HalliGalli. Da konnten wir alles schön aufziehen und haben die ganze Musikpresse veräppelt.
Karl: Wir hätten das gerne noch ein bisschen weiter getrieben, aber es war dann leider zu wenig Zeit. Wir hätten gerne drei Lieder oder so aufgenommen, weil es ja auch schon Booking-Anfragen für die Band In Schwarz gab.
Felix: Da fehlte uns leider die Zeit dafür, das stimmt.

Welche Rolle spielt Social Media für euch als Band im Allgemeinen?

Felix: Wir stehen Social Media zwiegespalten gegenüber. Auf der einen Seite ist es natürlich ganz cool, unkompliziert und einfach; auf der anderen Seite birgt es Gefahren (lacht), sich zu sehr aufzudrängen und sich zu sehr zu öffnen. Man sollte es auch tunlichst vermeiden, alle Kommentare zu lesen. Also ich krieg da zumindest manchmal schlechte Laune, wenn Leute meckern. Da schreibt jemand so ganz gemeine Sachen im Internet (lacht). Man darf nicht immer alles lesen. Aber für Promo-Aktionen ist es natürlich perfekt, Leuten spontan mitzuteilen, wo man ist und was man macht und die kommen einfach vorbei. Ohne Social Media müssten wir eine Annonce in der Zeitung schalten oder sowas (lacht).

Aber gerade diese schlechte Laune eignet sich ja wieder perfekt für neue Songs.

Felix: Stimmt eigentlich, wir sollten einen Song über das Gemeckere machen.
Karl: Dann hört das Gemeckere ja nie auf. Wir sollten eher etwas finden, das die Meckerer im Internet besänftigt, damit die aufhören zu meckern.
Felix: „Unsere Fans“ ist eigentlich auch sehr von diesen Social Media Kommentaren inspiriert (lacht).

Zuerst kam ein weißes Albumcover, jetzt dasselbe in Schwarz. Welche Farbe dürfen wir uns als Nächstes erwarten oder kommt vielleicht etwas völlig anderes?

Karl: Wir müssen erst einmal ausprobieren, was herauskommt, wenn man weiße Farbe in einen Eimer mit schwarzer Farbe reingießt. Das wird dann vielleicht die Farbe für das nächste Album.

Also grau.

Felix: (lacht) Ja.
Karl: (lacht) Jetzt hast du die ganze Spannung genommen.
Felix: Aber wir müssen doch erst einmal probieren, wie das aussieht.
Karl: Vielleicht wird’s auch so ein Strudel.
Felix: Wir haben uns natürlich schon Gedanken gemacht, aber die sind alle streng geheim.

Welche Nummer eures neuen Albums liegt euch besonders am Herzen?

Felix: Das ist bei uns allen sehr unterschiedlich. Bei mir ist es „Schüsse in die Luft“. Welcher ist deiner (dreht sich zu Karl)?
Karl: Bei mir ist es „Gestern Nacht“. Der hat’s leider nicht auf die normale Version geschafft. Der ist nur auf der Deluxe Version drauf, die sich alle kaufen sollten. Die kostet ein oder zwei Euro mehr, dafür gibt’s aber gleich drei neue Songs.
Felix: Es ist generell so, dass wir in den vergangenen Tagen festgestellt haben, dass wir einen Fehler gemacht haben (lacht).Wir hatten ewige Diskussionen, welche Songs auf die normale und welche auf die Deluxe Version drauf sollen, und ich glaub, die Entscheidung war falsch (lacht).
Karl: Aber die Leute sollen sich halt einfach alle die Deluxe Version kaufen.
Felix: Oder die normale CD kaufen und sich die zusätzlichen Songs im Internet anhören. Das ist auch okay. Dann kann man Geld sparen und die anderen Nummern trotzdem anhören.
Karl: Eins von den drei Bonusliedern haben wir jetzt auch auf der Tour immer wieder gespielt und das hat immer sehr gut funktioniert, da sind die Leute gesprungen und so.
Felix: Es hat voll Bock gemacht, das zu spielen. Also warum haben wir das nicht auf die normale Platte gepackt? Wir Idioten!

Aber wenn der Song so gut ankommt, kaufen bestimmt alle schon alleine deswegen die Deluxe Version und alles ist gut.

Karl: Vielleicht müssen wir da noch ein paar brennen lassen, so wie man das früher gemacht hat (lacht).

Auf der Platte drehen sich viele Songs um Beziehungen – vom Verliebt sein, über den Alltag bis hin zu Trennungen. Ist das so etwas wie der rote Faden von „In Schwarz“?

Felix: Es liegt in der Natur der Sache gewissermaßen. Die Themen, die wir behandeln und aufgreifen, sind Sachen, die bei uns im Umfeld – also bei uns oder bei unseren Freunden – eine Rolle spielen. Da sind Lieder über Gentrifikation genauso wichtig wie Songs über zwischenmenschliche Beziehungen. Es sind beides Sachen, die uns beschäftigen. Wir haben aber jetzt kein Konzeptalbum Liebe gemacht oder so. Es sind einfach Beobachtungen, die in den vergangenen zwei oder drei Jahren passiert sind. Wie es halt im Leben so ist, gibt es da schöne und blöde Momente.

Und jetzt mal ehrlich: Sind Promi-Parties wirklich so scheiße, wie ihr bei „Zwei Dosen Sprite“ suggeriert?

Karl: Es kommt vermutlich darauf an, wie man an die Sache rangeht. Wenn man dorthin geht, um nette Leute kennenzulernen, dann ist es eher nicht der richtige Ort. Aber wenn man mit einer Hand voll Kumpels hingeht und sich den kostenlosen Alkohol und die Schnitten – also Brote (lacht) – reinpfeift, dann kann es ganz lustig werden.
Felix: Wir dachten ja eigentlich, das wäre der Hammer. Wir kannten das vorher auch nur aus dem Fernsehen und dachten, dort all die berühmten und interessanten Menschen kennenzulernen. Aber Pustekuchen! Es gibt echt ganz schön viele Vollidioten. Am Anfang dachten wir auch noch, wir müssten da hingehen, weil es eben kostenlose Schnittchen und Alkohol bis zum Abwinken gibt… und da tanzt bestimmt Herbert Grönemeyer auf der Tanzfläche. Aber ne, dann doch lieber ein Abend mit Kumpels zu Hause.
Karl: Wir passen dort einfach nicht hin.
Felix: Wie Karl schon gesagt hat, wenn du ein nettes Gespräch suchst, ist das der falsche Ort. Und wir wollen halt lieber nette Gespräche führen als mit Dummschwätzern dummschwätzen (lacht). Wir sind nicht so die Profis im Smalltalken.

Mit „Unsere Fans“ dreht ihr den Spieß um und schleudert typische Klischeevorwürfe, die eine Band gerne mal zu hören bekommt, den Fans entgegen. Wurdet ihr mit diesen Vorwürfen wirklich schon nach eurem Debütalbum selbst konfrontiert?

Felix: Ach bei den YouTube-Videos kannst du die Kommentare durchscrollen und findest genau diese Vorwürfe. Wir haben schon viel davon selbst gehört, aber von uns war das natürlich alles eher spaßig gemeint. Ernsthaft hat uns das nie gestört.

Was hat es mit dem „Vom Proberaum (Skit)“ auf sich?

Felix: Habt ihr das vom Dialekt her verstanden?

Ja, natürlich!

Felix: Wirklich? Krass!
Karl: Wir haben geprobt und da kamen auf einmal zwei Bauarbeiter in unseren Proberaum. Die waren so ergriffen von der Musik und kannten uns eben gar nicht. Und die haben uns dann erstmal ein paar Tipps gegeben, wie wir das Game angehen sollten. Das war sehr witzig.
Felix: Das ist halt der Dialekt, der bei uns zu Hause gesprochen wird. Aber cool, dass ihr das verstanden habt. Ihr Österreicher geht vermutlich mit ganz anderen Ohren ran (lacht).

Wie stellt ihr euch die Zukunft von Kraftklub vor? Gibt’s einen Plan, den ihr verfolgt?

Felix: Ich will gar nicht so weit in die Zukunft blicken. Klar gibt’s Träume, aber die sind eher kurzfristig angelegt. Einer davon war immer, im nicht deutschsprachigen Ausland zu spielen und jetzt spielen wir im Oktober in London ein Konzert. Die Zukunft ist einfach viel zu weit weg, als dass es sich lohnen würde, sich darüber Gedanken zu machen (lacht). Gesund sein wäre schön.

Vielen Dank für das nette Gespräch!

Am 20. Oktober kehren die Jungs von Kraftklub nach Wien zurück, um für eine Show im (restlos ausverkauften) Wiener Flex Halt zu machen! Eine gute Nachricht für alle Ticketlosen: Am 18. Februar 2015 bietet sich auch schon die nächste Gelegenheit, die Chemnitzer live im Gasometer zu erleben!

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