Traineeprogramme ermöglichen ambitionierten Absolventinnen und Absolventen schon früh einen umfassenden Überblick über das Unternehmen und legen den Grundstein für eine Führungsrolle in einer Fachabteilung oder eine erfolgreiche Managementkarriere. Wir zeigen, wie ein Traineeprogramm funktioniert – und worauf es bei der Auswahl des richtigen Programms ankommt.

„Diese Stelle bietet eine unglaubliche Chance, in jungen Jahren und sehr schnell große Verantwortung übernehmen zu dürfen. In den Märkten lerne ich die unterschiedlichen Bereiche kennen und mir werden sofort viele eigene Aufgaben übertragen. Das Traineeprogramm bietet mir die Möglichkeit, den Lebensmitteleinzelhandel rundum kennenzulernen.“

So spricht Alena Winkler über das „Traineeprogramm VertriebsmanagerIn“, das sie derzeit beim Handelsunternehmen Billa absolviert – und nennt dabei gleich ein typisches Merkmal für ein Traineeprogramm: Trainees durchlaufen während ihres Programms eine Reihe vorher festgelegter Abteilungen und lernen so früh das gesamte Unternehmen und seine Abläufe kennen.

Direkteinstieg oder Traineeprogramm?

Das ist gleichzeitig der entscheidende Unterschied zum Direkteinstieg. Wer sich dafür entscheidet, das Berufsleben in einer bestimmten Fachabteilung zu starten, hat sofort eng umrissene Aufgaben und klar definierte Verantwortungsbereiche. Hier ist von Anfang an klar, welche Positionen die Berufsstarter/innen im Team einnehmen werden. Wer schnell praktische Arbeiten und eigene Projekte übernehmen möchte, ist deshalb bei einem Direkteinstieg an der richtigen Adresse.

Wer sich dagegen noch nicht unbedingt auf einen bestimmten Fachbereich festlegen und mehr Möglichkeiten offenhalten möchte, findet in einem Traineeship die ideale Einstiegsform. Zudem erleben Trainees vom ersten Tag an die Zusammenhänge in einem Wirtschaftsunternehmen. Der Überblick, den sie durch den regelmäßigen Wechsel der Abteilungen und der Aufgaben gewinnen, ist enorm – und im weiteren Verlauf der Karriere oft unbezahlbar.

Internationale Stationen möglich

Die Vorteile eines Einstiegs als Trainee hebt auch Christine Friedel, Personalentwicklerin bei der Porsche Holding GmbH in Salzburg, hervor: „Wer das Unternehmen in seiner Gesamtheit kennenlernen, sich von Beginn an ein breites Netzwerk aufbauen und Projekte aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten möchte, ist bei uns im Traineeprogramm gut aufgehoben. Die Trainees von heute sind unsere Führungskräfte von morgen. Daher investieren wir intensiv in unsere Trainees und stellen sicher, dass sie optimal auf die Herausforderungen vorbereitet sind, die die Führungsaufgaben und die Mobilität der Zukunft mit sich bringen.“

Durch den Einsatz in verschiedenen Geschäftsbereichen – oft auch im Ausland – lernen die Trainees das Geschäft von Grund auf kennen und bekommen früh einen Blick für bereichsübergreifende Synergien.

Die intensive Einarbeitung in den verschiedenen Abteilungen begleiten die Unternehmen zusätzlich durch Fachseminare und Schulungen. Bei der Porsche Holding können Hochschulabsolventinnen und -absolventen ein internationales Traineeprogramm in den Bereichen Vertrieb, Finanz oder IT & Digitalisierung absolvieren. Das Traineeship dauert 18 Monate, dabei durchlaufen die Trainees jeweils drei Stationen in unterschiedlichen Geschäftsbereichen. Im Vertriebs- und im Finanzschwerpunkt verbringen die Trainees mindestens sechs Monate in einem der internationalen Märkte des Automobilhandelsunternehmens außerhalb von Österreich.

Praxiserfahrung im Studium

Die zur REWE Group gehörende Billa AG bietet Hochschulabsolventinnen und -absolventen die jeweils circa 13 Monate dauernden Traineeprogramme „FrischemanagerIn“ und „VertriebsmanagerIn“ an.

Alena Winkler wurde durch die jährliche Karrieremesse an der Karl-Franzens-Universität Graz und ihr generelles Interesse am Lebensmitteleinzelhandel auf das Unternehmen als Arbeitgeber aufmerksam. Bereits während ihres Studiums hat sie in verschiedenen Bereichen des Handels gearbeitet und dabei auch die Möglichkeit bekommen, als Teamleiterin erste Erfahrungen in Bezug auf Mitarbeiterführung zu sammeln: „Ich war schon immer sehr interessiert, nach meinem Studium eine derartige Position zu übernehmen. Die Veränderungen durch die Zusammenlegung von Billa und Billa Plus waren ein zusätzlicher Anreiz.“

Alena Winkler bewarb sich über das REWE-Jobportal um eine Stelle im Traineeprogramm zur Vertriebsmanagerin und wurde bald zu einem Videointerview eingeladen. „Danach ging es weiter zu einem persönlichen Gespräch mit meinen jetzigen Vorgesetzten. Anschließend habe ich noch ein Assessment Center absolviert.

Der gesamte Bewerbungsprozess war sehr wertschätzend und ich wurde stets über den weiteren Verlauf informiert“, so die 27-Jährige, die parallel gerade ihre Master-Arbeit in Betriebswirtschaft fertigstellt, die sie zuvor coronabedingt noch nicht abschließen konnte.

Ihre Grundausbildung begann sie in einer Billa-Filiale, in der sie in sechs Monaten alle Aufgaben und Herausforderungen im Markt durchführen (und meistern) kann. Der Start in einer Filiale ist – unabhängig von der späteren Position – typisch für den Einstieg als Trainee bei einem Handelsunternehmen. Ziel ist, dass die Einsteiger/innen das Kerngeschäft bei den Kundinnen und Kunden intensiv kennenlernen und auch bei einem späteren Job in einem zentralen Bereich wissen, wie sich strategische Entscheidungen vor Ort konkret auswirken.

Anschließend übernimmt Alena Winkler für einige Monate einen eigenen Markt und lernt in Schulungen alles, was sie für ihre Zielfunktion als Vertriebsmanagerin benötigt. „In den Seminaren lerne ich Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus ganz Österreich kennen.

Weitere Unterstützung gibt es durch diverse E-Learnings und natürlich bei der täglichen Arbeit mit den Kolleginnen und Kollegen“, berichtet Winkler. Das Ziel ihres Programms ist die Übernahme eines Verkaufsgebiets mit zehn bis 13 Billa- und Billa-Plus-Märkten.

Über Zielposition entscheiden

Bei der Entscheidung über die Zielposition der Trainees wählen die Unternehmen unterschiedliche Wege. Bei manchen Programmen steht die Art des späteren Einstiegs von vornherein fest. Dies ist häufig in kaufmännischen Bereichen der Fall, etwa wenn Hochschulabsolvent/innen auf eine Karriere im Vertrieb oder Einkauf vorbereitet werden.

Foto: (c) mihailomilovanovic – istock

Bei offeneren Varianten kristallisiert sich die spätere Position erst mit dem Durchlauf durch die verschiedenen Abteilungen heraus. Hier hängt die weitere Entwicklung stärker von den Feedback-Gesprächen mit einem Mentor oder einer Mentorin oder den Ansprechpartner/innen in den einzelnen Abteilungen ab.

Häufig können die Trainees über den nächsten Schritt mitentscheiden und ihr Programm so auch mitgestalten. Gerade Einsteiger/innen, die trotz (oder auch wegen) ihres Vorwissens und praktischer Erfahrungen noch nicht sicher sind, in welche Richtung sie sich entwickeln möchten, können sich so einen guten Überblick über das Unternehmen und die Karrieremöglichkeiten verschaffen.

Variable Stationen

Bei der Porsche Holding sind auch die einzelnen Stationen variabel. „Sie werden individuell geplant und berücksichtigen dabei die Fähigkeiten und Interessen der Trainees. So können wir auf bereits vorhandenem Know-how aufbauen und gezielt einen optimalen Wissenszuwachs generieren“, erklärt die Personalentwicklerin Christine Friedel.

Gegen Ende des Programms führen die Personalverantwortlichen mit den Trainees Gespräche über deren Wunschpositionen. Dabei können die Trainees kommunizieren, welcher Bereich sie besonders interessiert. Offenbar mit Erfolg: „Unsere Übernahmequote beträgt nahezu 100 Prozent“, freut sich die Personalexpertin.

Persönlich betreut

Auf einen regelmäßigen, intensiven Austausch mit erfahrenen Ansprechpersonen – zum Beispiel mit festen Mentorinnen und Mentoren – kommt es nicht erst bei der Entscheidung über die weitere Karriere im Unternehmen an. Denn die Programme sind zwar sehr abwechslungsreich, die häufigen Wechsel verlangen den Trainees aber auch einiges ab. Umso wichtiger ist der Austausch über die weitere Entwicklung und die Perspektiven im Unternehmen. Hilfreich sind außerdem Buddy-Netzwerke, in denen ehemalige Trainees den neuen Trainees zur Seite stehen. Diese haben sich auch bei der Porsche Holding und bei Billa bewährt.

Alena Winkler lernte schon beim ersten Empfang im Zentralbüro von Billa in der Steiermark ihren Buddy kennen, der das Traineeprogramm zum Vertriebsmanager bereits erfolgreich absolviert hat. „Bei ihm konnte ich eine Woche lang direkt erste Einblicke in meine künftige Zielposition nach dem Programm sammeln. Und auch danach werde ich von ihm und einer meiner Mentorin in der Zentrale in Wiener Neudorf bei allen offenen Fragen und Problemen sehr gut unterstützt.“

Netzwerk für die Karriere

Intensive Kontakte knüpfen die Trainees schon durch ihre intensive Mitarbeit in wechselnden Abteilungen des Unternehmens. Für viele sind sie sogar das größte Plus, das sie aus ihrer Trainee-Ausbildung mitnehmen können.

Die Trainees kennen durch das Programm in fast jedem Bereich Ansprechpartner/innen, an die sie sich bei Fragen oder Anliegen auch ganz informell wenden können. Gerade wenn die Zielposition des Programms nicht von vornherein feststeht, ist ein breites Netzwerk im Unternehmen enorm hilfreich – und das ändert sich auch nicht im späteren Arbeitsalltag.

 Text: Heinz Peter Krieger

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