In einem Vorstellungsgespräch testen die Personaler auch die Stressresistenz – und die kommunikative Kreativität – von Kandidaten. „Fangfragen“ und provokative Fragen sind deshalb in die Gesprächsroutinen integriert. Einige Fragen sind jedoch aus rechtlichen Gründen problematisch – ehrlich beantwortet werden müssen sie nur dann, wenn sie einen direkten Bezug zur anvisierten Stelle haben.

Fangfragen“ und provokative Fragen kommen in Vorstellungsgesprächen beispielsweise dann zum Einsatz, wenn ein Bewerber sehr gut vorbereitet ist, seine Antworten auswendig gelernt wirken und er keinen persönlichen Eindruck hinterlässt. Zum Teil sind die sogenannten Stressfragen auch von vornherein Bestandteil des Gesprächskonzepts der Personalentscheider, die damit unter anderem Kreativität und Spontaneität der Kandidaten testen wollen. Mit ihren Fragetechniken simulieren sie dann Stresssituationen, die in anderer Form auch im beruflichen Alltag eine Rolle spielen. Mit gut reflektierten Antworten zeigst du, dass du auch unter Druck in der Lage bist, Entscheidungen zu  treffen und Lösungen zu finden. Zu einer (ehrlichen) Antwort auf Fragen, die deine Privatsphäre berühren, bist du nur verpflichtet, wenn sie einen Bezug zur angestrebten Stelle haben.

„Fangfragen“ im Bewerbungsgespräch – wozu sie dienen

Der Begriff der „Fangfrage“ impliziert, dass diese den Kandidaten „aufs Glatteis“ führen sollen – eine „bösartige“ Strategie ist damit jedoch nicht verbunden: Personalentscheider wissen, dass sich Bewerber so intensiv wie möglich  auf Vorstellungsgespräche vorbereiten und sich um jeden Preis von ihrer Schokoladenseite zeigen wollen. Für ihre Entscheidungsfindung brauchen sie jedoch eine andere Art von Input: Welche Motivationen treiben einen Kandidaten im Hinblick auf seine Bewerbung und im Arbeitsalltag an? Welche Werte und beruflichen Ziele sind für ihn wichtig? Welcher Mehrwert würde er der Firma bringen? Durch bestimmte Fragen und Fragetechniken versuchen sie, herauszufinden, ob ein Bewerber wirklich zum Unternehmen und der vakanten Stelle passt.

Drei Beispiele zeigen, wie solche Fragen lauten können:

1. Wenn Sie Ihre Arbeit selbst gestalten könnten – was wäre der perfekte Job für Sie?

Völlig selbstbestimmte Arbeit ist sicher ein Traum für viele Arbeitnehmer – im Vorstellungsgespräch geht es jedoch um ein anderes Thema. Deine Antwort auf diese Frage lässt möglicherweise deine Motivation für die Bewerbung und deine Berufswahl in einem anderen Licht erscheinen. Außerdem kann sie Aufschluss über persönliche Karriereziele geben.

2. Was erwarten Sie von einem Unternehmen, was fördert Ihre Produktivität?

Diese Frage kehrt die übliche Perspektive von Bewerbern um – normalerweise richten diese ihre Antworten und ihr Gesprächsverhalten an den antizipierten Anforderungen der Unternehmen aus. Vielleicht wünschst du dir – bei hoher Leistungsbereitschaft –  flache Hierarchien, ein großes Maß an Autonomie an deinem Arbeitsplatz und eine ausgewogene Work-Life-Balance. Für eine gute Zusammenarbeit müssen die Personalverantwortlichen solche Ansprüche kennen und entscheiden, ob und wie das Unternehmen sie erfüllen kann. Zudem ist die Fehlbesetzung einer Stelle für Unternehmen eine teure Angelegenheit.

3. Integrität, Loyalität, Respekt – in welcher Reihenfolge ist das für Sie wichtig?

Für die Personalentscheider geht es hier möglicherweise um die wichtigste Frage überhaupt, da sie nicht nur deine Einstellungen, sondern auch die Werte und die Kultur des Unternehmens sehr direkt berührt. Deine Antwort darauf zeigt, wie gut du in einer ethischen und kulturellen Dimension zu dieser Firma passt.

Antworten auf „Fangfragen“ – rasche Entscheidungen, Reflexion und Ehrlichkeit

Bei den Antworten auf „Fangfragen“ sind rasche Entscheidungen und Reflexion gefragt. Mit einer klugen ausgereiften Antwort wirst du als Bewerber punkten. Daneben erfordern sie auch Ehrlichkeit – das Ausweichen auf Floskeln, von denen du meinst, dass der Personalverantwortliche sie gerne hört, bringt an dieser Stelle nichts. Möglicherweise ist mit solchen Fragen auch für dich ein Lernprozess verbunden: Falls du sie ernst nimmst und vielleicht in deiner Nachbereitung des Vorstellungsgesprächs nochmals darauf zurückkommst, zeigen dir deine Antworten darauf, welches Arbeitsumfeld für dich optimal ist – und ob dir die anvisierte Stelle diese Bedingungen wirklich bieten kann.

Stressfragen erfordern Souveränität und Reaktionsvermögen

Der Übergang zwischen „Fangfragen“ und Stressfragen kann fließend sein. Schlüssige Antworten auf Nachfragen zu finden, warum du nicht der passende Kandidat für diesen Job sein könntest, was du machst, wenn du die Stelle nicht erhältst oder warum du schon recht lange auf Arbeitssuche bist, sind nicht ganz leicht zu finden. Hier kommt es darauf an, dass du dich nicht in eine unterlegene Position begibst, dich rechtfertigst oder zu einem „Gegenangriff“ übergehst. Den Personalentscheidern geht es darum, wie du reagierst, wenn du nicht in einer „Komfortzone“ agieren kannst, ob du gelassen bleibst und welche Argumente du in solchen Situationen findest.

Ein Beispiel: Im Vorstellungsgespräch taucht die Frage auf, warum du vergleichsweise lange studiert und auch ein knappes Jahr nach deinem Abschluss noch keinen Job gefunden hast. Schlecht aufgenommen wird, wenn dir dazu nur einfällt, dass du nun einmal so viel Zeit gebraucht hast und der Arbeitsmarkt für Absolventen deines Faches derzeit nicht allzu rosig aussieht. Überzeugend trittst du auf, wenn du die lange Studienzeit begründen kannst: Hast du ein Auslandssemester absolviert? Mit welchen Schwerpunktthemen? Hast du dich vor dem Abschluss für zusätzliche Praktika entschieden, um Erfahrungen in Bereichen zu erwerben, die du für dein berufliches Profil für wichtig hältst? Waren nach dem Bachelor- oder Masterabschluss unbezahlte Praktika aus deiner Sicht keine akzeptable Variante für den Einstieg – stattdessen bist du dabei, nach einer angemessenen und für dich wirklich interessanten Position zu suchen?

Unzulässige Fragen – wann „Notlügen“ erlaubt sind

Unzulässige Fragen im Vorstellungsgespräch sind Fragen, die deine Privatsphäre verletzten und damit auch aus juristischen Gründen problematisch sind. Unmittelbare rechtliche Sanktionen müssen Arbeitgeber deshalb zwar nicht befürchten – wenn Bewerber später meinen, dass sie wegen ihrer Antworten auf solche Fragen eine Ablehnung erhalten haben, können sie ihre Rechte unter Umständen jedoch durch eine Antidiskriminierungsklage geltend machen. Auf unzulässige Fragen kannst du mit einer „Notlüge“ reagieren oder eine sachlich-höfliche Formulierung finden, aus der keine Antwort abzuleiten ist.

Nicht erlaubt sind beispielsweise Fragen nach

  • der Zugehörigkeit zu einer politischen Partei
  • gewerkschaftlichem Engagement
  • dem Glaubensbekenntnis und der Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft
  • privaten Plänen (Heirat, Familienplanung)
  • einer bestehenden Schwangerschaft
  • dem aktuellen Gesundheitszustand und früheren Krankheiten
  • Behinderungen
  • den persönlichen Vermögensverhältnissen und/oder Schulden
  • den Berufen von Familienangehörigen oder Freunden
  • früheren strafrechtlichen Sanktionen.

Ausnahmen gelten dann, wenn solche Fragen mit den Anforderungen der vakanten Stelle in Verbindung stehen: Beispielsweise ist im medizinischen Bereich, aber auch in der Gastronomie ein Gesundheitszeugnis Pflicht. Wer sich auf eine Stelle bewirbt, bei der es um die Verwaltung von Vermögenswerten geht, muss gegebenenfalls auch über Schulden Auskunft geben. Ein kirchlicher Arbeitgeber kann von Bewerbern die Angabe ihrer Konfessionszugehörigkeit verlangen. Eine bestehende Schwangerschaft muss gemeldet werden, wenn durch ihr Verschweigen gesetzliche Schutzvorschriften nicht greifen könnten.

Weiter geht’s mit unseren Expertentipps zum Vorstellungsgespräch von Hays & Peek & Cloppenburg. Außerdem findest du hier unsere Checkliste, damit du nichts bei der Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch vergisst!

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